Donnerstag, 23. Mai 2013

George Morel – „Mein Weg führt mich Richtung Underground gepaart mit dem alten Flow“


20. Juli 2012 // Magazin  

In der elektronischen Musikszene hat George Morel schon lange Pionierstatus und wird international gefeiert. Als DJ und Produzent wurde er bereits mehrfach mit Platin und Gold ausgezeichnet. Vor allem seine Vielschichtigkeit und kreativer Output ist Aushängeschild für seinen sehr individuellen Sound. Im Jahr 2011 wurde er zu den 35 beliebtesten Produzenten aller Zeiten gewählt. Seine eigene musikalische Reise begann er mit dreizehn Jahren. Damals fing er an, erste Erfahrungen mit dem Plattenspieler zu sammeln. In den darauf folgenden Jahren spielte er bereits regelmäßig auf Partys und eignete sich so die Technik an, die ihm später zahlreiche Hitsingles und weltweite Anerkennung verschaffen würde. Für 2012 plant George Morel einen kompletten Relaunch seines Labels Groove On, neue eigene Produktionen und einen geheimnisvollen Gig auf Ibiza. Wir sprachen mit ihm über zukünftige Projekte, sein Label und die Entwicklung der Szene.

Derweil gibt es ein Relaunch von Groove On. Was ist da genau los?

Nachdem ich mir den Musikmarkt und dessen Wandlung im Laufe der letzten Jahre angeschaut habe, entschied ich mich wieder auf das Ursprüngliche zu konzentrieren. Ich wollte einfach wieder „back to the roots“. Diese ganzen auftauchenden Trends und verschiedenen Genres berühren mich nicht. Eine gute Platte wird unabhängig davon immer aus der Masse herausstechen. Sicherlich ist meine Idee einfach, ich erfinde das Rad damit nicht neu. Ich will nur die Dinge neuanstoßen und verändern die mich berühren und meine Aufmerksamkeit erregen, um es dann mit der Welt zu teilen. Groove On nimmt einen großen Bereich meines Lebens ein. Das Label hat mich zu dem gemacht was ich bin und mir dieses Interview hier gebracht (lacht). Aber mal ehrlich: Ohne das Label wüsste ich nicht was ich mache.

Welche Richtung willst du jetzt einschlagen?

Mein Weg führt mich Richtung Underground gepaart mit dem alten Flow. Bisher habe ich stets Musik ausgesucht, die richtungsweisend war. Mittlerweile ist der Markt einerseits so überschwemmt und andererseits so gespalten, dass es nicht mehr möglich ist, alle Menschen gleichermaßen glücklich zu machen. Dennoch denke ich allen interessierten Musikliebhabern eine besondere Freude bereiten zu können.

Neben der Soundausrichtung gibt es auch einige neue Artists. Welche neuen Künstler spielen beim Relaunch eine Rolle?

Ich habe eine ganze Handvoll neuer Künstler, die mich voll und ganz überzeugen. Unter anderem Matt Gill, Steve Nash, Michael Deep, Capture und einige weitere, welche ich auf Groove On im Laufe der Zeit featuren werde. Ich denke ein starkes Team sorgt für ein starkes Fundament. Darüber hinaus habe ich ebenfalls das Artwork neu konzipieren lassen. Carsten von XDC Media hat hier einen sehr guten Job abgeliefert. Ich liebe seine Kreativität und seine Designs. Mein Ziel war es, bei der Umsetzung etwas Simples und gleichzeitig Kraftvolles zu erreichen – ohne zu übertreiben. Einfach auf den Punkt gebracht.

Du selbst hast auch einige neue Tracks in Produktion. Wohin geht es soundtechnisch?

In letzter Zeit habe ich wieder viel Zeit im Studio verbracht und an Tracks gearbeitet, um den guten alten „Morel Groove“ wieder zum Leben zu erwecken. Ich lege in den Produktionen einen klaren Schwerpunkt auf einen treibenden Flow. Jede Veröffentlichung wird wieder eine individuelle Note und unverkennbaren Touch erhalten, so wie es bereits in der Vergangenheit war.

Gibt es Künstler, die dich bei Deiner Arbeit besonders beflügeln?

Sicherlich zu viele um sie hier alle zu nennen. Die ersten die mir in den Sinn kommen, sind Sven Väth, Loco Dice, Carl Cox, Timo Mass…

Du wirst diesen Sommer in einem neuen und bis dato komplett geheim gehaltenen Spot auflegen. Würdest du sagen, dass Ibiza immer noch eines der maßgebenden Party- und Szeneorte?

Ibiza hatte immer schon die besondere Fähigkeit, frischen Sound und Vibes einzufangen und zu transformieren. Daher bin ich sehr glücklich und ein wenig aufgeregt, wieder zu diesem wundervollen Ort zurückzukehren. Ich bin daher gespannt, was mich erwartet. Bezüglich der neuen Location habe ich gehört, dass es sich von allem bisher Dagewesenen unterscheidet. Sobald ich mehr weiß, sage ich euch Bescheid.

Lass uns ein wenig das Rad der Zeit zurückdrehen. Erinnerst du Dich an Deine schönsten Momente während des Auflegens und die heißesten Clubnächte?

Die besten meiner Sets fanden immer im Zusammenspiel mit dem Publikum statt. Eine besondere Atmosphäre kann immer erst dann entstehen, wenn sich Menschen auf die Situation und den Sound einlassen. Es gab so unendlich viele und herausragende solcher Momente, dass ich Sie hier nicht aufzählen kann. Es wäre auch nicht fair eine Location zu bevorzugen oder zu vergessen. Ich kann nur eines sagen: Ich bin unendlich glücklich im Laufe der Zeit vor so vielen wunderbaren Menschen und in unglaublichen Locations spielen zu dürfen.

Du bist weltweit vernetzt und legst du deinen Focus aktuell auch auf Miami. Was macht diesen Ort momentan so besonders für dich?

Ganz ehrlich – in Miami ist an 365 Tagen im Jahr etwas los. Es ist für mich ein wichtiger Markt und auch eine sehr international angehauchte Stadt. Direkt am Puls der Zeit. Jeder wird in Miami akzeptiert, vor allem in den richtigen Locations und mit ein wenig Promotion. Seitdem ich  hier lebe, habe ich beschlossen, meinen Fokus ein wenig mehr auf meine neue Heimat zu legen.

Mittlerweile kommt man um Dubstep kaum noch herum. In ganz Europa hat sich der Sound nun auch durchsetzen können. Was meinst du: Hype oder Next Level Shit?

Dubstep gibt es bereits seit Jahren und es ist schön zu sehen, dass es sich immer mehr durchsetzt und Anerkennung erfährt. Allerdings wird es immer etwas „extrem Neues“ und Angesagtes geben. Am Ende geht es doch immer wieder zu den Basics und zum eigentlichen Feeling. An dieser Stelle passt eines der großartigsten Acapellas :

“And as I told you before: This is our house and our house music. In every house, you understand there is a keeper and in this house the keeper is Jack. Now, some of you might wonder, “Who is Jack and what is it that Jack does?” Jack is the one who gives you the power to jack your body. Jack is the one who gives you the power to do the snake. Jack is the one who gives you the key to the wiggly worm. Jack is the one who showed you how to walk your body. Jack is the one that can bring nations and nations of all jackers together under one house”. You may be black, you may be white, you may be Jew or Gentile… It don’t make a difference in our house.”

Wie sieht ein normaler Tag zwischen Label-Business, Produktionen und internationalen Gigs bei dir aus?

Ich wache früh auf und checke erst mal mein Telefon und höre Nachrichten ab, um dann meine Mails zu lesen und zu bearbeiten. Dann bereite ich oft das Frühstück für meine Kinder vor und bringe Sie zur Schule. Wenn ich Sie nicht zur Schule fahren muss, fahre ich meist ein wenig mit dem Fahrrad durch die Gegend. Hier kommen mir viele meiner Ideen, welche ich danach im Studio umsetze. Gerne gehe ich auch spazieren und nehme die frische Luft in mir auf, um mich ein wenig zu entspanne. Den Rest des Tages verbringe ich meist im Studio oder im Büro.

Mit welchem Setup arbeitest du zurzeit?

Es ist ein sehr einfach und reduziert gehaltenes Setup, welches sich an meinem Studio orientiert. Mittlerweile nutze ich das schnellste Macbook auf dem Markt mit Logic und diversen Plugins. Sobald ich zu Hause bin connecte ich es mit einem angenehm großen Monitor um mehr Platz zum Agieren auf dem Display zu haben. Vocals zeichne ich in der Regel mit einem C12 AKG Mikrofon auf und einem Tube Tech Compressor, um einen warmen und  organischen Sound zu bekommen.

Arbeitest du lieber mit digitaler Software oder analogen Geräten?

Mittlerweile ist es sehr komfortabel für mich mit Software zu arbeiten, besonders wenn ich unterwegs bin. Daher stecke ich meine Energie auch in die Software, um auch den letzten Winkel zu verstehen. Manchmal kombiniere ich aber auch gerne analoge Geräte mit Software, um einen speziellen Sound zu erhalten.

Was sind deine klaren Favoriten im Bereich Producing um diesen speziellen Sound zu erhalten?

Ich liebe den Juno 106 für den Bass, Rob Papen, Fab Filter, Native Instruments, einige Logic Synthys, Logic EXS 24 Sampler, Logic Effects und natürlich meine geliebten Turntables. Vor allem eignet sich der Ultra Beat von Logic als Drum Machine, um die alten 808 Roland Drum Sounds zu transformieren. Dennoch kreiere ich meine eigenen Drumsounds aus den verschiedensten Quellen. An dieser Stelle möchte ich meinen Dank allen Software-Schmieden aussprechen, die es einem ermöglichen so kreativ und einfach zu arbeiten.

Du produzierst nicht erst seit gestern. Wie lange dauert es mittlerweile, bis du einen Track im Kasten hast?

Ich benötige für die Umsetzung des eigentlichen Grooves ungefähr 30 Minuten. In der Regel starte ich mit den Drums und einer Baseline. Manchmal ändere ich aber doch wieder alles im weiteren Prozess, um den richtigen Vibe zu finden. Es kommt daher immer auf den Track an.

Du hast zweifelsfrei eine eigene „Morel-Note“, die sofort herauszuhören ist. Wie wichtig sind daher bestimmte Tools & Equipment für dich?

Verdammt wichtig. Es gibt nichts Wesentlicheres als bestimmte Tools und Tricks.

Welche Musik inspiriert dich besonders?

Vor allem Musik die einen tief im Inneren berührt, liebe ich über alles. Es gibt da einige Platten, die mich einfach umhauen. Wenn ich eine wirklich gut produzierte und arrangierte Scheibe höre, dann gibt es nichts vergleichbares, das so viel Kreativität und gleichzeitig Inspiration zu mir sendet.

Was denkst du hat sich in der Szene und Industrie besonders stark gewandelt?

Meiner Meinung nach hat sich die Szene viel weiter geöffnet, was nicht zuletzt auch auf Social Media und das Internet im Allgemeinen zurückzuführen ist. Dinge entwickeln sich viel schneller und Informationen gelangen einfacher von A nach B. Das ist wohl auch der Grund warum Dancemusic in den Augen der Welt so enorm gewachsen ist.

Angenommen du hättest einige Wünsche frei, was würdest du innerhalb der Musik-Szene gern verändern?

Oh Mann – ehrlich: Ich wünschte mir einige der so genannten Produzenten herauszufiltern, die die Ideen Anderer missbrauchen und als ihre eigenen ausgeben. Und ebenfalls würde ich mir wünschen, dass mindestens 50 Prozent der freien Downloads gelöscht würden.

Stellt die digitale Entwicklung eher einen Segen oder einen Fluch für die elektronische Musikszene dar?

Einerseits Segen auf Grund vieler Vereinfachungen in verschiedenen Bereichen und andererseits Fluch auf Grund genau dieser Vereinfachung und der Flut an DJs.

Ist es bei dieser Flut mittlerweile härter als DJ Geld zu verdienen?

Jeder Beruf hat seine Herausforderungen. Wenn du gut bist – bist du gut. Das kann dir niemand nehmen. Als DJ und Produzent muss man kreativer sein und seinen eigenen Style haben. Das führt einen zwar nicht zwangsläufig zum Erfolg, zeigt dir aber den richtigen Weg  dorthin.

Wo siehst du dich dann selbst in 10 Jahren?

Ich wünschte mir auch dann tun zu können, was mir Spaß macht und Leute mit meiner Musik zu begeistern.

Was spielt sich in deinem Leben neben der Studioarbeit ab?

Ich liebe es zu lachen, das Hause zu dekorieren, Fitness, Boote zu reparieren, kochen, in Flip Flops zu laufen, Shorts zu tragen, zu Reisen, kilometerweit zu laufen, Fahrrad fahren, Toys sammeln, mit Freunden herumhängen, anderen Menschen zu helfen, Ratschläge zu geben und zu guter Letzt der beste Vater zu sein, der ich sein kann. Ich glaube mich langsam selbst verstanden zu haben und mit wem ich meine Zeit verbringen möchte. Natürlich möchte ich gesund und zielstrebig bleiben. Der Rest sollte dann von selber laufen.

Gibt es abschließend etwas, dass du der deutschen Community sagen möchtest:

Lebe, liebe, lache, lerne und „keep on dancing!“

www.facebook.com/georgemorel.fanpage