Kings of Drum & Bass: Das komplette Interview mit DJ Marky und Marc Mac (4Hero)

4Hero und DJ Marky sind weltweit beliebte Big Player des Drum´n Bass. Für die kommende „The Kings of Drum + Bass“ Compilation wurden sie sogar in den Adelsstand erhoben. Raveline bekam trotzdem eine Audienz bei ein Herrschaften gewährt und befragte Marc Mac und Marky ausführlich zum Thema gebrochene Beats.
Wann und wo seid ihr zur elektronischen Musik gekommen?
Marky: Ich traf durch das Experimentieren mit verschiedenen Stilen auf die elektronische Musik. Bei meinen ersten Shows in Sao Paulo habe ich tatsächlich Techno und heavy electronica gespielt. Dann kam Jungle irgendwann auch in Brasilien an und ab da war ich süchtig.
Marc Mac: Das war so um 1980, als ein Schulfreund mir eine Kassette aus seinem New York Urlaub mitbrachte. Sein Cousin hat ihn zu einem Hip Hop Jam mitgenommen, den er dann mit seinem Walkman aufnahm, Das war für mich das erste Mal, dass ich elektronische Musik hörte, nämlich Soul Sonic Force live. Es hat mich umgehauen…
Welcher DJ/welche Platte brachte euch denn auf den den Weg zu den gebrochenen Beats?
Marc Mac: Unser eigenes Label Reinforced experimentierte schon immer mit Sounds und Styles. Ich denke daher, Broken Beats sind eine Mischung aus unseren Experimenten auf Reinforced (4hero, Sieji & G-Force, Domu, Nubian Mindz, and Paradox) und anderen Künstlern aus West-London wie IG Culture, Orin Walters und Kaidi Tatham.
People Records, Bitasweet und 2000 Black Records waren ebenfalls prägende Labels. Die Verschmelzung all dieser Faktoren setzte das Fundament für Broken Beats, aber die Beteiligung anderer Länder, wie auch von Künstlern von Jazzanova bis Kenny Dope machten den kompletten Sound aus. Die Mischung aus Soul, Jazz und knatternden Snares brachte mich hinein.
Marky: Es gab viele Leute, die dafür sorgten, dass dieses Genre ein Lebensinhalt für mich wurde. Aber ich muss sagen, als ich das allererste Mal Calibre’s “Deep Everytime” hörte, wusste ich sofort, dass das mein Lieblingstrack für möglicherweise den Rest meines Lebens werden würde. Der ist jetzt über 10 Jahre alt und ich spiele ihn immer noch in meinen Sets…
Wie seht ihr denn die die Entwicklung der Drum´n Bass Szene, von den Jungle-Anfängen bis heute?
Marky: Es hat sich sehr viel geändert. Dadurch, dass die technischen Möglichkeiten viel einfacher geworden sind, können einfach viel mehr Leute Musik machen. Das Genre hat sich daher oft gedreht und viele Male verändert. Aber ich glaube, genau deswegen ist Drum & Bass immer noch so populär. Die Musik ändert sich konstant und das Spektrum ist sehr weit gefächert – „from liquid to jump up and tech steppers“.
Marc Mac: Drum and Bass ist möglicherweise die Form von moderner Musik, die sich am meisten entwickelt. Mit dem Ergebnis, dass man mit ihr viele Verästelungen und Styles verbindet. Drum´n Bass Platten sind nach wie vor ein Teil meiner vielseitigen DJ-Sets und zu 99% der Zeit sind sie die Highlights des Sets. Die Szene selbst hat klar ihre Höhen und Tiefen, wie jede Musik. Aber es ist immer noch großartig, jede Woche überall im Land D&B Events mit Crowds von über 1000 Leuten zu sehen.
Wenn ihr jetzt die Partys und Platten der letzten Jahre mit denen von heute vergleicht, was genau ist anders eurer Meinung nach?
Marc Mac: Früher sind die Leute wohl mehr raus gegangen, um die Anthems, die sie von Mix Tapes, Radio Shows und Record Stores her kannten, zu hören. Heute tanzen die Leute einfach und gehen auch zu einem Set mit gänzlich unbekannten Tracks von CD-R ab. Daher denke ich, dass die neuen Raver viel tiefer im Sound drin sind und vielleicht nicht nur in einzelnen Stücken.
Als wir früher Jungle/D&B produzierten, wollten wir eine Geschichte erzählen und hatten mehr Wechsel innerhalb von 5 Minuten, während die neuen Tracks von heute eher “Roller” sind, die ein Level 7 Minuten lang halten.
Marky: Ich denke, die Partys haben sich nicht so sehr verändert. Die Leute waren immer schon verrückt nach der Musik und durstig nach neuen Cuts und frischen Beats. Die Platten hingegen haben sich schon extrem verändert. Vor 10 Jahren brauchte man noch viel Equipment, alles war analog. Man musste schon sehr smart sein, um die Rechte für genutzte Samples zu bekommen. Heute kann jeder alles samplen, mit wenigen Clicks auf dem Computer. Dadurch hat sich die Musik viel mehr passenden und zeitgenössischen Samples geöffnet.
Welche Dinge liefen denn in der Szene grundsätzlich schief?
Marky: Vor einigen Jahren stagnierte die Szene etwas, da die Industrie nur auf die größeren Namen setzte. Dadurch gab es kaum Innovation, aber das hat sich mittlerweile längst wieder geändert. Die Industrie konzentriert sich heute sehr auf die jungen Talente.
Marc Mac: Ich denke nicht, dass was falsch gelaufen ist. Eher mussten sich die Dinge verändern und entwickeln, um zu überleben.
In der zweiten Hälfte der 90er wurde Drum´n Bass sehr bekannt. Gerade durch den Hype der Presse und die, von Major-Labels gesignten Künstler. Glaubt ihr, dass diese Popularität die Musik in die richtige Richtung gebracht hat?
Marky: Ja, das denke ich doch. Wenn DnB keine Tracks wie „Shake Your Body“ oder „LK“ hätte, stünde die Chance gut, dass das Genre heute immer noch totaler Underground wäre. Die Tatsache aber, dass DnB selbst bei Radio 1 lief, bedeutete, dass dadurch wirklich jeder die Möglichkeit hatte, die Musik zu erleben. Ohne diese Möglichkeit hätte DnB vermutlich immer noch jene leicht negative Haltung, an der die Szene in den späten 90ern litt.
Marc Mac: Ich sehe das auch sehr positiv. Schau dir mal den Sound von Leuten wie Roni Size, Goldie, Photek, Adam F oder auch uns an. Wir wurden gesignt und hatten dann plötzlich ein Budget um unseren Sound zu erweitern.
Drum´n Bass war auch immer ein Dubplate und Pirate Radio Station Thing.
Sind diese Dinge heute immer noch so wichtig für die Producer? Welche Rolle spielen Internet und digitales Djing?
Marc Mac: Die Pirate Radios waren der ursprüngliche Schlüssel zum Erfolg von Drum and Bass und der Rave Szene. Die Dubplates kamen dann, als die DJs sich einen Namen machten. Seitdem waren sie für Producer wichtig. Pirate Radios spielen ja nur einem kleinen Teil von Producern. Aber wenn man damals ein echter D&B Künstler war, ging man in die Clubs um neue Musik und Dubplates zu hören. Internet und digitales Djing sind in der Beziehung noch nicht so groß durchgestartet.
Marky: Um ehrlich zu sein, sind Duplates schon länger kein großes Thema mehr. Die Mehrheit der Leute sammelt immer noch Vinyl, aber spielt es seltener.
Früher habe ich auch Unmengen an Vinyl schneiden lassen und gekauft, heute habe ich meinen Laptop und die Festplatte. Radio ist immer noch wichtig aber die digitale Revolution macht es um einiges einfacher und weniger kostspielig für Künstler Künstler und Labels, ihre Musik an die wichtigen Stations zu schicken.
Die DnB Szene schien lange Zeit eine ganz eigene Community mit ihren ganz eigenen Regeln und ihrem sehr eigenen Style. Heute ist Drum´n Bass mehr in Kontakt mit anderen Richtungen…
Marky: Ja, dem stimme ich definitiv zu. Es gibt jetzt viel Crossover. DnB Acts probieren auch andere Genres wie Hip Hop oder Dubstep aus. Auch House- und Popkünstler sehen den Nutzen, bei den Remixen eine größere Spanne zu bieten, als nur in einem Stil gefangen zu bleiben und so immer sehr gleich zu klingen. Ich habe zum Beispiel für ein paar House Jungs Remixe gemacht. Einen etwa für „Strobe“ von Deadmau5, einen anderen für „Aundy“ von Claude VonStroke. Das war eine wirklich gute Erfahrung und forderte auch meine kreative Seite heraus, denn ich wollte die housigen Elemente behalten und gleichzeitig eine Drum´n Bass Version schaffen.
Marc Mac: Ich mag ja zum Beispiel mehr den soulful D&B und mag weniger die nach Rock/Metal klingenden Sachen. Lustigerweise, das habe ich festgestellt, bringen immer mehr Indiebands Elemente von Drum & Bass in ihre Songs. Es stimmt ebenfalls, das stilistisch offenere DJs auch D&B Tunes finden können, die zu ihren Sets passen.
Was sind eurer Meinung nach die derzeit wichtigsten Clubs für euren Sound?
Marc Mac: Die Szene ist in der Hinsicht einzigartig, denn sie braucht noch nicht mal einen “fashionable’ club”. Man kann immer noch überall tolle Partys haben. Ob in einer Bar für 100 Gäste oder auf einem Feld mit 10.000 Leuten.
Marky: Nun, Fabric ist möglichweise einer der größten Clubs, der die heißesten Acts bucht. Chibuku in Liverpool verdient auch großen Respekt.
Was war denn die beste Party/das beste Set für euch in den letzten Monaten?
Marky: Ich bin momentan auf Tour durch Australien und habe hier einige fantastische Shows gespielt, besonders in Melbourne. Das war eine echt tighte Clubnacht vor vollem Haus. Really good vibes. Andererseits bietet meine Residency in der Fabric immer eine großartige Party. Wir hatten da schon klasse Acts wie Roots Manuva, Black Milk oder Fabio dabei und die Stimmung im Main Room elektrisiert einfach.
Marc Mac: Im Dezember hatten wir zwei klasse Partys in Europa. Die eine war im Café Capital in Belgien, die andere in einem coolen Club in Annecy (Frankreich) namens Ruby´s. Und in der Maria in Berlin hatten wir im letzten September einen grandiosen Oldschool Gig mit A Guy Called Gerald and Shut Up und Dance.
Wie wird sich Drum´n Bass denn in der nahen Zukunft weiter entwickeln?
Marky: Das ist schwer zu sagen, denn die Leute versuchen immer den Sound in eine neue Richtung zu bringen. Ich kann daher noch nicht mal vermuten, was genau passieren wird, aber ich freue mich darauf und bin hoffentlich weiterhin dabei.
Marc Mac: Keine Ahnung. Aber ich würde mich über ein Comeback der old school Ravesounds und Pianostabs vor jubelnden Leuten in 2010 freuen. (lacht)
Was haltet ihr denn von Dubstep? Was sind die Gemeinsamkeiten mit Drum´n Bass, wenn man die Szenen vergleicht?
Marc Mac: Die Wahrheit ist, ich kenne nicht viele Tracks aus der Ecke. Die, die ich gehört habe, hatten klar Einflüsse von Drum´n Bass. Ich kenne auch viele einstige D&B Producer, die jetzt Dubstep machen. Generell mag ich ja Downtempo Musik, aber bei Dubstep habe ich immer das Gefühl, dass es einfach schneller gehört.
Marky: Ich habe mich noch nicht wirklich intensiv mit Dubstep befasst. Keine Ahnung warum. Es packt mich einfach nicht so. Vielleicht liegt das am Tempo oder so. Dubstep habe ich jedenfalls nicht in meiner Plattenkiste.
Der Sound hat schon Ähnlichkeit mit Drum´n Bass, aber vergleichen kann man beide Stile meiner Meinung nach nicht.
Ihr habt nun die neue „Kings of Drum´n Bass“ Compilation gemixt. Wie seid ihr an die Auswahl herangegangen, was war euch wichtig?
Marky: Es war echt hart, um ehrlich zu sein. Wenn man da sitzt und an all die Tunes denkt, die man gerne verwenden würde ist alles noch prima. Aber wenn man dann realistischerweise aufgrund von Lizensierungsproblemen nur die Hälfte davon nutzen darf, muss man Entscheidungen treffen, was genommen wird und was nicht.
Die Erstellung der Tracklist ist immer schwierig für mich, doch für diese Compilation
wollte ich sichergehen, dass ich den Style repräsentiere, den ich auch gerade spiele.
4Hero griff ja schon die „old school heavy hitters“ auf, daher wollte ich meine CD so fresh wie möglich gestalten.
Marc Mac: Ja, ich versuchte die real underground family miteinzubeziehen. Ich wollte die vielen Äras, Styles und Ställe aufzeigen. Die Hörer, die nicht viel über D&B wissen, sollten merken, wie breitgefächert dieses Genre ist.
Was fasziniert euch denn heute immer noch Drum´n Bass?
Marky: Die Fans. They are amazing. Egal wieviel Uhr es ist, sie gehen immer steil und warten auf den nächsten großen Knaller. Ich habe es mir zur Mission gemacht, für genau diese Leute zu spielen. Für die, die ganz vorne stehen und die ganze Nacht wie irre durchtanzen.
Marc Mac: Mich fasziniert, dass ich Leute aus so vielen Genres, die ich respektiere treffe, wie aus Hip Hop oder House und die erzählen mir dann, dass sie mit Jungle, Rave oder Drum and Bass aufwuchsen.
Letzte Frage, was können wir von euch in den nächsten Monaten erwarten?
Marc Mac: Ich habe genug Musik am Start. Ich arbeite an verschiedenen Projekten, hauptsächlich an einem neuen Visioneers Album, mehr 4Hero Musik und meinem ersten full lenghth Hip Hop Projekt mit einem New Yorker Rapper namens TRAC
Marky: Natürlich gibt es da erst einmal die „The Kings of Drum & Bass“ auf BBE. 4Hero sind übrigens auch persönliche Helden für mich. Dann kommen die erwähnten Remixe für Deadmau5 (kommt bald) und Claude VonStroke (kommt später im Jahr), ein Remix für Twisted Individual, sowie eine Reihe eigener Tracks für Labels wie Digital Soundboy. Auch wird es wieder einige „DJ Marky & Friends“ Nächte in der Fabric geben. Ich habe ein gutes Gefühl für 2010. It’s going to be big!
www.myspace.com/djmarkyinnerground








