Marco Carola – Music On Ibiza
Der Neapolitaner Marco Carola zählt bereits seit vielen Jahren zur Speerspitze des Techno und hat während seiner langen Karriere schon viele Meilensteine hinter sich gelassen. Ob VÖs auf Minus oder Plus8, diverse Alben, sein damals sehr erfolgreiches Zenit-Label oder unzählige Gigs auf der ganzen Welt, Marco hat schon so ziemlich alles erlebt. Vielleicht war auch das der Grund dafür, sich aus alten Strukturen zu lösen und die Karriere noch mal mit frischem Wind zu beflügeln. Anfang 2012 kehrt er Minus freundschaftlich den Rücken zu und beschließt, sich mehr auf seinen eigenen Weg zu fokussieren. Der führt ihn zunächst in Spaniens schönste Metropole Barcelona, wohin er von Neapel aus umgezogen ist. Was den Job angeht, hat sich Marco Carola ebenfalls komplett neu aufgestellt – neuer Booker, neues Label und ab Juli auch die erste eigene Nacht auf Ibiza.
Ab sofort kann man sich den Freitag dick im Kalender anstreichen, denn für insgesamt elf Wochen wird Marco Carola dem Amnesia seinen Stempel aufdrücken. „Music On“ steht zu 100 Prozent für Marco Carolas Philosophie von Techno, Minimal & House. Mit sehr sorgfältig ausgesuchten Gast-DJs startet Marco Carola eine Nacht, die seinen Gästen sein Verständnis der Musik näherbringen soll. Während seiner jährlichen Reisen, Gigs und Festivals hat er eine handverlesenen Auswahl an Künstlern zusammen gestellt, die ihr Handwerk mindestens so gut verstehen wie er selbst – und Marco zählt ohne Zweifel zu den meisttalentierten DJs, die ich kenne.
Seine Skills stellte er die letzten zwei Jahre besonders auf Ibiza immer wieder unter Beweis und erfreuen sich dort immer größerer Beliebtheit und Zulauf. Ein Fakt, der auch der Amnesia-Crew nicht entgangen ist, die ihm für 2012 eine eigene Nacht anbot. Die Zeit scheint für ihn gekommen zu sein und somit öffnen sich am 6. Juli erstmals die Türen des Amnesias für Marco Carolas eigene Nacht „Music On“. Wie das Konzept genau aussieht, welche Künstler er mitbringt und was es sonst noch Neues bei Marco gibt, erfahrt ihr im folgenden Raveline-Interview.
Hi Marco, ich habe gehört, du bist grad frisch umgezogen und lebst jetzt im schönen Barcelona…
Ja, das stimmt. Ich bin vor ca. einem Monat hierher gezogen und fühle mich sehr wohl hier. Die Stadt ist für mich die perfekte Kombination. Ich komme ja ursprünglich aus Neapel – also das Meer, das Wetter und das Essen unterscheiden sich da schon mal nicht großartig. Aber Barcelona liegt nah an Ibiza und der Flughafen liegt auch nicht zu weit draußen. Allerdings werde ich aufgrund meiner neuen Residency im Amnesia den Sommer über auf Ibiza leben.
Das Jahr 2012 hat für dich sehr viele Veränderungen mit sich gebracht. Wie hast du die ersten Monate erlebt?
Bisher war es ein sehr arbeitsreiches Jahr. Die Vorbereitungen für meine neue Eventreihe „Music On“ im Amnesia laufen auf Hochtouren. Ich werde dort ab Anfang Juli bis zum September immer freitags eine eigene Nacht zelebrieren. Ich will, dass es perfekt wird und daher investiere ich wirklich viel Zeit in dieses Projekt.
Zum Jahresanfang hast du dich nach vielen gemeinsamen Jahren von der Minus-Crew gelöst und auch deren Booking-Agentur Clonk verlassen. Willst du dich bewusst mehr auf deine eigene Karriere statt auf das Minus-Kollektiv konzentrieren?
Diese Veränderungen haben sich irgendwie von selbst ergeben. Ich hatte das Bedürfnis, ein eigenes Kollektiv um mich zu versammeln, mit dem ich neue, eigene Projekte in der Zukunft realisieren kann. Es macht für mich einfach mehr Sinn, mit Menschen zu arbeiten, die mir auch räumlich nah stehen. Die Minus-Crew sitzt in Berlin, ich habe bis vor kurzem noch in Neapel gewohnt. Ich bin der Meinung, dass die erfolgreiche Umsetzung von Projekten einer täglichen Interaktion bedarf. Natürlich sind die Kommunikationswege dank der technischen Entwicklung heute sehr kurz, dennoch ist es etwas anderes, wenn man sein Team täglich um sich hat – Ideen werden so viel schneller und konkreter umgesetzt. Das war für mich eigentlich der Hauptgrund, warum ich Minus und Clonk verlassen habe.
Wer zählt denn jetzt zu diesem engeren Kreis?
Zunächst ist das mein Manager Luca, der ab sofort auch das Booking für mich macht und auch die Verbindung zu den Leuten vom Amnesia ist sehr eng geworden. Ab dem 6. Juli startet dort meine Reihe „Music On“ und geht mit insgesamt elf Nächten bis zum 14. September. Auch da hat sich ein neues Team gebildet, das mir mit der Promotion und der finalen Promotion hilft.
Zählen auch die Künstler dazu, die bei dir spielen werden? Neben alten Hasen wie Jeff Mills, Stacey Pullen oder Josh Wink hast du mit Jospeh Capriati, Leon, Carlo Lio oder Maetrik auch einige relativ neue Durchstarter dabei…
Das komplette Booking war eine rein musikalische Entscheidung. Natürlich arbeite ich auch mit dem einen oder anderen Künstler zusammen, aber hauptsächlich ging es mir darum, meine Vision von Musik und Party auf die Insel zu bringen. Die Acts, die mit mir auf der „Music On“ spielen werden, sind die, welche aus meiner Sicht vom Sound her am besten diese Vision umsetzen werden. Es gibt viele großartige Künstler, die auf Ibiza einfach keine Plattform haben oder nicht die angemessene Beachtung oder Spielzeiten finden. Das LineUp ist eine Kombination aus etablierten Acts und interessanten Newcomern, aber in einer Art und Weise, wie es sie auf Ibiza bisher noch nicht gegeben hat.
Nach welchen Kriterien hast du denn ausgewählt? Favorisierst du die Acts aufgrund ihrer Produktionen oder ging es dir rein um DJ-Skills?
Da ich selber mit Leib und Seele DJ bin, ging es mir im Wesentlichen um die Fähigkeiten im DJing. Für mich ist das eine sehr feine Art der Kunst, bei der es um die ständige Interaktion mit dem Dancefloor geht. Mir ist es nicht genug, mit Musik zu leben und sie zu produzieren, sondern sie auch zu fühlen. Das kann ich am besten, wenn ich im DJ-Booth stehe, mein Set aufbaue und so mit der Crowd kommuniziere. Alle DJs, die ich gebucht habe, sind in meinen Augen unglaublich gute DJs und beherrschen, oder besser noch leben diese Form der Interaktion. In Zukunft werde ich noch mehr auf junge, talentierte Newcomer setzen. Aber ich muss mir natürlich sicher sein, dass sie ihren Job bestmöglich machen, wenn sie an der Front stehen.
Wie kam es eigentlich zu der engeren Zusammenarbeit mit dem Amnesia und der daraus resultierenden „Music On“-Reihe?
Alles begann am Ende der letzten Ibiza-Saison, wo ich eine Residency bei Cocoon hatte, aber auch das Closing im Amnesia für MTV gespielt habe. Alle diese Events waren von den Besucherzahlen große Erfolge. Das Feedback der Leute war ebenfalls unglaublich gut und da habe ich das Potential gespürt, im nächsten Jahr eine eigene Nacht an den Start zu bringen. Was die Wenigsten wissen ist, dass ich beinahe jedes Jahr von verschiedenen Clubs Anfragen bekomme, ob ich nicht eine eigene Nacht auf Ibiza machen will. Aber erst im letzten Jahr habe ich mich wirklich damit beschäftigt. Um es auf den Punkt zu bringen: Am Ende der Saison hat mir das Amnesia den Freitag angeboten. Für mich ist es der beste Club auf der Insel, von daher musste ich nicht lange nachdenken. Für mich stimmt dort einfach alles. Der Sound, der Club, die Terrasse, die Struktur – ich fühle mich dort einfach wie zu Hause.
Für welches Konzept wird „Music On“ stehen? Welchen Sound, neben deinem eigenen, wirst du dort präsentieren?
Ich werde jeden Freitag auf der Terrasse spielen. Vor mir wird ein DJ oder Live-Act das WarmUp spielen. Da ich auf ein gutes BuiltUp Wert lege und nicht schon von Beginn an hart spiele, habe ich die Acts vor mir sehr sorgfältig und vorsichtig ausgesucht. Ein schlechtes WarmUp mit zu aggressiver Musik kann einem manchmal den kompletten Vibe der Nacht ruinieren. Ich habe mich daher für Acts wie Marc Antona, Leon Guti oder Masemenos entschieden. Ihr Sound passt perfekt zu dieser Zeit auf die Terrace. Für den Club innen habe ich mich für ein Techno-Programm entschieden. Hier wird ein Mix aus etablierten DJs und Newcomern spielen, aber auch Acts, die bisher noch gar keine Erfahrung mit Ibiza, aber einen sehr guten Namen in Spanien, Deutschland oder Italien haben. Die Kombination macht den Reiz aus. Jeff Mills und Stacey Pullen sind Künstler, deren Sound ich schon seit Jahren liebe. Dazu kommt dann zum Beispiel Joseph Capriati, ein DJ, der es in den nächsten Jahren noch sehr weit bringen wird.
Was gefällt dir persönlich an der Terrasse besser?
Das hat sich über die Jahre so ergeben bzw. habe ich mich eigentlich direkt bei meinem ersten Set in die Terrasse verliebt. Vielleicht, weil mir der Kontakt mit dem Publikum sehr wichtig ist. Ich fühle die Energie besser, wenn ich mein Set gemeinsam mit der Crowd aufbaue. Je enger der Kontakt zum Publikum, desto besser funktioniert für mich die Interaktion. Man entwickelt den Vibe gemeinsam. Im Club des Amnesia steht man für meinen Geschmack zu sehr über den Dingen. Daher werden wir die Kanzel auch nicht oben an ihrem ursprünglichen Platz lassen, sondern nach unten in die Menge verlegen. Das haben wir schon mal gemacht, als ich im Club gespielt habe und das kam sehr gut an.
Das Kick Off Event ist Anfang Juli, also in nicht mehr ganz drei Wochen von jetzt an. Steigt da langsam die Nervosität?
Um ehrlich zu sein, schon ein wenig. Aber ich versuche, mich abzulenken, mich nicht verrückt zu machen und zu relaxen. Es ist ja auch das erste Jahr, daher erwarte ich auch nicht zu viel. Ich will den Gästen einfach nur ein gutes Gefühl geben.
Du bist ja schon sehr lange im Geschäft und sehr viel unterwegs. Ist Ibiza immer noch der führende Platz in der Welt, wenn es um elektronische Musik geht oder gibt es andere Regionen, die aufgeholt haben?
Es gibt keinen anderen Platz in der Welt, der auch nur annähernd wie Ibiza ist. Dort hast du alle möglichen Musikrichtungen, die verschiedensten DJs und die buntesten Partys geballt an einem Ort. Du kannst als Besucher der Insel in einer Woche die unterschiedlichsten Dinge erleben – die Auswahl ist einfach riesig und man kann dort sehr viel entdecken. Das macht Ibiza für mich bis heute zum wichtigsten Hotspot für elektronische Musik in der Welt.
Wie sieht es denn mit anderen Projekten und neuen Releases aus? Oder hat Ibiza dich zurzeit komplett im Griff?
Natürlich nimmt das Ibiza-Projekt momentan den Löwenanteil meiner Zeit in Anspruch. Weil es das erste Jahr ist, war es mir einfach wichtig, mich möglichst stark in die Organisation einzubinden. Umso mehr freue ich mich daher aber auf die Momente im Studio, wo ich dann mal abschalten und einfach Musik machen kann. Die erste EP für Music On Records ist fertig und wird in Kürze erscheinen.
Also hast du gleich noch so nebenbei dein eigenes Label an den Start gebracht?
Genau, „Music On“ ist auch der Name für mein eigenes Label. Wir verschicken jetzt grad die Promos für mein erstes Release dort und werden es dann hoffentlich so schnell wie möglich rausbringen.
Wird das eine reine Plattform für dich selbst oder wird man dort auch andere Acts hören?
Das Konzept für das Label unterscheidet sich etwas zu dem der Event-Reihe. Bei den Partys war ich sehr wählerisch, was Namen und DJ-Skills angeht. Beim Label zählt für mich nur die Musik. Ich werde die Musik veröffentlichen, die ich dafür würdig halte, egal wer der Künstler ist. Ich werde mir viele, viele Demos anhören und wenn ich denke, dass ich Musik finde, die eine Plattform verdient, werde ich diese bereitstellen. Ich möchte neue Produzenten entdecken, Talente finden und ihnen eine Chance geben. Eine Chance, die sie bei der Masse an Releases da draußen nur schwer finden werden. Für mich, damals als junger Produzent, war es schon schwer. Aber seit der Digitalisierung des Musikmarktes ist es ungleich schwerer geworden, bei der Masse an Releases überhaupt wahrgenommen zu werden.
Da wir uns ja mitten in der EM befinden, interessiert uns natürlich brennend, ob du auch Fußball-Fan bist?
Ja, klar interessiert mich die EM, aber ehrlich gesagt, habe ich momentan Nullkommanull Zeit zum Fußball schauen. Aber ich verfolge natürlich die Spiele der italienischen Mannschaft. Ob sie eine Chance auf den Titel hat, da bin ich eher skeptisch. Aber bei uns Italienern spricht man sowieso nie vom Titel. Aus Erfahrung wissen wir, dass es nur Unglück bringt. Von daher bin ich präventiv pessimistisch und sage, wir gewinnen diese Europameisterschaft nicht. Was am Ende dabei heraus kommt, werden wir dann sehen.
www.facebook.com/MarcoCarolaOfficial
20 Jul 2012
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03 Aug 2012
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Terrace: Marco Carola / Steve Bug
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17 Aug 2012
Terrace: Marco Carola
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24 Aug 2012
Terrace: Marco Carola / Silvie Loto
Main Room: Stacey Pullen / Joseph Capriati Mar-T
31 Aug 2012
Terrace: Marco Carola
Main Room: Stacey Pullen / Guti
07 Sep 2012
Terrace: Marco Carola / Masomenos
Main Room: Miss Kittin / Heidi / Camea
14 Sep 2012
Terrace: Marco Carola / Martin Buttrich
Main Room: Jeff Mills / Alexi Delano / Carlo Lio







