Donnerstag, 09. Februar 2012

Martin Solveig – Den Funk im Blut


22. Dezember 2009 // Magazin, Musikthemen  

solveig
Jeder Künstler, der seine Musik an den Mann bringen will, hat die schwere Aufgabe, seine Werke vernünftig zu promoten. Dafür werden gerne immense Summen bei Online-Musicstores für Werbebanner ausgegeben und etliche Medien aktiviert, um möglichst viel über die Single oder das Album zu berichten. Der obligatorische Videoclip darf bestenfalls nicht fehlen. Martin Solveig macht es wie sein Vorbild Prince. Der Pariser veröffentlichte sein neues Remix-Album bei einem britischen und spanischen Magazin als kostenlose Beilage. Darüber hinaus stellte er für kurze Zeit seine aktuelle Single als Gratis-Download ins Netz. Das Ergebnis war ein Top 10 Hit in Frankreich und stattliche Verkäufe weltweit. Auf einen Videoclip verzichtete er zwar nicht, aber zeigt die Art der Promotion doch, dass in illegalen Download-Zeiten auch eher unspektakuläre Kampagnen Erfolgsergebnisse versprechen können.

Produzent, DJ, Labelchef und neuerdings auch Freund von Jean Paul Gaultier, so lässt sich Monsieur Solveigs Steckbrief zusammenfassen. Dies Jahr steht für ihn unter einem guten Stern. In bester Laune begrüßt mich Martin Solveig mit den letzten Brocken Deutsch aus seiner Schulzeit: „Hallo, wie geht’s dir? (lacht). Mousse T. versucht mir gelegentlich ein paar Sätze Deutsch beizubringen. Allerdings vergeblich. Ich hatte einige Jahre Deutsch in der Schule und habe so gut wie nichts davon behalten.“ Die Beiden stehen in engem Kontakt, doch kam es bisher nie zu einer gemeinsamen Arbeit. Musikalisch bewegen sich beide aber im gleichen Kosmos. „Wir haben beide den Funk im Blut. Irgendwann treffen wir uns bestimmt mal im Studio. Ich habe ihn vor zehn Jahren getroffen, als ich Resident-DJ in David Guettas Club Les Bains Douches war. Mousse T. war schon ein Star und ich habe ihn für seine Musik wirklich bewundert. Er hat mich stark beeinflusst.“

Die Parallelen zwischen den beiden konnte man im letzten Jahr bestens auf Solveigs Album „C’est La Vie“ hören. Eine Hommage an Funk, Pop und Dance Music zugleich. Eine Reihe an Remixen von den bekanntesten House-Produzenten des Globus folgte, die dem Longplayer den nötigen Respekt zollten. Ein Jahr später erschien nun das dazugehörige Remix-Album. „Ich habe es in zwei Magazinen in England und Spanien als kostenlose Beilage veröffentlicht. Ich wollte mich auf diesem Wege bei allen, die meine Musik mögen und den Remixern bedanken. Heutzutage, da jeder illegal Musik aus dem Internet ziehen kann, muss man dagegen ansteuern indem Musik günstiger angeboten wird. Auch ein Gratis-Album kann vielleicht dazu beitragen, dass sich Leute Gedanken über die angeschlagene Musikindustrie machen. Natürlich gibt es dazu kein verlässliches Rezept, aber ein Versuch ist es wert.“

Solveigs aktuelle Single „Boys & Girls“, bei der er und die Dragonettes sich ein Gesangs-Duett liefern, wurde im September mit über 50.000 Kopien ebenfalls zum kostenlosen Download bereitgestellt. Nachdem das Kontingent erschöpft war, wurde die Single bei iTunes und Co an den Mann gebracht. Das Ergebnis war verblüffend. „Ich dachte mir, dass nach der Aktion kaum einer noch die Single offiziell kaufen würde. Doch weit gefällt. ‚Boys & Girls’ schoss in die Top Ten der französischen Charts.“ Allerdings lag es mit Sicherheit auch daran, dass Jean Paul Gaultier höchstpersönlich den Song für die Werbekampagne seines Parfums Ma Dame nutzte. Im Archiv rumorte noch der Track, der es nicht aufs Album geschafft hatte. Gaultier nutzte diesen für eine Fashion Show und war prompt begeistert. „Wir drehten hierzu einen Videoclip mit außergewöhnlicher Kulisse und etlichen Tanzeinlagen. Dafür hatte ich zwei Wochen Tanzunterricht genommen.“

Die Zukunft des sympathischen Franzosen scheint weiterhin rosig zu sein. Mit dem kommenden Remix für die Prince Single „Dance 4 Me“ ist für ihn ein großer Traum in Erfüllung gegangen. In den nächsten Wochen stehen Gigs von Australien über Asien bis nach Süd-Afrika an. Anschließend geht es für Martin Solveig ins Studio, um auch 2010 mit einigen großen Produktionen an den Start zu gehen.

www.martinsolveig.com

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