Dienstag, 21. Mai 2013

Medina – Chapter II


19. Juni 2012 // Magazin  

Was Medina und Lego gemeinsam haben? Richtig, sie sind mit Abstand Dänemarks erfolgreichste Exportschlager. Das kleine Königreich im Norden Europas hat schon so einige Musikkünstler hervorgebracht, doch nur wenige konnten weltweit durchstarten. Medina hat es geschafft. Sie ist jung, weiblich, attraktiv und eben viel mehr als nur eine Sängerin mit Dance-Ambitionen. Medina aka Danielle Oona Valbak ist Vollblutmusikerin. Seit 2000 führt die Dänin mit den chilenischen Wurzeln immer wieder die Charts in ihrer Heimat an. Den ganz großen Durchbruch feierte sie 2008 mit dem Song »Kun For Mig« (Nur für mich), der später mit englischen Vocals („You And I“) zum Welthit wurde. Heute ist Medina Dänemarks (Pop-)Star Nummer 1. Sie ist die personifizierte Verschmelzung von Stimme, Musikalität, Optik sowie Charme und hat inzwischen auch den internationalen Musikmarkt erobert. Raveline traf die sympathische Sängerin bei ihrer Plattenfirma EMI Music in Köln zum Interview.

Hi Medina, willkommen in Kölle am Rhein! Wie gefällt es dir in der Domstadt?

Danke, gut. Allerdings bin ich nur für zwei Tage hier in Köln und bereite die Promo für mein neues Album vor. Heute haben wir neue Pressebilder gemacht. Das ist auch der Grund, warum ich so viel Make Up im Gesicht habe (lacht). Danach geht es für mich zurück nach Dänemark, wo ich dann auf Festivaltour gehen werde.

2011 war ja ein großes Jahr für dich. Die Single „You And I“ war ein sehr großer Erfolg, du hast einige Awards gewonnen und auch dein Album „Welcome To Medina“ lief sehr gut. Hast du dich an den Erfolg und das ganze Drumherum schon gewöhnen können oder musst du dich manchmal noch selbst kneifen?

Glücklicherweise hatte ich nie das Gefühl, dass irgendetwas in meiner Karriere zu schnell gegangen ist oder mir über den Kopf wachsen würde. Ich habe mir einfach die Zeit genommen, Dinge für mich zu entdecken und damit auf meine Art und Weise umzugehen. Ich absorbiere alles um mich herum wie ein Schwamm, daher bin ich froh, dass sich meine Karriere Schritt für Schritt entwickelte. So hatte ich mehr Zeit, mich daran zu gewöhnen, dass sich mein größter Traum erfüllt hat. 2011 ist natürlich sehr viel geschehen. Wir hatten sehr viel Erfolg mit verschiedenen Projekten, dem Album, der Tour usw., aber meine Familie und ich haben einen sehr guten Modus gefunden, mit allem, was nun um uns geschieht, vernünftig umzugehen.

Zeit-Management spielt dabei wohl eine sehr große Rolle, nehme ich an?

Mit meinem Team, das ich auch meine Musik-Familie nenne, arbeite ich jetzt schon seit mehr als acht Jahren zusammen. Wir kennen uns daher alle sehr gut, jeder kennt seinen Platz und seine Aufgabe. Es ist eine gute Sache, dass wir alle so vertraut miteinander sind, denn genau das ist es, was unseren kleinen Kosmos so gut funktionieren lässt. Dieses System gibt uns das nötige Selbstbewusstsein, das wir für unsere Arbeit benötigen. Aber natürlich lernen wir immer noch jeden Tag dazu.

Acht Jahre sind ja schon eine lange Zeit. Gab es einen bestimmten Zeitpunkt, an dem ihr euch für den Weg der professionellen Musikkarriere entscheiden musstet?

Kann man das – sich für eine professionelle Karriere entscheiden? Ich glaube, dass man sich erst dazu entscheiden kann, wenn sich einem die Möglichkeit dazu bietet. Bei mir war es glücklicherweise der Fall und da fiel mir die Entscheidung nicht schwer. Wann genau die Entscheidung gefallen ist, kann ich nur schwer beantworten. Musik war schon immer Teil meines Lebens und es war immer mein Ziel, davon leben zu können. Jetzt kann ich das zum Glück sehr gut, sogar so gut, dass ich zudem auch meine Familie finanziell unterstützen kann. In den letzten Jahren hat sich alles zum Glück so positiv entwickelt, dass ich mich nun ohne jede Sorge auf meine Musik konzentrieren kann. Dafür bin ich sehr dankbar.

Ich habe ehrlich gesagt absolut keinen Schimmer von der Dance-Szene in Dänemark. Gibt es da überhaupt eine? Wie ist das Umfeld dort?

Anfangs gab es so gut wie nichts in Dänemark. Aber nach dem Erfolg unserer Single „Kun For Mig“ gab es einen regelrechten Boom. Aber ich mag das Wort „Dance“ nicht wirklich. Ich würde unsere Musik als Elektro-Pop klassifizieren. Unser Sound ist Elektro und die Art wie ich die Lyrics schreibe und in Melodien umsetze, ist Pop, der mit dem Instrumental zu etwas Neuem fusioniert. Ich mag den Begriff „Dance“ nicht, weil er etwas beschreibt, dass irgendwann mal in den 90ern existiert hat. Das meiste davon klang wie Sch…. Aber ich weiß natürlich, dass Musik überall auf der Welt anders bezeichnet wird. Viele packen uns auch in die Schublade „House“.

Du hast ja chilenische Wurzeln…

Ja, mein Vater kommt aus Chile. Ich bin mit sehr viel spanischer Musik aufgewachsen. Mein Vater hat dann oft mit mir im Wohnzimmer zu Salsa getanzt, was mir als Kind immer viel Spaß gemacht hat.

Wie stellt sich denn dein persönlicher musikalischer Background dar? Wer waren die Helden deiner Jugend?

Oh, ich habe schon so viel unterschiedliche Musik gehört. Als Teenager war ich ein echter Rockfan und habe viel Metallica und Nirvana gehört – aber auch Roxette. Ich hatte schon immer einen sehr breit gefächerten Musikgeschmack. Zum Beispiel gab es auch eine Phase, in der ich nur R’n’B und HipHop gehört habe. Wenn ich Sport mache, höre ich gern klassische Musik oder Sade.

Da hast du ziemlich viele Genres genannt, aber keine elektronische Musik, die du ja schließlich produzierst. Was macht die Faszination daran für dich aus?

Für mich ist elektronische Musik vom Ansatz her ähnlich wie klassische Musik, nur mit anderen Sounds. Man findet zu ihr einen sehr leichten Zugang, auch wenn keine Worte darin vorkommen. Sie beeinflusst deine Stimmung sofort. Du kannst traurig sein und plötzlich erzeugt die Musik gemeinsam mit deinem Geist eine positive Stimmung – aber auch umgekehrt. Für mich ist es noch reizvoller, Lyrics zu Musik zu schreiben, die an sich schon für Emotionen sorgt.

„You And I“ ist die englische Version von „Kun For Mig“, eures Hits auf Dänisch. Warum habt ihr euch damals entschieden, den Text auf Englisch zu switchen, was ja zweifelsohne zum Erfolg beigetragen hat?

Das ist eigentlich eine ganz lustige Geschichte. Nachdem wir die dänische Version veröffentlicht hatten, wurde sie von sehr von vielen deutschen und englischen DJs gespielt. Vielen von ihnen haben uns dann gefragt, wann denn die englische Fassung der Nummer kommen würde, als sei es eine Selbstverständlichkeit. Wir haben uns dann irgendwann wirklich genötigt gefühlt, einen englischen Edit zu schreiben. Von dem Moment des Releases an ging dann alles wirklich schnell. Wir haben tolle Remixe, u.a. von Deadmau5, bekommen und die Single ging richtig durch die Decke.

Nach dem Erfolg des letzten Albums erscheint nun mit „Forever“ dein zweites Album. Wie hoch war der Erfolgsdruck?

Er war auf jeden Fall deutlich zu spüren. Man macht sich ja so seine Gedanken und will vor allem seine Fans nicht enttäuschen. Schließlich startet ja im Oktober die Tour in Deutschland, bei der ich jetzt in wesentlich größeren Venues auftreten werde. Auch wenn der Herbst sich für mich noch Lichtjahre entfernt anfühlt, bin ich trotzdem schon sehr aufgeregt. Ich freue mich schon sehr auf das Release.

Wie verlief denn die Arbeit am Album?

Je länger wir zusammenarbeiten, desto mehr lernen wir über uns selbst. Rasmus und Jay sind meine Produzenten und mittlerweile ist die Chemie zwischen uns so gut, dass wir häufig das offensichtlich Gleiche wollen, ohne ein Wort zwischen uns zu verlieren. Wir hatten kein Konzept, kein Ziel oder so, als wir mit der Arbeit anfingen. Aber wir hatten sehr viel Selbstbewusstsein und Zuversicht, als wir ins Studio gingen. Wir hatten einfach sehr viel Vertrauen in unseren Sound, so dass eigentlich alles ziemlich schnell ging. Es gab auch nur einen einzigen Song, den wir produziert haben, der es aber nicht auf das Album geschafft hat. Ich finde, alleine das sagt schon viel über den Prozess aus. Wir haben im November mit der Arbeit an „Forever“ begonnen und ich war seitdem noch auf zwei US-Touren und einer großen Dänemark-Tour.

Welche Bedeutung steckt für dich im Titel „Forever“?

Als wir über den Namen des Albums sinnierten, lag die Antwort ziemlich schnell auf der Hand. Sobald das Album erschienen ist, wird es für immer da sein. Man wird es nie wieder ganz löschen oder entfernen können. Du wirst es immer irgendwo bekommen können. Zudem passt das Wort auch wunderbar zu den anderen Titeln auf der Platte.

Hast du auch bei diesem Album wieder alle Vocals selbst geschrieben?

Vier Songs sind komplett von mir, den Rest habe ich mit Co-Autoren geschrieben, die für viele bekannte Acts, wie Madonna, Britney Spears uvm., geschrieben haben. Ich kann mich echt glücklich schätzen, diese Menschen kennengelernt zu haben und mit ihnen arbeiten zu dürfen. Die schönste Erfahrung hatte ich mit einem Autor, der u.a. auch schon für Michael Jackson geschrieben hat. Ich habe Michael Jackson nie getroffen, aber der Typ war ihm in seinem Wesen so ähnlich, er hat auch so gesprochen und war so angenehm wie er. Das war ein großartiges Erlebnis.

Das klingt, als ob du für das Album viel gereist bist!?

Nein, eigentlich nicht. Wir sind für eine Woche in die Staaten nach Los Angeles geflogen. Wir kamen grad von einer längeren Tour und hatten den absoluten Jetlag. Ich war total fertig, aber trotzdem waren wir jeden Tag im Studio. Meistens waren wir gegen Nachmittag so müde, dass eigentlich nichts mehr ging. Aber wir haben uns durchgebissen und das Endergebnis hat unsere Erwartungen trotz aller Widrigkeiten noch übertroffen. Das Album reflektiert mich und mein Leben so sehr.

Was ich sehr respektabel finde: Du gehörst nicht zu denen, die auf ihren Alben dieses neumoderne Name-Dropping betreiben. Das Album ist Medina pur…

…und das war auch von Anfang an so gewollt. Wenn du Live-Konzerte spielst, was mir sehr wichtig ist, kannst du nicht permanent alle Feature-Acts mit auf Tour nehmen. Daher machte das für mich einfach keinen Sinn. Trotzdem würde ich mich nicht zwingend gegen jede Kooperation mit einem anderen Künstler verwehren. Aber das ist mehr ein Thema für spezielle Releases oder Remixe. Wir sind bei der Auswahl der Künstler aber sehr vorsichtig.

Ich habe gelesen, dass du zurzeit an einer Koop mit Roger Sanchez arbeitest. Oder ist das nur ein Gerücht?

Ja, ich habe ihn in L.A. getroffen. Er kam zu einer meiner Studiosessions und wir haben uns näher kennengelernt. Wir schicken uns grad Layouts hin und her. Mal schauen, was am Ende daraus wird, aber ich finde es definitiv eine spannende Geschichte.

Deine Tour startet im Oktober in Deutschland. Bei dir kommt die Musik nicht aus der Konserve, sondern du gehst mit Band auf Tour. Wie sehr genießt du die Zeit auf der Straße, im Tourbus und auf der Bühne?

Wenn ich morgen nach Hause fliege, startet für mich eine Festivaltour in Dänemark mit mehr als 25 Festivals. Wir warten schon so lange darauf, endlich wieder in den Tourbus zu kommen, denn da fühlen wir uns alle am meisten zu Hause. Wir gehören einfach in diesen f…ing Tourbus und auf die Bühne. Es gibt mir so ein unglaubliches Gefühl, wenn ich in die Augen meiner Fans sehe, während sie gemeinsam mit mir unsere Lieder singen. Deshalb kann ich es kaum noch erwarten. Unsere Tourfamilie besteht aus der mit mir sechsköpfigen Band und weiteren acht Leuten Crew.

Kannst du schon verraten, was die Leute bei deiner neuen Show im Oktober erwarten wird?

Nein, so weit sind wir noch nicht. Darüber werden wir in Zukunft noch einige Meetings abhalten müssen. Damit werden wir jedoch erst am Ende des Sommers beginnen. Aber die Fans können natürlich alles von mir erwarten…warum auch weniger?

Hast du eigentlich eine besondere Beziehung zu Deutschland, da die Tour hier beginnt?

Alles, was ich über Deutschland weiß, kommt von meinen Besuchen in Radio oder TV-Shows und natürlich von meinen Konzerterfahrungen. Ich hatte leider noch nie die Zeit, mir Deutschland wirklich anzusehen, was sich für mich komplett falsch anfühlt. Natürlich war ich schon sehr oft in Berlin oder Köln, aber so wirklich Zeit zum Chillen hatte ich hier noch nie. Dennoch ist meine Beziehung zu Deutschland wirklich gut. Jedes Mal, wenn ich hierher komme, habe ich viel Spaß und treffe viele nette und interessante Menschen. Außerdem geben mir meine Fans hier in Deutschland sehr viel Liebe und daher liebe auch ich Deutschland.

Wie wirst du den Sommer verbringen? Gibt es schon weitere Projekte, die du angehen willst?

Im Sommer werde ich hauptsächlich mit der Dänemark-Tour und der Album-Promo beschäftigt sein. Was danach kommt, wird man sehen. Momentan beschäftigen mich ehrlich gesagt immer nur die zwei nächsten Tage in meinem Kalender. Wir haben alle verschiedene Ideen, wie wir das Projekt weiter entwickeln wollen und daher werden wir auf jeden Fall wieder ins Studio gehen und einen gemeinsamen Weg finden – denn ohne Musik können wir nicht leben.

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Das Album „Forever“ von Medina ist am 01.06.2012 auf EMI Music erschienen!

Tourdates Deutschland 2012

24.10.2012 Flensburg Deutsches Haus

25.10.2012 Hamburg Markthalle

26.10.2012 Berlin Huxleys

27.10.2012 Mannheim Capitol

28.10.2012 Offenbach Capitol

30.10.2012 Dortmund FZW

31.10.2012 Leipzig Werk 2

01.11.2012 Köln Live Music Hall

02.11.2012 Stuttgart LKA Longhorn

03.11.2012 München Theaterfabrik