Im Kino: Whatever Works
Regie: Woody Allen
Min.: 92
Genre: Komödie
Hauptdarsteller: Larry David, Evan Rachel Wood, Patricia Clarkson, Ed Begley Jr.
Start: 03.12.2009
Woody Allen kehrt zu seinen Wurzeln zurück: Nach fünf Jahren dreht er wieder in New York und man könnte annehmen, er ließe sich nun wieder von dieser Stadt, seiner größten Muse, inspirieren. Im Kern stimmt das auch – nur ist die Filmidee zu Whatever Works keine frischen Fantasie, sondern beruht auf einem Drehbuch, das Allen bereist vor 30 Jahren schrieb.
Die Zeit in der Schublade merkt man dem Script an, denn aktuell erscheint die thematische Ausgangslage nicht. Trotzdem funktioniert „Whatever Works“ als Komödie gut: Die One-Liner zünden und die Figuren sind redegewandt, abgedreht und amüsant. Protagonist Boris Yelnikoff (David) warnt den Zuschauer jedoch gleich zu Beginn: Er ist kein netter Kerl. Nach der Scheidung von seiner Frau verbringt der misanthropische ‚Beinahe-Nobelpreisträger‘ in Physik seine Tage damit, Kinder, denen er Schachunterricht gibt, als dumm zu beschimpfen und seinen Freunden bei einem Kaffee seine pessimistische Weltsicht kundzutun. Völlig überraschend nimmt Boris die von zu Hause ausgerissene, obdachlose Melodie (Wood) bei sich auf. Die 19-jährige Südstaatlerin bezaubert den über 60-jährigen Boris mit ihrer Einfältigkeit und das ungleiche Paar heiratet bald darauf. Als Melodies engstirnige Eltern Marietta (Clarkson) und ihr Vater John (Begley Jr.) den Frischvermählten einen Besuch abstatten, finden sich immer mehr ungleiche Liebespaare.
Klingt nach einer schmierigen Altherrenfantasie – aber Allens Inszenierung ist so lebhaft und schwungvoll, dass „Whatever Works“ nie so wirkt. Die typischen Motive des Multitalents, wie zum Beispiel die Stadt New York, die den Menschen ihre wahren Talente entlockt oder das Aufbrechen traditioneller Beziehungsformen, finden sich auch in Allens neuestem Film. Dass dieser im Vergleich zu „Vicky, Christina, Barcelona“ eher alt aussieht, kann man zwar beklagen, aber Allen nicht zum Vorwurf machen. Werke wie „Alle sagen: I love you“ sahen schon bei ihrer Premiere alt aus – im Sinne der Filmklassiker, die Allen sich zum Vorbild nahm.
Fans geschliffener, bissiger Dialoge und kautzig-kreativer Figuren werden auch an „Whatever Works“ gefallen finden. Aber wer Woody Allens Filme noch nie mochte, wird garantiert nicht zum Allen-Anhänger.
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