Neu im Kino: Distanz
Distanz (AV Visionen)
Regie: Thomas Sieben
Min.: 84
Genre: Thriller-Drama
Hauptdarsteller: Ken Duken, Fransziska Weisz
Start: 19.08.2010
Wertung: 5/6
Kritik:
Warum wird ein Mensch zum Killer? Das ist die Frage, die sich der Zuschauer bei Thomas Siebens Filmdebüt „Distanz“ fortwährend stellt. Sieben jedoch geht das Thema stoisch-philosophisch an, umgeht jegliche Antworten auf diese Frage und hält den Zuschauer ebenso auf Distanz zu Protagonist Daniel (Duken), wie dieser Mann mit der Lust am Töten die Menschen in seiner Umgebung auf Abstand hält. Daniels Kollegen ziehen ihn im botanischen Garten, wo er als Gärtner arbeitet, auf. Daniel zeigt keine Gefühlsregung. Später stiehlt er einer Gruppe Jäger ein Gewehr und erschießt aus großer Distanz zwei Menschen im botanischen Garten. Die hübsche Jana (Weisz), die im Büro des Parks arbeitet, macht Daniel Avancen. Er zeigt kaum eine Reaktion. Jana hält ihn für schüchtern, geht immer mehr auf ihn zu und zieht sogar bei ihm ein. Daniel tötet mit immer gleichem, gleichgültigem Gesichtsausdruck Mensch für Mensch. Als die Polizei Daniel auf die Spur kommt, fängt auch Jana an zu ahnen, dass mit Daniel etwas nicht stimmt…
So mancher Kinogänger wird sich mit der Frage, warum jemand zum Mörder wird, alleingelassen fühlen. Andere werden das Aussparen von psychologischen Befunden und tragischer Hintergrundgeschichte des Täters als reizvollen Zugang zu einer Frage empfinden, auf die es keine Antwort gibt, sondern bei der nur Interpretation und Spekulation möglich sind. Wie zuletzt „Der Räuber“ von Benjamin Heisenberg erzielt auch Siebens „Distanz“ mit dem Weglassen von Erklärungsversuchen und einfachsten filmischen Mitteln fern von Effekthascherei den maximalen Effekt. In klaren Bildern erzählt Sieben solide eine spannende Geschichte, die Fragen aufwirft und Stereotype umgeht. Denn im Gegensatz zu Hollywood ist die Liebe in „Distanz“ nicht die alles erduldende, ja heilende Kraft, als die sie oft porträtiert wird. Ken Duken überzeugt als gefühlloser Mordlustiger, aber schafft es im gleichen Moment, dass der Zuschauer dieser ambivalenten Figur Sympathien entgegenbringt. Das beklemmende Unbehagen der Geschichte hallt noch lange nach. Auch mit wachsender Distanz, lassen „Distanz“ und seine vielen Fragen den Zuschauer nicht los.










