Âme – Life is live
Âme sind schon seit längerer Zeit durchaus bekannte Szene-Größen, vor allem in den Hochburgen der elektronischen Musik in Deutschland. Kristian Rädle und Frank Wiedemann, so die beiden bürgerlichen Namen des Erfolgsduos aus Berlin und Karlsruhe, kämpfen schon seit vielen Jahren an der Spitze der nationalen DJ- / Produzenten-Elite mit. Doch auch live sind die beiden immer wieder weltweit unterwegs.
Ob live gespielt oder aufgelegt wird, wird nach einem ganz klassischen Prinzip entschieden: „Das wird jeweils vom Veranstalter speziell angefragt. Es geht dann nur noch darum, wer Zeit hat.“ Als Duo Musik zu machen hat also nicht nur den enormen Vorteil, dass man sich musikalisch ergänzt und unterstützt, sondern eben auch eine gewisse Arbeitsteilung an den Tag gelegt werden kann. Und so kann es schon mal vorkommen, dass es an einem Abend zwei Âme-Gigs in zwei völlig verschiedenen Teilen der Welt zu erleben gibt. Zum Thema Welttour geben sich die beiden recht bescheiden! „Welttour ist vielleicht etwas übertrieben, aber neben diversen Ländern in Europa ist Kristian demnächst auf US-Tour, und auch Australien steht bald wieder an.“, sagt Frank genügsam.
Meistens ist es dann so, dass sich ein Künstler insgeheim auf einen ganz bestimmten Club, eine bestimmte Stadt oder ein bestimmtes Land besonders stark freut. So aber nicht bei den Jungs von Âme. „Das ist abhängig von der jeweiligen Tagesform – kann man im Vorfeld so nicht sagen. Wo wir aber gern mal spielen würden, wäre Chile und Peru – dort waren wir nämlich noch nie!“
Dass die beiden ihr neustes Album nun auch noch „Live“ nennen, ist demzufolge nicht unbegründet. Das Live-Element zieht sich eben durch das musikalische Leben von und durch den Werdegang von Âme und spielt eine große Rolle bei den beiden Ausnahmemusikern. So lag es nahe, dieser Form der Musikunterhaltung ein Denkmal mit eigenen Tracks in Form eines Albums zu setzen. „Das Album ist sehr live – es sind immerhin alles Versionen aus Aufnahmen verschiedener Live-Shows, die später im Studio zusammengeführt und nur noch leicht editiert wurden.“, erklärt Frank. „Dabei enthalten sind Live-Versionen ausgewählter Stücke und Remixe von uns, die in vielen Teilen sich stark unterscheiden von den alten 12-Inch-Versionen.“ Also neu bearbeitet, arrangiert und vor Publikum neu interpretiert und abgemischt.
Das Album „Live“ erscheint auf dem Label Innervisions, das die beiden gemeinsam mit Dixon gegründet haben und noch immer führen. Die eigenen Tracks im Album-Format auf dem eigenen Label zu releasen, macht die beiden sehr stolz. „Die Erwartungen, die wir selbst an das Album stellen, sind die, die wohl jeder mit einem Album hat. Nämlich dass wir glücklich mit der Musik sind und es unsere Hörer anspricht.“ Ein weiteres Highlight von „Live“ sind auch die Remixe, die Âme für Acts wie Roy Ayers, Osunlade, Unkle aber auch von richtigen Szene-Größen wie Underworld und Gui Boratto gemacht haben. Diese Remixe befinden sich nämlich ebenfalls auf dem Album. Dass „Live“ somit auch einen gewissen Compilation-Charakter bekommt, stört die beiden weniger. „Es ist ein Live-Album und ich spiele die Remixe im Live-Set.“, ein Live-DJ-Set sozusagen! Das ist definitiv etwas Besonderes, was es so in dieser Form noch nicht auf dem deutschen Album-Markt gab.
Doch was macht für Âme nun eigentlichen diesen Live-Faktor so interessant, und wie gehen die beiden vor, wenn sie sich auf ein Live-Set vorbereiten? „Dass man unsere Stück ganz neu performen kann und dadurch auch musikalischer agieren kann als ein DJ, ist für uns ganz klar von Vorteil! Man schaut sich natürlich im Vorfeld genau an, wo man spielt, um stilistisch etwas reagieren zu können. Aber die meiste Arbeit besteht darin, die Tracks für das Live-Set aufzubereiten, also auf die Essenz zu reduzieren.“
Live ist also für Âme nicht nur eine Form des Musikmachens oder des Musikproduzierens. Es ist nahezu ein Live… äh… Lifestyle für die beiden. Um der Kreativität absolut freien Lauf zu lassen und dennoch cluborientiert und unterhaltsam zu sein, das ist ihre Mission. Eine Lebensaufgabe, mit der die beiden Perfektionisten noch lange nicht fertig sind!
Aktuell sitzen die beiden wieder im Studio und schrauben schon fleißig an weiteren Remixen, die dann vielleicht auch auf dem nächsten Album erscheinen werden. Aber erst mal eins nach dem anderen. Wer sich Âme mal live anhören möchte, sollte sich definitiv das aktuelle Album zulegen. Oder aber, der- oder diejenige hat die Chance, Âme dieses Jahr auch bei ein paar ausgewählten Auftritten in Deutschland zu erleben. „Live werde ich demnächst in Nürnberg, Kiel, auf den Pollerwiesen, der SonneMondSterne und natürlich in Berlin spielen.“ Also seid dabei: Live und in Farbe!
„Live“ ist am 7. Mai auf Innervisions erschienen.
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