Buraka Som Sistema – Soundtrack für eine Bühneninvasion
Rau und ungeschliffen. Voller Energie und lichterloh brennend flackern die Beats durch die Boxen. Ursprünglicher Clubsound, der jenseits durchkonstruierter, bis ins Detail programmierter und gezähmter Festplatten-Musik existiert. Wir reden von Kuduro, einem dieser neuen Sounds, die sich epidemisch verbreiten und die hiesige traditionelle Clubszene ordentlich aufmischen. Angola ist die Keimzelle dieses Aufruhrs, der in den frühen 80er Jahren ausbrach. Und als ehemalige portugiesische Kolonie ist natürlich Lissabon die erste Adresse in Europa, in der sich in den Einwanderervierteln gegen Ende der 90er Jahre der Sound verbreitete und von dort längst seinen Siegeszug durch Europa gestartet hat. Ähnliche Phänomene beobachtet man mittlerweile auch in anderen Region der Erde, wie z.B. in Südafrika (Kwaito) oder Brasilien (Baile Funk). Traditionelle Musik-Elemente finden auf direkter Ebene am Ursprungsort den Weg in unsere Clubmusik. Es findet eine Fusion statt, die weit intensiver, ehrlicher und stimmiger ist, als der übliche und bekannte (meist langweilige) Weg, bei dem einfach traditionelle Elemente auf z.B. House-Beats uninspiriert gepflanzt werden oder irgendwelche Compilations mit dem Chill Out-Sound eines südamerikanischen Landes locken wollen.
Zurück nach Portugal. Dort sind Buraka Som Sistema mitverantwortlich für diesen spektakulären Triumphzug. Das 2006 gegründete Soundsystem aus Buraca, einem Vorort von Lissabon, vermischte einfach seine verschiedenen Einflüsse. Auf der einen Seite war das HipHop und Clubmusik aus England, auf der anderen Seite eben Kuduro. Ihr Sound ist schrill und unüberhörbar. Hier geht es nicht um gepflegtes Herumwippen oder Eierschaukeln, dieser Ghettotech-Sound fordert jede Faser des Körpers. Egal ob jung oder alt, wenn sie ihr Soundsystem anschmeißen ist Alarm angesagt. „Vielleicht haben wir einfach die richtige Formel gefunden. Wir haben eine intensive Live-Show und versuchen, unsere Musik ehrlich und direkt klingen zu lassen.“ Und es überrascht auch eigentlich weder sie noch uns, dass dieser Weg erfolgreich ist. Denn wer die Formel zum Dancefloor-Rocken kennt, der hat natürlich gute Karten.
Aber Performen allein reicht ihnen nicht, sie sind sie auch im Studio aktiv, haben von Anfang an auch Tracks produziert, im letzten Jahr ihr Album „Black Diamond“ auf Fabric Records veröffentlicht und legen nun auf dem selben angesehenen Label nach mit ihrer ersten Mix-CD. Fabric – zu dieser Institution im Club-Geschäft haben sie eine außerordentlich gute Beziehung. Dort im Club hatten sie ihren ersten Auftritt auf britischem Boden und augenblicklich eine äußerst gute Beziehung zur Fabric-Crew, was ihnen auch den Plattendeal einbrachte. „Fabric hat eine sehr künstlerfreundliche Struktur und sie waren logischerweise die erste Wahl wegen unserer freundschaftlichen Beziehung.“ Ihre Mix-CD vermittelt jedem, der das Soundsystem noch nicht gesehen, gehört und gespürt hat (was man im Übrigen schleunigst nachholen sollte), annähernd, was für eine explosive Energie in ihrer Musikmischung steckt. Nachdem sie ein Jahr lang auf Tour waren mit ihrem Album „Black Diamond“ sind sie nun zurückgekehrt zum „normalen“ Party-Business und haben damit eben auch die Grundlage für den Fabric-Mix geschaffen, der ein pulsierender Reminder der Idee, die hinter dem Namen Buraka Som Sistema (Soundsystem) steht. Live und direkt auf der Bühne, ehrlich, offen und schwungvoll. Aus dem ersten Besuch in der Fabric wurden viele weitere regelmäßige Abende. Das Publikum flippt förmlich aus, wenn BBS die Bühne erklimmen. Einen Abend in der Fabric muss man sich wie folgt vorstellen: „Viele Arme in der Luft… viele Menschen auf der Bühne (jedes Mal haben wir diese Bühneninvasionen)… Girls, die sehr sexy tanzen… verrückte Drums… fette Basslines und einen einzigartigen Mix aus Genres, den man nirgendwo anders auf der Welt bekommt.“
Also packt euch am Schopfe, reißt euch den Arsch auf, schwitzt wie die Berserker, tanzt euch Blasen an die Füße und lasst dem Körper-Kontrollverlust freien Lauf. Ihr werdet es nicht bereuen.
www.fabriclondon.com
www.myspace.com/burakasomsistema








