Samstag, 04. Februar 2012

Chicane – Noch immer ein Gigant


2. September 2010 // Musikthemen  

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Vor mehr als einer Dekade begann die Geschichte der Dance-Legende Chicane. In der Blütezeit der elektronischen Musik liefert das Projekt von Nick Bracegirdle einen Ohrwurm nach dem anderen ab. Bereits seit 15 Jahren hat das Projekt erfolgreich Bestand, ohne sich dabei selbst untreu zu werden. Einst hervorgegangen aus der hippen Ibiza Dance Szene, hat Nick schon so einiges erreicht. Nicht zuletzt auch etwas, das nur den wenigen Dance Acts gelingt – auch über die Grenzen der Clublandschaft hinaus Menschen dauerhaft für ihre Musik zu begeistern. Ende August erschien nun das bis dato vierte Studioalbum des Engländers – „Giants“. Trotz engem Termin Kalender erwischten wir den viel beschäftigten Produzenten im Auto zum Interview per Handy.

Mit „Offshore“ legt Nick 1996 den Grundstein für eine internationale Karriere. Kurz darauf folgt der bisher größte Triumph „Saltwater“, der Chicane endgültig in die Liga der weltweiten Top-Produzenten feuert. Fortan sind es die großen Namen, die mit Nick gemeinsame Sache machen und so entsteht im Jahr 2000 „Don’t Give Up“ gemeinsam mit Rock Legende Bryan Adams. Kooperationen mit Tom Jones oder Natasha Bedingfield folgen. Im letzten Jahr kam es bereits zur Veröffentlichung eines „Best Of“ Albums, das Nick mit gemischten Gefühlen betrachtet. „Einerseits ist es toll, auf die ganzen Stücke zurückzuschauen, aber andererseits kommt man sich dann auch schon etwas wie ein Opa im Musikgeschäft vor. Es macht einen aber auch sehr gelassen. Ich verspüre heute keinen Druck mehr, wenn ich an meiner Musik arbeite. Das kann ich alles komplett ausblenden.“ Auch beim neuen Album „Giants“ hat Nick wieder einen prominenten Mitstreiter gefunden. Quasi in letzter Minute kam es noch zu einer Kooperation mit OWL Frontmann Adam Young. „Ich kannte ihn zunächst gar nicht. Er hatte ja erst vor kurzem einen Hit mit ‚Fireflies‘. Aber ich fand den Song sehr stark und war sofort Feuer und Flamme für die Kooperation. Wir haben uns dann ganz kurzfristig in einem Hotelzimmer getroffen und dann in einer einzigen Nacht den Song aufgenommen. Herausgekommen ist ‚Middle Distance Runner‘, einer der stärksten Tracks auf dem Album. Genau genommen haben wir sogar das ganze Album Release nur wegen dieses einen Tracks um vier Wochen nach hinten verlegt.“ Nach den bereits erfolgreich erschienen Singles „Poppiholla“ und „Hiding All The Stars“ hat sich Nick für die aktuelle Single „Come Back“ eines weiteren großen Künstlers angenommen. Das Stück ist ein Remake des gleichnamigen Paul Young-Hits aus den 80ern. „Ursprünglich sollten die ersten drei Singles auf einer ‚Rework EP‘ erscheinen. Es war anfangs eher ein Fun-Projekt und gar nicht für das eigentliche Album, an dem ich zu der Zeit schon gearbeitet habe, gedacht. ‚Popiholla‘ wurde dann zu einer wirklich großen Platte für mich und so entschieden wir schnell, dass die Stücke doch auf das Album müssten. Die Paul Young-Nummer ist ja eine sehr typische 80er Nummer – sehr cheesy, aber auch dieser Track hat in meinen Augen großes Potential.“

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Mit Armada und Armin van Buuren hat Chicane einen neuen starken, wenn nicht den stärksten Partner in Sachen Trance / Progressive an seiner Seite gefunden. Bereits „Best Of Chicane“ wurde dort veröffentlicht. Obwohl Nick mit seinem eigenen Imprint Modena Records über die Jahre bestens aufgestellt und große Erfolge gefeiert hat, waren die infrastrukturellen Vorteile einer derart großen Marke wie Armada doch am Ende überzeugend. „Modena Records war vor vielen Jahren einfach eine Plattform, die mir geholfen hat, meine eigenen Sachen herauszubringen. Es war, bzw. ist heute noch ein reines Chicane Artist Label. Nach den ersten Erfolgen habe ich dann schnell auch bei drei bis vier Major-Labeln unterschrieben. Wenn du wirklich nach vorne kommen willst, brauchst du diese Strukturen und Vertriebswege im Hintergrund. Ein kleines Label kann das einfach nicht leisten. Armada ist da ebenfalls bestens aufgestellt. Ich denke auch immer noch daran, Modena weiter zu entwickeln.“ So kann es unter Umständen in naher Zukunft dazu kommen, dass aus der reinen Chicane-Plattform auch andere Künstler zum Zug kommen werden. Momentan fehlt aber aufgrund der Albumpromotion und der anstehenden Tour einfach die Zeit, um dieser Aufgabe auf einem angemessenen Niveau gerecht zu werden. „Wenn du ein Plattenlabel mit anderen Künstlern betreust, dann schuldest du es ihnen auch, deine Aufgabe bestmöglich zu erfüllen.“

Neben all den Interviews, Promotion-Aufgaben kommt nun auch eine Albumtour gegen Ende des Jahres, die aber noch nicht komplett steht. „Wir arbeiten daran, es sind aber noch nicht alle Gigs confirmed. Ich spiele ab September einige Shows in Ungarn, UK, Dubai und schaue dann einfach mal, wie es läuft. Es ist lange her, dass ich ein komplettes Album veröffentlicht habe. Das Album muss erst mal bei den Leuten ankommen, seine Wirkung entfalten und sich dann setzen. Daher wird es zwischen Release und Albumtour wohl so eine Art Delay geben.“ Obwohl auch Deutschland schon immer ein sehr wichtiger Markt für Chicane war, sind bei uns bisher noch keine Shows angesetzt. Nick hofft jedoch, dass sich das schnell ändern wird, da er immer gerne nach Deutschland gekommen ist. „Da gibt es schon erste Vorgespräche und Verhandlungen, aber noch nichts Definitives. Was mich immer wieder verwundert, ist dass viele immer noch denken, dass ich als DJ unterwegs bin, aber bei der Albumtour spiele ich natürlich live. Das ist nicht immer so leicht umzusetzen, da du nicht immer all die Instrumente während eines Live-Sets einbinden kannst. Aber wir arbeiten doch möglichst viel mit originalen Drums und Instrumenten, um einfach den Live-Spirit zu waren.“

Dass der Zeitplan eng ist, hindert Nick jedoch nicht, über neue Ziele nachzudenken. So will er schnellstmöglich die Zeit für ein gemeinsames Projekt mit Armin van Buuren finden. „Es steht mir leider nicht mehr allzu viel Zeit zur Verfügung, aber ich hoffe doch sehr, dass Armin und ich schnellstmöglich zusammen ins Studio finden.

www.chicanemusic.com
www.myspace.com/chicanemusic

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