Freitag, 30. Juli 2010

Danton Eeprom – Lost In Music


30. Januar 2010 // Musikthemen  

Da steht ein Pferd aufm Flur. Mit Danton Eeprom oben drauf.

Es gibt nur wenige Alben, die, wie das auf InFiné erscheinende Debüt des in London lebenden Franzosen Danton Eeprom, „Yes Is More”, direkt zum Soundtrack eines Lebensabschnittes werden. Einem introvertiert nach vorne schauenden, neue Impulse wahrnehmenden Party-Lebensabschnitt voller Höhen und den daraus resultierenden Tiefen. Cry oh cry. Elektronisch galant und kokett groovend, mit darken Vocals, die vom eklektischen DJ und Produzenten Danton selbst eingesungen wurden, und durch zwei sehr schöne Starauftritte komplettiert, die durch ihre Skurrilität für Aufsehen sorgen, tanzt sich „Yes Is More” in das Bewusstsein. Auf Stilettos. Getragen von einer maskulinen Frau. Oder einem femininen Mann…?

Auf „Yes Is More” scheut sich der gewandte Multiinstrumentalist weder vor einem mit Au Revoir Simones Sängerin Erika Foster eingesungene Sister-Sledge-Cover, das er nonchalant in einen komplett neuen Kontext bringt – den eines verstrahlten Wochenanfanges irgendwo ganz unten, ohne Job, aber mit Band im Schlepptau – und einem extrem freakigen Hermaphroditen-Kopfkinotrip. Glücklich, auf dem richtigen Weg zur kompletten Selbstbestimmung zu sein. Und so reflektiert das Album Dantons Suche nach Autonomie in einer Welt von Quadratreleases ohne Profil, und strahlt selbstbewusst eine darke Magie aus, die nicht nur die Nachwehen eines wunderschönen Wochenendes räsoniert, sondern auch noch pusht wie Schmitz‘ Katze: „The fine line between avant garde, modern-classical and four-to-the-floor drumming” has been crossed. Thanks Danton.

Naked Ambition

Vielleicht das erste Mal, dass Danton wirklich so richtig deep und dirty ins internationale Blickfeld rutschte, war sein Release auf Freak‘n‘Chic, „All I Can Say”… Eine düster murmelnde, heruntergepitchte Stimme bedauert den nackten Zustand seines Gegenübers, der auf Erniedriegung zu stehen scheint. Mit dieser freakig-schicken Mörderplatte ins Bewusstsein gerückt, war es nur noch eine Frage der Zeit, bis ihn seine musikalische Odyssee in ganz neue polysexuelle Höhensphären lockte, die nun auf dem neuen Album in einer Kollaboration mit der französischen Djane und Produzenten Chloe gipfelt. Auch für Danton, den wir last minute an einem späten Abend in Skype antreffen, just eine Stunde vor einem Gig irgendwo in London, nicht nur ein echter Moment der Selfrealisation, sondern auch eine Sternstunde: „Ich habe sie kurzerhand gefragt, und der Prozess des Schaffens war unglaublich, weil wir wirklich bei Null anfingen und keine Ahnung hatten, wo es hinführen würde. Die Stimmen stammen von Chloe – ich habe sie hoch und runtergepitcht, und das Resultat ist fatal.” Warum er sich so gerne auf Pferden ablichten lässt, war allerdings zur Stunde des Redaktionsschlusses nicht mehr zu ermitteln. Wir tippen auf Caligula, steil gepaart mit Bianca Jagger (die ja bekannterweise auf einem ‚White Horse‘ das Studio 54 stürmte). „Oh man, ich weiß selbst nicht mehr genau, wo ich die letzten Wochen verbracht habe! Aber eins ist sicher: seitdem das Album auf dem Weg ist, kommt alles in Bewegung, und dieser Flow hält an! Und scheint nun seinem Höhepunkt zuzustreben. Was mich zufrieden macht, denn mein einiger Wunsch war schon immer Selbstbestimmung und kreative Unabhängigkeit.”

Just Bury Me

Vom ersten Takt – „Thanks For Nothing” – an, der irgendwo zwischen der klaren Synthese eines Kraftwerk-Synthiemonsters – und der Rotzigkeit eines Newwave-Tracks hin- und heroszillliert ist klar: hier geht es in die Tiefe, aber ohne jemals vom tanzbaren Pfad abzukommen, und zwar zu jeder Stunde. Für dieses ausgewogene „Any time, any place – Anything goes”-Feeling sorgen nicht nur die zahlreichen Gesangspassagen, sondern auch die selbsteingespielten Instrumentierungen, die der Studiotausendsassa Danton kurzerhand raustrasht, was seine elektronischen Mitmusiker, die kaum eine echte Gitarre in die Hand nehmen, oftmals in schwärmerisches Staunen versetzt. Die Drums in „Give Me Pain” sprechen Bände: Selten wurde im Club so gerockt un dabei so schräg-funky gesungen. Love it. Or leave it. Und nun auf ins nächste Abenteuer. Denn für Danton gibt es keine Limits: „Ich stand immer auf Fernsehreklame und liebe es, die Spots nachzusingen, was bisweilen sehr ausartet. Ich weiß, dass Leute mit Reklame Leere und plakative Stereotypen verbinden, aber ich fand sie immer spannend.” Was auch seinen Slogan erklärt: „Unter der predominierenden Dunkelheit verbirgt sich ein Funken, eine Nachricht, die Hoffnung vermittelt. Denn ja ist mehr.”

www.myspace.com/dantoneeprom
www.dantoneeprom.com

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