Ein Job im Wandel der Zeit: Der Booker (1/4)
Wie hat sich der Status des Bookers verändert? Wie sieht ein Clubbetreiber die Entwicklung? Welche Fähigkeiten muss man als Booker mitbringen? Was sind die schlimmsten Fehler der Veranstalter? Ist es möglich, sich als Künstler auch selbst erfolgreich zu verbuchen? Wer ist die größere Diva – der Booker, oder der Künstler? Diese und weitere Fragen haben wir im folgenden Special gestellt und Antwort von zwei Bookern, einem Künstler, der sich selbst verbucht sowie einem Clubbetreiber erhalten.
Teil 1: TALIDA WEGENER – BOOKERIN SEIT VIELEN JAHREN
Seit wann bist du als Bookerin aktiv, aus welcher Motivation heraus hast du diesen Beruf gewählt?
Ich bin seit 16 Jahren Bookerin, wobei ich sagen muss, dass die Berufswahl nicht motivationsgesteuert war, sondern sich aus der damaligen Situation heraus ergeben hat. Nachdem ich mich bei EyeQ für die Lizenzabteilung beworben hatte und sie sich für einen meiner Mitbewerber entschieden haben, bot man mir im gleichen Atemzug die Stelle als Bookerin für Sven Väth an, da diese Position zum damaligen Zeitpunkt neu besetzt werden musste.
Welche Eigenschaften muss man für diesen Beruf mitbringen?
Im Grunde genommen, ist die Basis für diesen Job sich mit gewissen administrativen Abläufen und Anforderungen eines Büros auszukennen. Zusätzlich sollte man detailorientiert sein, ein gutes Gefühl für Timing haben und natürlich auch Interesse an der Szene. Ausserdem ist es von Vorteil, wenn man offen ist und sich mit verschiedenen Menschen auseinandersetzen kann, was sehr wichtig für das Networking ist.
Wie hat sich deiner Meinung nach der Status des Bookers gewandelt? Welchen Einfluss haben Booker heute? Wie bewertest du die Entwicklung?
Früher war es mitunter möglich einen Künstler direkt anzusprechen, heute ist das anders. Man hat keinen direkten Zugriff mehr auf den Künstler, ohne an dem Booker vorbeizukommen. Ein guter Booker heutzutage kann viel mitentscheiden und seinen Einfluss soweit geltend machen, dass ein DJ sich aufgrund der bestehenden Beziehung darauf verlassen kann, das in seinem Sinne gehandelt wird. Im Grunde genommen finde ich die Entwicklung doch ganz gut damit der Künstler nicht mit zuviel Informationsfluss behelligt wird sondern alles in gefilterter Form erhält.
Booker werden ja gerne mal als Diven verschrieen und bekanntlich gibt es auch Kollegen, die sich als solche geben . Wie sind deine Erfahrungen mit diesem Thema?
Das zu verallgemeinern wäre unfair, da es in jedem Bereich die sog. „schwarzen Schafe” gibt. Meine Meinung dazu ist nicht mal ein Divendasein sondern teilweise auch eine Überforderung mit den ganzen administrativen Anforderungen. Es gibt natürlich auch Booker die Ihre „Machtposition” ausleben und die müssen eben hier und da mal daran erinnert werden, dass Leute nicht an sie herantreten weil sie etwas von ihnen wollen, sondern im Grunde genommen am Künstler interessiert sind. Das bedeutet für mich, man sollte an erster Stelle der Repräsentant des Künstlers sein. Habe auch gute Erfahrungen mit Bookern gemacht, die dieses umsetzen und sich dementsprechend verhalten. So eine Zusammenarbeit ist im Sinne aller, da diese dann die Erwartungen des Veranstalters, des Bookers und des Künstlers erfüllt.
Ist überhaupt, sofern du das beurteilen magst, das Diventum von Bookern und Künstlern deiner Meinung nach größer geworden?
Hier muss ich sagen, dass man dieses nicht vermischen sollte, da es natürlich von Fall zu Fall verschieden ist. Es gibt sehr fähige Booker, welche einen “Divenkünstler” vertreten und auch “Divenbooker” die mit einem “bodenständigen” Künstler arbeiten. Jedes Business bringt das mit sich und wir alle wissen, dass die Handhabung des individuellen „Erfolgreichseins” vom jeweiligen Charakter abhängig ist.
Was sind aus deiner Sicht die häufigsten Fehler, die junge Booker/Booker von Newcomern machen?
Von dem was ich mitbekomme, sind es nicht Fehler die junge Booker begehen, sondern ein nicht vorhandenes Basiswissen, mangelndes Network und Bekanntheitsgrad, ohne welche du deinen „Newcomer“ sehr schwer platzieren kannst. Zum Vorteil ist, wenn deine Agentur einen Headline Act vertritt und den Newcomer mitzieht. Oder du hast schon einen Namen in der Szene, wodurch es natürlich leichter ist Bookings zu bekommen. Zusatzproblem ist, dass es eine ganze Menge von DJ-Newcomern gibt, aber nur eine handvoll von guten Clubs, für die sie gebucht werden können um ihre Karriere zu fördern.
Mit welchen weiteren Vorurteilen werden Booker deiner Meinung nach am häufigsten konfrontiert? Was ärgert dich am meisten?
Ich kenne es nicht, mit Vorurteilen konfrontiert zu sein und kann deswegen dazu nichts sagen.
Mit welchen Problemen hat ein Booker regelmäßig beim Verbuchen seiner Artists zu kämpfen?
Mit der Zahlungsmoral des Veranstalters. Hinzu kommt, dass der Informationsfluss teilweise sehr schleppend ist, angefangen von Vertragdetails bis hin zum Schedule. Muss dazu sagen, dass dies ein weltweites Problem ist, mit dem man sich eben auseinandersetzen muss.
Was sind für dich die schlimmsten Fehler, die ein Veranstalter machen kann?
Wie vorher schon angesprochen mangelnde Zahlungsmoral. Zusätzlich keine Künstlerbetreuung vor Ort, Hotelbuchungen ohne Late Check Outs etc. Falls nicht vorher schon überwiesen, kann es vorkommen, dass ein ein Künstler seine Gage nicht am Veranstaltungsabend erhält. Denke hier, dass manche Veranstalter keine Rücklagen haben und sich auf die Einnahmen des Abends verlassen. Durch diese Fehler habe ich viele kommen und gehen sehen.
Was hat sich hinsichtlich der Professionalität der Veranstalter wie auch der Booker verbessert, auch im Hinblick auf die 90er Jahre?
In den 90er Jahre war die Electronic Music ein junges Geschäft, es gab viele Quereinsteiger, viele junge Unternehmen und Projekte, welche aus mitunter gemeinsamer Feierei entstanden sind. Dadurch, dass dieser Bereich vielmehr Grösse hat und alles viel professioneller gehandhabt wird, hat sich einiges getan und man sieht zwischenzeitlich wer sich behauptet hat und wer nicht.
Sind Veranstalter heute eigentlich wählerischer/sparsamer als noch vor 10, 15 Jahren?
Ja sie sind wählerischer (vorsichtiger) in der Wahl der Künstler geworden, da sie natürlich darauf achten, wer Ihnen einen erfolgreichen Abend garantiert.
In den letzten Jahren gab es Peakzeiten bei denen überhöhte Gagen gezahlt wurden. Dann gab es auch Zeiten wo es zu Einbußen bei einigen Veranstaltern kam bis hin zum bankrott. Da die Gagen mitunder abhängig sind vom Marktwert des Künstlers und den Erfolg der Veranstaltung, ist man auch gezwungen, dieses bei den Verhandlungen mit in Betracht zu ziehen.
Auf der anderen Seite beschweren sich zunehmend mehr Veranstalter über die steigenden Gagen, manche Acts sind für Clubs kaum mehr finanzierbar. Wie siehst du diese Problematik?
Ich stimme dieser Beschwerde zu, da man einige Faktoren, wie z.B. Groesse des Clubs, Fremdveranstalter, Clubbesitzer etc. mit in Betracht ziehen muss. Mit dieser Information sollte man die Gage verhandeln und anpassen. Hier gibt es z.B. kleinere Clubs die qualitativ gut sind, aber aufgrund von z.B. mangelndem Sponsorship nicht immer in der Lage sind hohe Gagen zu zahlen. Man sollte trotz alledem nicht vergessen, dass Veranstalter dem Künstler die Plattform bieten seine Karriere zu fördern und unter fairen Rahmenbedingungen miteinander arbeiten. Auf der anderen Seite sollte man es einem Künstler nicht verübeln, wenn er zwei qualitativ gleichwertige Events zur Verfügung hat und er sich am Ende für den entscheidet, bei dem er eine höhere Gage erhält.
Was gefällt dir besonders an deinem Beruf, was sind die Glanzmomente?
Ich habe eigentlich jeden Tag Glanzmomente. Aufgrund meines Charakters bin ich eigentlich prädestiniert für diesen Job. Obwohl ich mich als einen eher dominanten und mittelpunktsstrebenden Mensch sehe und wahrscheinlich auch so empfunden werde, arbeite ich doch gerne im Hintergrund. Meine Highlights bestehen daraus, einem Künstler den Rücken freizuhalten, um ihn dadurch zu unterstützen seine Visionen umzusetzen. Desweiteren gefällt mir natürlich auch die Szene mit den dazugehörigen Menschen, welche sich darin bewegen. Hinzu kommt eine grosse Bewunderung und Respekt für Künstler, die durch die Welt jetten, produzieren und zusätzlich noch andere Projekte umsetzen um dadurch ihre Visionen mit ihren Fans zu teilen. Zudem empfinde es obendrein noch als Glück, dass ich damit meinen Lebensunterhalt bestreiten kann.
Wohin wird sich deiner Meinung nach der Bookerberuf entwickeln? Glaubst du, dass gerade bei den schlechten Plattenverkäufen in der heutigen Zeit, ein Booker unersetzlich ist, um dem Künstler zu Gigs und Gagen zu verhelfen? Oder werden sich mehr Künstler selbst verbuchen?
Ich sehe die Entwicklung des Bookerberufs als nach wie vor unersetzlich, da durch eine Selbstverbuchung des Künstler und der Alltagsarbeit ihre Kreativität leiden würde. Ausserdem bin ich der Meinung, dass ein Aussenstehender einen Künstler besser verkaufen kann, als er sich selbst. Gehe also nicht davon aus, dass immer mehr Künstler diesen Weg einschlagen. Auf lange Sicht denke ich, dass man als Booker mehr anbieten muss, als nur Akquise und Abwicklung. Man sollte steuerliches Allgemeinwissen und ein gewisses finanzielles Know-How mitbringen. Am besten ist ein Allroundservice der auch Management mit abdeckt, da ja alles ineinander überfliesst. Obwohl man zwar mit Produktionen nicht grosses Geld verdienen kann, weiss man aber auf der anderen Seite auch, dass ein DJ ohne Eigenproduktion kaum noch vermarktbar ist.
Welchen Rat würdest du jemand mit auf den Weg geben, der sein Brot als Booker verdienen will und ins Business einsteigt?
Nicht durch „learning-by-doing“ sondern lieber eine Art Ausbildung in einer Agentur anstreben um auch das richtige Fachwissen zu erhalten.
Talida Wegener führt seit diesem Jahr mit TW-Artist Management eine eigene Agentur, die mit ihrem wachsenden Künstlerstamm für musikalische Offenheit steht. So werden sowohl DJ Hell wie auch Secret Cinema verbucht.











das ist schon seit ewigen zeiten so. der künstler macht seine inhaltliche arbeit und das managemant vermarktet das. davon profitieren beide. ganz normal. was das im einzelnen bedeutet. weiß ein professionelles management… auch dabie gilt immer an die nachhaltigkeit zu denken! nur dadurch daß alle am gleichen strang ziehen und sich einig sind, kann man auch langfristig einen künstler aufbauen. und dabei ist es egal ob es sich um musik, schriftstellerei oder bildende kunst usw usf handelt… wenn du einen plan hast, dann fang einfach von vorne an.