Samstag, 11. Februar 2012

Festival Roundtable mit Lexy, Tolga Fidan, WhoMadeWho und Rosario Internullo (Teil 2/2)


28. August 2010 // Musikthemen  

Elektronische Festivals werden immer wichtiger und immer erfolgreicher. Höchste Zeit also, mit vier Acts aus vier Ländern über ihre unterschiedlichen Festival-Vorlieben und -Sichtweisen zu sprechen. Wir haben uns für Vertreter aus Dänemark, Deutschland, Rumänien und der Türkei entschieden.

In den letzten 10 Jahren sind Indie Musik und elektrische Klänge ja auch mehr und mehr zusammengekommen. Inwieweit beeinflusst diese Entwicklung die Festival Atmosphäre?

Tolga Fidan: Ich denke, das ist eine gute Bewegung. Manche Leute mögen nur einen ganz bestimmten Sound und langweilen sich evtl. wenn du spielst. Deshalb denke ich, dass es auf Festivals eher um Spaß geht als um einen seriösen Gig abzuliefern.

Rosario Internullo: Festivals haben sicherlich einiges zu diesem Fusion-Trend beigetragen, weil ein Festival auch immer ein Schmelztiegel unterschiedlicher Kulturen ist. Jeder hört sich alles Mögliche an, was den Musikgeschmack nachhaltig beeinflusst. Außerdem wird der Fusion-Trend durch die Zusammenarbeit unterschiedler Künstler gefördert.

Lexy: Diese Entwicklung ist absolut perfekt, so haben Leute, die nur auf elektronische Musik stehen, auch die Chance, sich beispielsweise der Rock Musik anzunähern und andersrum genauso… Vielfalt ist immer gut, das ist wie mit einem guten Essen mit viel Geschmäckern!

WhoMadeWho: Wir glauben zum Guten. Wir mögen nicht dieses Schwarz oder Weiß, nur Indie oder nur Rave. Die Mischung ist durchaus interessant, wie man z.B. beim Melt Festival sehen kann. Das Ding ist, dass diese beiden Genres im Gegensatz zu anderen sehr vieles zu bieten haben. Traditionelle Live-Musik hat mehr “Soul” als elektronische. Dafür gibt es auf der anderen Seite prägnantere und einnehmendere Beats. Außerdem spielen Rockbands mittlerweile fast schon Raveartige Konzerte und Künstler aus dem elektronischen Bereich werden immer künstlerischer in ihrem Schaffen… also genau das, was whomadewho seit der Gründung verfolgt.

Was war das seltsamste Line-up auf dem ihr gelistet wart?

WhoMadeWho: Wieder in Litauen (lachen). Es war wirklich ein super Festival, aber wir haben niemals so viele russische und litauische Bands vorher gehört.

Lexy: Da wir für uns selbst stehen, ging das eigentlich bis jetzt immer ziemlich gut!

Rosario Internullo: Das war in Rumänien, wo ich mir die Bühne mit einer lokal bekannten Folkband teilen musste. Das war sehr seltsam aber auch lustig.

Tolga Fidan: Eine Menge Hardtrance DJs. Reicht das? ;-)

Verleitet euch die Festivalstimmung eigentlich zum Stage-Diven oder zu anderen Dingen, die ihr bei einem normalen Gig nicht machen würdet?

Lexy: Absolut, durch die gewaltige Energie, die sich oft bei solchen Gigs entlädt, sind wir auch zu großen Gesten aufgefordert und ein Bad in der Menge ist yeah!

Rosario Internullo: Ein Festival-Gig ist etwas ganz anders als ein Auftritt in einem Club. Es ist immer eine Herausforderung, mit einer intensiven Energie, die dich antreibt, vielseitiger aufzulegen.

Tolga Fidan: Da ich alleine auf der Bühne stehe, würde dass das Ende der Musik bedeuten. Aber reizen würde mich das auf alle Fälle.

WhoMadeWho: Das kommt ganz auf den Vibe an. Wenn es heiß her geht, kommen solche Aktionen von ganz alleine. Die Gefahr besteht jedoch, wenn die Stimmung gerade eher lahm ist, und man durch solche Aktionen versucht sie zu bessern. Wie letztes Jahr auf einer russischen VIP-Party passiert, wo wir den Club relativ schnell verlassen mussten, um von den Türstehern keinen Tritt in den Arsch zu bekommen.

Was gibt es über die Backstage-Bereiche der Festivals zu erzählen? Könnt ihr euch an eine weirde Situation dort erinnern?

Tolga Fidan: Da wüsste ich ehrlich gesagt nicht wo ich anfangen sollte, bei wirren Geschichten die da passieren ;-)

WhoMadeWho:
Hehe, da sind wir wieder bei der VIP-Party in Russland. Wir hatten eine Menge Vodka und haben uns auf einmal beim Nackt-Wrestling mit den Chicks on Speed erwischt. Als wir den Security fragten ob er nicht mitmachen möchte, hat er seine Kollegen gerufen und der Spaß war ziemlich schnell vorbei.

Lexy:Meist denkt man ja, dass es da ziemlich abgehen soll, aber irgendwie ist das dann doch relativ gesittet …haha. Das einzige, was immer nervt ist, wenn du den falschen Pass zum richtigen Backstage hast!

Rosario Internullo: Für mich ist dieser Bereich ein netter Ort, an dem ich viele interessante Leute treffe, wo man sich austauscht und auch etwas trinkt.

Welche anderen Momente/Gigs bei solchen Events sind für euch unvergesslich?

Lexy: Wunderbar sind natürlich immer die Momente, wenn es plötzlich anfängt zu regnen, niemand verlässt den Platz und noch mehr Schrei und Tanz Action ist zu beobachten!

Rosario Internullo: Das ‚In Deep&Dance Festival’ am Strand von Kudos in Rumänien bleibt für jeden, der dort auftritt, unvergesslich. Tausende Menschen tanzen unter der Sonne am Strand. Die Stimmung ist unglaublich. Dort legen viele DJs zur gleichen Zeit back2back drei Tage non-stop auf.

Tolga Fidan: Wie ich schon gesagt habe, es gibt noch eine Menge zu entdecken.

Was sind denn überhaupt eure Lieblings-Festivals?

Tolga Fidan: Zu viele, um einen bestimmten zu nennen…

Lexy: Sonne Mond Sterne, Clic Clac, Fusion…

Rosario Internullo: In Deep&Dance, Sunwaves, Sonar, Amore und Circle of Love.

Ihr spielt jetzt auch alle beim „Circle Of Love“ im August. Welche Specials kann das Publikum dort von euch erwarten?

WhoMadeWho: Es könnte sein, dass wir bis dahin unser neues Live-Set am Start haben. Aber da möchten wir nicht allzu viel verraten. Das wird auf jeden Fall eine Überraschung…

Tolga Fidan: Nun, es wird allein deshalb schon eine Sensation, weil ich ein exklusives Back To Back Set mit meinem guten Freund Seuil spiele. Das wird für alle Beteiligten ein Erlebnis.

Lexy: Ich hoffe doch, unser Lexy-K-Paul Roboter wird den Weg dahin finden!

Rosario Internullo: Hmmmm…. ich werde alles geben, um die Leute mit meiner Musik glücklich zu machen.

Geht ihr eigentlich auch privat zu Festivals?

Rosario Internullo: Leider habe ich dafür nicht genügend Zeit. Normalerweise lege ich an den Wochenenden auf.

Lexy: Aus Zeitgründen ist es irgendwie noch nie zu einer privaten Festivalaudienz gekommen!

Tolga Fidan: In der Regel spiele ich nur dort. Als Besucher war ich eher früher dort, als ich noch die Zeit und die Energie dazu hatte bei Wind und Wetter alles durchzumachen.

WhoMadeWho: Ja, wir gehen super gerne zum Roskilde Festival in Kopenhagen. Darüber hinaus fehlt uns aber leider die Zeit um mehr mitnehmen zu können da wir nahezu jedes Wochenende spielen. Und wenn dies mal nicht der Fall ist, machen wir Musik oder relaxen…

Was sind die Unterschiede der weltweiten Festivals:


Tolga Fidan:
Manche ziehen sehr viele Touristen an, dafür sind andere eher lokal ausgerichtet. Das ist für mich der Unterschied.

WhoMadeWho: Unserer Meinung nach gibt es da relativ wenig Unterschiede. Die meisten finden ja mit großen Zelten inmitten der wunderschönen Natur statt, ob es nun in Australien oder Italien ist, der Vibe ist meist sehr gut. Aber manchmal verändert die Organisation ein Festival komplett. Beim SxSW in Texas z.B. spielen Bands viele kleine Konzerte an verschiedenen Orten. Wenn wir da also an fünf Tagen fünf Konzerte geben, mit dem Flair der Austin 5th Street noch dazu, spiegelt sich das sowohl bei unserer als auch in der Stimmung der Leute wider.

Lexy: Sie unterscheiden sich durch die Sprache des jeweiligen Landes!

Rosario Internullo: Jedes Festival hat seine eigene Geschichte und Kultur.


Und was sind die Hauptunterschiede zwischen einem Festivalgig als Band, als elektronischer Liveact und als DJ-Team?

Lexy: Ich denke, wenn man gut ist, gibt es keinen Unterschied, außer dass die Bands immer mehr technischen Aufwand haben! Als Band hast du natürlich die Chance, mit dem Publikum zu reden, was manchmal gut sein, aber auch nerven kann.

Rosario Internullo: DJ-Sets sind spontaner. Wir brauchen keinen Ablaufplan, wir machen alles genau in dem Augenblick. Darum müssen wir in diesem Moment kreativer sein. Live-Bands und Live-Acts müssen im Studio kreativer sein, aber auf der Bühne können sie nicht so viel improvisieren.

WhoMadeWho: Ich denke, wir sind eine spezielle Band da wir auf der einen Seite eine Liveband sind, auf der anderen die Energie eines DJs haben.

Tolga Fidan: Für Bands oder Live-Acts besteht immer die Gefahr, dass die Leute die Musik nicht mögen. Bei einem DJ-Set kannst du das Ruder immer wieder mit einem Hit raushauen. Aber da ich kein DJ bin, fällt das schon mal weg.

Was steht bei euch in der nächsten Zeit so an?

Lexy: Zurzeit sitzen wir gerade an unserem neuen Lexy-K-Paul Album, welches diesmal “Komisch Elektronisch” heißen wird, aber vorher werde ich noch als Lexy zusammen mit Soffy-O einen Track releasen!

Tolga Fidan: Ich werde hier und da ein paar Tracks veröffentlichen. Ein Album ist auch schon geplant. Aber ich gehe das ganze ziemlich entspannt an…

WhoMadeWho: Wir arbeiten gerade an unserem dritten Album, da freuen wir uns schon sehr auf das Release. Es soll Anfang 2011 erscheinen.

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Tolga Fidan

tolga fidan
ist ein Multi-Instrumentalist und DJ, der über Istanbul und London nach Paris kam. 2006 erschien auf Vakant seine erste Platte (“Now I´m Weak EP”). Es folgten weitere Releases und jede Menge Gigs weltweit.

Rosario Internullo

rosario internullo
stammt aus Bukarest und ist als DJ seit vielen Jahren aktiv.
Er spielte auf Events wie der Loveparade ebenso wie in zahlreichen Clubs.
Als Producer machte er sich auf Labels wie Yellow Tail und Desolat einen Namen.

WhoMadeWho

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ist eine Band aus Dänemark bestehend aus Jeppe Kjellberg (Gitarre, Gesang), Tomas Hoffding (Bass, Gesang) und Tomas Barfod  (Schlagzeug). Sie releast auf Labels wie Gomma und ist bekannt für “augenzwinkernden Disko-Indierock”.

Lexy & K-Paul

lexy & k-paul
sind ein beliebtes Berliner Duo, das mit viel Spaß bei der Sache die eigenen Stücke live und in Videoclips umzusetzen versteht. 2007 gründeten sie ihr eigenes Label Musicismusic als Sublabel von Kontor.

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