Four To The Floor: VJ-Special 1/4: Bilderwilderer (Düsseldorf)
Woher kennt man dich im Bereich der elektronischen Musik?
Als erstes möchte ich sagen, dass Bilderwilderer aus einer Person besteht. Ich habe nie recherchiert warum so viele Menschen glauben ich wäre ein Team. Entweder liegt es an dem Namen der eine Mehrzahl impliziert oder weil ich dann doch ziemlich viel unterwegs bin.
Man kennt mich ursprünglich aus verschiedenen Bereichen. Angefangen habe ich mit einer bunten Tüte aus Drum’n'Bass, Funk und Techno. Ich bin ziemlich schnell auf der Minimal-Welle mitgesurft. Als die Welle langsam abebbte, hatte ich mir schon einen guten Namen erarbeitet und wurde dann auf verschiedenen Events gebucht. Jedoch ausschließlich elektronische Partys und Festivals von Minimal bis Rave. Wichtig für mich ist jedoch, dass es Vierviertelmusik ist.
Was machst du noch darüber hinaus?
Nebenbei habe ich eine kleine Motion Design Agentur. Arbeit und Arbeit liegen also sehr dicht neben einander. Was will man mehr. Des Weiteren bin ich Dozent in Köln für Videotechnik und kontinuierliche Medienassets. Also alles, was mit Bewegtbild zu tun hat. Dazu betreue ich einmal im Jahr eine Gruppe Jugendlicher die Videos, Animationen und Stop Motion machen welche dann bei der Veranstaltung 3-2-1 Ignition in der Tonhalle Düsseldorf zu Klassischer Musik gezeigt werden.
Wie bist du zur VJ-Kunst gekommen, gibt es ein Vorbild?
Diese Kapitel fällt wirklich unter die Kategorie Mythos… Als ich damals in Bielefeld anfing Grafik Design zu studieren wurde ich verwechselt und half einer Diplomandin ein 3D Logo zu entwickeln. Sie erarbeitete eine CI für ein neues Veranstaltungs- und Eventgelände. Den Betreibern habe ich dann direkt noch 3D-Animationen verkauft die dort arhythmisch zu Pop und Rock Musik liefen. Ich wurde dann von einem Club angesprochen ob ich bei denen auch so etwas machen könnte. Ich sagte einfach ja und besorgte mir Software und Footage, um Live VJ-ing zu machen. Dann rief der Booker an und sagte er bräuchte meinen Künstlernamen da der Flyer in einer halben Stunde in den Druck geht. Irgendwie bin ich auf Bilderwilderer gekommen, was aber definitiv der für mich beste und richtigste Name ist. Direkte Vorbilder habe ich nicht.
Wie sieht dein technisches Setup aus?
Das kommt immer auf die Bedürfnisse des Veranstalters und die Gegebenheiten im Club an. Manchmal habe ich nur einen DVD-Player mit einer DVD dabei auf der meine Minimal Pixel Installation drauf ist, die dann jedoch über mindestens vier Beamer läuft. Das große Setup besteht aus drei Laptops, zwei Videomischern, DVD-Player, einer Menge Footage und ein paar Drinks. Es gibt natürlich auch immer wieder Events, die ein ganz spezielles Setup brauchen. So bleibt es immer spannend.
3-2-1 IGNITION VISUALS from bilderwilderer on Vimeo.
Hast du eine „Spezialität“?
Keine Ahnung ob dies als Spezialität zu bewerten ist, aber ich lege großen Wert darauf, dass ich nur eigens erstellte Filme abspiele. Ich sehe VJing auch mehr als künstlerische Arbeit und nicht als einen menschlichen Mediaplayer. Bei der Erstellung der Filme höre ich immer elektronische Musik, die Filme bekommen dadurch schon eine gute Rhythmik. So fällt es leichter diese live abzufeuern. Außerdem erstelle ich immer eine Typo-, eine grafische und eine Hintergrundebene. Dadurch habe ich direkt eine abwechslungsreiche Projektion, die ich dann auf den Beat anpasse und so ggf. Filter drüber legen kann. Wobei ich die meisten Filter hasse, da die aus guter Footage wieder irgendeinen Einheitsbrei machen. Die oben erwähnte Minimal Pixel Installation ist eine Spezialität. Denn sie sprengt auf Grund ihrer Konzeption den Klassischen Screen oder Leinwandrahmen und Bebeamt den ganzen Raum und die Crowd. Die Projektionen richten sich dann an der Architektur des Raumes aus.
Wie siehst du dein Standing in der Szene und bei den Clubgängern?
Das ist mal eine gute Frage. Das müsste man mal evaluieren. Aber ich denke, es ist gut. Da ich immer sehr bemüht bin mich als Privatperson hinter meinen Pseudonym zu verstecken, ist es immer wieder lustig zu beobachten wie die Menschen reagieren, wenn ich jemanden kennenlerne und auf Nachfrage sage was ich mache und wer ich bin.
Dein außergewöhnlichstes Projekt?
Ein äußerst außergewöhnliches Projekt war die Zusammenarbeit mit den Duisburger Philharmonikern. Wir entwickelten “Classic Vision” in dem klassische Musik und Clubkultur aufeinander trafen. Das Projekt schaffte es sogar bei einer Tour der Philharmoniker durch die VR China in Shanghai aufgeführt zu werden. Auch die Edirol European VJ Challange in London war sehr nett. Allerdings war ich sehr krank und habe nur schnell performed, um dann wieder ins Bett zu kommen. Drei Tage London und sich mit anderen VJs aus Europa zu messen war super, nebenbei aber krank im Bett liegen war nicht so toll.
Deine kommenden Projekte:
Im Augenblick arbeite ich an einem Projekt mit dem Düsseldorfer museum kunst palast. Es handelt sich um eine Ausstellung über Nam June Paik in zusammen Arbeit mit dem Tate Liverpool, in dem ich Module entwickle, an und mit denen Jugendliche und junge Erwachsene die Arbeit von Nam June Paik praxisorientiert nachspüren können. D.h. das sie mit Videoequipment arbeiten und die entstandenen Filme dann im Stil von Paik auf ca. 30 TV Monitoren präsentiert werden. Nam June Paik sollte jedem Videokünstler ein Begriff sein, den der hat schon ziemlich früh sehr schicke Installationen gemacht. Einige seiner 30 Jahren alten Flackerbilder sind eindrucksvoller als so mancher aktuelle VJ.
Welchen Künstler würdest du gerne mal visuell in Szene setzen?
Vor kurzem hat mir Tobi, der die “Heimatmelodie”-Partys in Düsseldorf und Essen macht, einen kleinen Traum verwirklicht. Mathew Jonson war in Neuss. Jedoch war ich ein wenig enttäuscht, da es der richtige Act in dem falschen Club war, die Leute nicht verstanden haben was er dort macht, die Party dadurch früh leer war und Mathew dann auch früh aufgehört hat zu spielen, als ich dachte es geht jetzt mal endlich los.
Also was mal echt super wäre: ein Videokonzept für eine Kraftwerk Tour zu machen. Ich würde lieber länger mit Künstlern zusammenarbeiten und die ganze Sache konzeptionell betreuen. Diese ewige Abspielen von Filmen zu anderen DJs an jedem Wochenende habe ich jetzt lang genug gemacht. Es macht immer noch Spaß, aber es ist an der Zeit auch die Augen offen zu halten, um neue Wege zu gehen.
Small Radio | By any means from bilderwilderer on Vimeo.
bilderwilderer | bewegtbildgestaltung
Daniel Henrici
www.bilderwilderer.com
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