Samstag, 11. Februar 2012

DJ-Statements zur Loveparade-Katastrophe Teil 4: Jean Elan


30. Juli 2010 // Loveparade  

elan

Seit vielen Jahren arbeite ich für die Musikindustrie und betreue seit 2007 u.a. auch die Compilation zur Loveparade für Ministry of Sound und habe grade dadurch einen sehr engen Bezug zur Loveparade.
 Ich selbst habe bereits neun Paraden miterleben können und jedes Mal sehr viel Spaß gehabt und mich von der Begeisterung der Massen mitreisen lassen – so auch am 24.07.2010 in Duisburg, bis kurz nach meinem Set auf dem Raveline Float.
 Der Schock über diese furchtbare Nachricht, welche wir zunächst für einen sehr üblen Scherz hielten, saß sehr tief und die Lust am Feiern war wie weg geblasen.
 So etwas habe ich noch nicht erleben müssen und hoffe auch, dass dies ein eimaliges Erlebnis gewesen ist.
 Mein Beileid gilt den Angehörigen der Todesopfer und der der Verletzen, niemand kann sich vorstellen oder mitfühlen, was sie grade durch machen müssen.

Wer sich für das Desaster zu verantworten hat und wie genau es dazu kommen konnte, wird sich hoffentlich sehr schnell aufklären.

 Eine zusätzlich Wut im Bauch habe ich zudem wegen eines Journalisten von N24, der am 24.07.2010 um ca. 23:00 Uhr live vom Unglücksort berichtete und mit dem Satz abschloss:
”… Elektronische Musik, was hätte man da anderes erwarten wollen?” (Gedächtnisprotokoll).
 Was hat den dieses Unglück mit elektronischer Musik zu tun, aber irgendeinen Sündenbock braucht das Volk halt? 
Ich erinnere hier an das dänische Rockfestival in Roskilde, als im Jahr 2000 neun Menschen sterben mussten, hier hat so etwas in der Art niemand von sich gegeben, sondern an der Aufklärung und Verarbeitung gearbeitet.
…N24, was hätte man da anderes erwarten wollen?

Die nächste Schockwelle erfasste mich am 25.07.2010, als Rainer Schaller in der Pressekonferenz zur Tragödie das Aus der Loveparade verkündete.
 Ich kann ihn hier durchaus verstehen, jedoch finde ich es ist das Falsche Signal!
 Menschen machen Fehler und lernen daraus, das ist unsere Natur.
 Das diese Fehler sovielen Menschen das Leben gekostet haben ist furchtbar! 
Ich will diesen sehr schrecklichen Vorfall nicht herunter spielen, jedoch sollte man Probleme bewältigen und nicht einfach den Kopf in den Sand stecken, frei nach dem Motto “Wenn ich niemanden sehe, sieht mich auch keiner”… aber das muss in diesem Moment jeder für sich selbst entscheiden!
 Das Rockfestival im dänischen Roskilde gibt es bis heute…

Was ich jedoch wirklich richtig und auch sehr wichtig fand, war die Tatsache, dass David Guetta und Fedde Le Grand ihre Auftritte abgesagt haben. 
Ich hätte in dieser Situation genau so entschieden – richtig entschieden.
 Man kann nicht gute Laune verkaufen, wenn 21 Menschen ihr Leben lassen mussten…

Passt auf euch auf!

Jean Elan

Kommentare

Eine Antwort auf “DJ-Statements zur Loveparade-Katastrophe Teil 4: Jean Elan”
  1. Cojack sagt:

    Danke Jean,

    denk da sehr ähnlich, zwar wird die loveparade nie mehr das sein was sie war, nur Sie komplett zu streichen halte ich für Übertrieben. >Vielleicht sollte man Sie unter einen neuen Namen ( einer der denn Opfern gerecht wird) einfach eu starten….und zu den Journalisten sei gesagt, feingefühl ist glaub ich nicht bestandteil der ausbildung gewesen, denn wie kann auch ein Moderator (hier war es der berichterstatter von SternTV) sagen: “Nun find es wenigstens ein Ende mit dem kommerziellen Massenwahn” ( Gedächnissprotokoll). In diesem Sinne, 6…setzten.

    P.S.: Mein Beleid an alle Verwandten und Bekannten der Opfer.

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