Martyn – Hauptsache die Musik stimmt
Um Martyn kam man im Jahr 2009 nicht herum, wenn man sich ausgiebig mit spannender, neuer elektronischer Musik befasste. Gerne wird der Producer und Labelowner (eigenes Label: 3024) ja auf seine Dubstep-Produktionen und Verdienste in dieser Szene reduziert. Doch musikalisch umtreibt den im holländischen Eindhoven geborenen Martijn Deykers viel mehr. (Was ja auch ein wenig an seinen Kollegen 2562 erinnert). Martyns musikalische Statements als DJ und Producer werden von Fans liebevoll ‚Martyn Music‘ genannt. Passend erscheint aber auch die Bezeichnung Fusion-Sound. Dieser wuchs aus Martyns innigen Kontakten mit Techno und House, Drum’n‘Bass, Dubstep und Artverwandtem.
House und Techno sieht er auch nach wie vor als Kern der Musik, für die er steht, ohne dabei schnurgerade in 4/4-Gefilden kleben zu bleiben. Rasselnde Percussions, bleepende Synthies und ganz tiefe Bässe sind nur ein paar der Merkmale seines Styles. Martyns stilistische Vielfalt und sein Können als umfeierter DJ belegt auch sehr gut die 50. Ausgabe der Fabric Compilation-Reihe, für die er einen grandiosen Mix ablieferte. Auch hier zeigt sich das vielfach gerühmte Timing des Burschen, die richtigen Platten zur richtigen Zeit zu droppen. Gleichzeitig ist sein Beitrag für das Label des Londoner Mega-Clubs auch die erste Mix-CD von ihm überhaupt. In den Monaten vor dem Release ist bei Martyn aber auch so viel passiert. Denn das Jahr 2009 stand ganz im Zeichen seines hochgelobten Albums „Great Length“, welches auf dem eigenen Imprint erschienen ist. Auch hat er mittlerweile den Standort Niederlande gegen den Wohnsitz USA (genauer gesagt Washington D.C.) eingetauscht, was ihn aber nicht daran hindert, unermüdlich um die Welt zu jetten. Man muss sich Martyn daher als vielbeschäftigten Menschen vorstellen. Doch für Raveline fand er trotzdem Zeit für ein Interview.
Hi Martyn, wie war dein Jahr 2009?
2009 war im positiven Sinne sehr busy für mich. Ich denke, dass ich einige wichtige Schritte gemacht habe. Etwa durch die Veröffentlichung meines ersten Albums „Great Length“. Oder durch die Stärkung meines Labels 3024. Und natürlich auch durch die vielen Gigs, die ich weltweit hatte. Als wirklich großartiger Abschluss des Jahres kam dann der Mix für die Fabric CD.
Warum bist du in die USA gezogen? Wie gefällt es dir dort?
Ich genieße es wirklich, hier zu leben. Meine Frau ist Amerikanerin, das ist auch der Grund für den Umzug nach Übersee. Die Gegend hier um Washington ist auch echt interessant. Man mag ja glauben, dass es kulturell viele Gemeinsamkeiten zwischen des USA und Europa gibt, aber es gibt eben so viele Unterschiede.
Markierte der Umzug in ein anderes Land auch eine Veränderung in deiner Musik?
Ich nehme an, dass eine Menge Musik von ihrem Standort und ihrer Umgebung beeinflusst ist. Musik reflektiert natürlich auch bestimmte Gefühle und Ereignisse, die einem im Leben passieren. Ich würde daher schon sagen, dass sich in diesem Sinne viele Erlebnisse und Erfahrungen, die ich durch den Umzug gemacht habe, auch in meinem Album wiederfinden.
Gibt es in Washington D.C. immer noch eine inspirierende elektronische Musikszene?
Um ehrlich zu sein, habe ich bisher noch nicht wirklich entdeckt, was so alles in DC abgeht. Ich habe mir eine Reihe von Bands angehört und spielte selbst auch ein paar Mal in DC. Aber darüber hinaus fand ich bisher kaum Zeit, einmal richtig in der Stadt zu gehen und mich dort ausgiebig umzuschauen.
Um noch mal auf dein „Great Length“-Album zurück zu kommen: Was war denn deine absolute Lieblingsreaktion auf die Platte?
Mein Zahnarzt interessiert sich ja immer dafür, was ich gerade so mache. Daher gab ich ihm auch ein Exemplar des Albums und er spielte es dann ab, während er an meinen Zähnen zu Gange war. Das war echt eine sehr seltsame Erfahrung.
Welche anderen Musiker fandest du in den vergangenen 12 Monaten super?
Wirklich geliebt habe ich die Musik von Flying Lotus, Kode9, Darkstar, Zomby, Ben Klock, Marcel Dettmann, King Midas Sound, Fever Ray, dBridge & Instramental, Mike Slott, Hudson Mohawke, Kenny Larkin, Levon Vincent, Adam Marshall… Ja, es war echt ein großartiges Jahr für gute Musik.
Kommen wir zu deiner allerersten Mix-CD, die jetzt auf den Markt kommt. Wie würdest du deine musikalische Auswahl bei der Fabric 50 beschreiben?
Im Grunde genommen ist es eine Selektion von Stücken, die ich auch im vergangenen halben Jahr bei meinen Gigs gespielt habe. Ich glaube, dass es unmöglich ist, einen definitiven Martyn-Mix zu machen, daher wollte ich eine Art Bestandsaufnahme dessen abliefern, was ich zu dem Zeitpunkt der Erstellung des Mixes so im Case hatte, wo ich derzeit als DJ stehe.
Du hast den Mix live gemixt und aufgenommen. Warum dies?
Fabric fragte bei mir an, ob ich den 50. Teil ihrer Reihe machen wollte, weil sie eben auch meine DJ-Sets sehr mochten. Daher sollte der Mix eine ehrliche Reflektion dieser Sets sein. Die Live-Aufnahme lässt das Ganze auf jeden Fall viel menschlicher klingen, was ich auch sehr mag.
Oft hört man von deiner Plattensammlung, die du schon in jungen Jahren aufgebaut hast. Wie viele Platten kaufst du denn derzeit jeden Monat? Hast du einen Lieblings-Plattenladen?
Wenn ich ehrlich bin, habe ich nie viele Platten gekauft, immer nur ein paar richtig gute jeden Monat. Aber das mache ich schon so lange, dass dadurch meine Sammlung mitterlerweile sehr umfangreich ist. Traurigerweise gibt es hier in Washington DC und Umgebung nicht wirklich viele Plattenläden. Daher kaufe ich mir Musik meist, wenn ich unterwegs bin, ebenso bestelle ich sie online (als Vinyls, CDs, MP3s). Aber es ist egal welches Format, Hauptsache die Musik stimmt.
Du hast ja einen sehr breit gefächerten Musikgeschmack, was auch deine Fabric-CD ganz gut zeigt. Welche DJs und Clubs bevorzugst du denn, wenn du mal ausgehst?
Ich gehe leider nicht so oft in Clubs, wie ich es gerne möchte. Die meiste Musik höre ich, wenn ich selbst irgendwo spiele. Besonders beeindruckt haben mich 2009 aber die Sets von Leuten wie Flying Lotus, Kode9 & Spaceape, The Bug, Daedelus, The Presets, Deuce (Marcel Dettmann & Shed), dBridge und Omar S.
Was war in der Londoner Fabric für dich die beste Nacht des Jahres? Und was macht deiner Meinung nach den Club so speziell?
Mit Francois K und Brendon Moeller dort zu spielen, das war ein grandioses Erlebnis. Ich denke, dass der Club selbst sich sehr über seinen Sound definiert. Immerhin hat er eins der besten Soundsystems der Welt, und die Clubbetreiber achten sehr darauf.
Du führst mit 3024 ein eigenes Label, was steckt genau hinter dem Imprint?
3024 ist ein kreatives Outlet für Erosie (der das komplette Artwork für das Label macht) und mich. Wir haben es gestartet, weil wir die vollkommene Kontrolle über die Musik haben wollten.
Was können wir 2010 von dir und dem Label erwarten?
Nun, erst einmal wird die Fabric CD veröffentlicht. Ebenso kommen zwei neue 12inches auf meinem Label, die Remixes des „Great Lenghth“ Albums enthalten werden. Als Remixer sind Redshape, Ben Klock, Zomby, Illum Sphere und Roska mit dabei.
www.myspace.com/martyndnb
www.fabriclondon.com
Tracklist Fabric 50 – Martyn
- Hudson Mohawke
Joy Fantastic [ft. Olivier Daysoul] - Alec Wizz
Drummin‘ (Louis Benedetti Drumminpella) - Nubian Mindz
Bossa Boogie - Maddslinky
Lost on Tenori Street - Altered Natives
Rass Out - Zomby
Little Miss Naughty - Uncle Bakongo
Afar - Zomby
Light Cycle - Deepgroove & Jamie Anderson
The Clock (Ben Klock‘s Timepiece) - DJ Bone
We Control the Beat - Detachments
Circles (Martyn‘s Round & Round Mix) - Joy Orbison
Brkln Clln - Cooly G
Feeling You - Martyn
These Words (Roska‘s Speechless Mix) [ft. dBridge] - Kode9
Oozi - Roska
Without It - Martyn
Friedrichstrasse - Levon Vincent
Air Raid - Martyn
Is This Insanity? (Ben Klock Mix) [ft. Spaceape] - Martyn
Seventy Four (Redshape Mix) - Actress
Slowjam - Zomby
Mercury‘s Rainbow - 2562
Flashback - Martyn
Vancouver - Jan Driver
Rat Alert - Dorian Concept
Trilingual Dance Sexperience










