Pascal FEOS und die Klangwelten der Erd-Hookah
Mit Ablauf des Jahres 2009 hat Pascal Dardoufas das Vierteljahrhundert im elektronischen Musikgeschäft abgeschlossen. Ich könnte jetzt anfangen mit Plattitüden wie „Urgestein“ oder „Altmeister“ des Techno, wüsste aber dennoch genau, dass sie dem Selbstbild von Pascal FEOS widersprechen würden. Denn Pascal ist ganz einfach Vollblutmusiker und DJ. Nach 25 Jahren in diesem Geschäft hat er alles gesehen und erlebt. Er strahlt eine innere Ruhe und Gelassenheit aus, die nicht zu letzt daher rührt, dass er die Zeiten, in denen er sich beweisen musste, hinter sich gelassen hat. Was er schon alles erreicht und bewegt hat, hat er in einer sympathischen Form von Selbstbewusstsein verinnerlicht. Während andere ihre Szene-DJs Eitelkeit pflegen, legt er eine herzliche Offenheit an den Tag, die er nun auch in seinem neuen Projekt „Produzentenschmiede“ an den Nachwuchs weitergibt. Ohne den Druck des Erfolgs stehen der pure Spaß und die Leidenschaft an der Musik wieder im Vordergrund. Diese Leichtigkeit schlägt sich auch in der Kreativität seines vierten Studioalbums „TerraBong“ wieder, zu dessen Anlass Raveline Pascal in seinen Studios in Offenbach besuchte. An dieser Stelle sei die Einleitung auch abrupt zu Gunsten des vierstündigen Interviews beendet, denn dieser Mann hat uns viel zu sagen.
Beginnen wir doch mal mit einem kleinen Jahresrückblick…wie würdest du dein Jahr 2009 zusammenfassen?
Ich habe mich beinahe das ganze Jahr, abgesehen von meinen Bookings, hier im Studio verbarrikadiert. Ich habe nur die wirklichen Highlights gespielt um mich möglichst intensiv dem Album zu widmen. Wenn man 25 Jahre im Geschäft ist, verträgt es die Karriere auch, wenn man sich mal etwas zurückzieht. Das ist für mich vollkommen ok.
Da in 2009 keine Single von dir erschienen ist, nehme ich an, dass du seit über einem Jahr an dem Album tüftelst?
Ja, jetzt seit ca. eineinhalb Jahren. Ich habe mir einfach Zeit gelassen. Man setzt sich ja als Künstler stets selber ein Ziel. Ich habe mir vorher einen bestimmten Zeitpunkt für das Release als Ziel gesetzt. Ich brauche einfach den Druck, um forcierter arbeiten zu können. Aber dieses Mal habe ich mir von vorne herein mehr Zeit gegeben und ich denke, dass es sich wirklich gelohnt hat, denn es sind eine Menge guter Tracks dabei entstanden.
Letzte Woche hast du „Terra Bong“ vollendet. Zunächst mal… wie kommt es zu dem Namen?
Es gibt bei Apple einen Desktophintergrund, da siehst du die Erde. An einem dieser brutalen Wochenenden hier im Studio, in einer Phase, in der du nicht weißt, wie lange das Thema noch gehen soll und du manchmal auch schwer mit den Nerven runter bist, bin ich dann mit den Augen auf dem Bildschirm hängen geblieben. Dabei lief dann ein bis dahin noch namenloser Track, in dem du diese großen japanischen Trommeln hörst. Dazu hat das Bild angefangen, synchron vor meinen Augen zu pulsieren. Da ich ja schon immer einen Hang zu perkussiver Musik hatte, ergab sich da ganz schnell die Verbindung der Begriffe „Terra“ und „Bong(o)“. So entstand der Name des Albums. Dann kam ein Freund von mir vorbei, der sehr frohen Mutes war (er hätte auch aus Holland kommen können) und meinte „Ey, cooler Sound. Was ist denn das?“ Worauf ich ihm dann „TerraBong“ entgegnete. „Geil, Erd-Hookah“, schoss es aus ihm heraus und ich dachte, genau das ist es. Die Verbindung ist obergeil, weil der Track mit den Drums sich in so einen tranceartigen Bewegungsrhythmus versetzen. Es hat einfach genau gepasst.
Wenn du beide Alben vergleichst, welche Unterschiede gab es in der Herangehensweise bei der Produktion von „TerraBong“?
Wenn ich was unter dem Namen Pascal FEOS mache, dann ist es immer 4 2 the Floor. Das ist einfach meine Marke. Auf meinen Alben hörst du ganz selten Breakbeats oder experimentellen Sound. Ich nutze meine Musik einfach gerne im Club in meinen Sets. Ich mag die zusammen gemischten Tracks auf meinem Album und mir ist einfach der Bezug zum Tanzen wichtig. Ein gewisses Erkennungszeichen meines Sounds ist, dass er wuchtig ist. Besonders im Bassbereich reize ich alles bis zum Anschlag aus. Das ist auch bei diesem Album wieder der Fall, trotzdem ist es auf eine Art und Weise funkiger geworden. Ich habe teilweise Bezug zu älteren Tracks genommen, wie z. B. „Nervous Acid“ von Bobby Konders aus 1992, von dem ich eine Bassline nachgespielt habe. Das war die Zeit, als sich HipHouse und Chicago miteinander vermischt. Dann kommt auf Ostgut eine Berghain Platte heraus, die auch wieder auf Detroit und Chicago schielt. Das ist einfach momentan der Sound, den man gerne wieder auflegt. Weg vom totalen KlickKlack, da kann mal wieder eine Melodie rein und es hat irgendwie mehr Funk.
Also ist es definitiv ein Album, das man laut hören sollte?
Klar, wer mein Album nicht laut hört, dem wird es wahrscheinlich nicht gefallen. Wie gesagt, ich mache Sound für den Floor und deshalb lege ich bei „TerraBong“ viel mehr Wert auf die Mix-CD, als auf die Vinyl-Auskopplung. Allein an dem Arrangement der Tracks in dem Set habe ich vier Wochen gearbeitet.
Produzierst du denn die Tracks schon vorher gezielt für den Mix, quasi ruhigere Tracks für den Anfang, Outro etc.? Oder wird erst mal munter Tracks gemacht und dann geschaut, wie sie sich am besten zu einem Mix verarbeiten lassen?
Schwierig, ich bin da ganz klassisch. So ein Set sollte einen Einstieg finden, der ruhig dynamisch sein kann, aber es sollte nicht einfach so lieblos einfach anfangen. Es sollte Höhepunkte geben und dann sollte es auch vernünftig wieder raus gehen. Der Wechsel von Thema zu Thema sollte dabei möglichst geschmeidig verlaufen und genau da kann es passieren, dass dir ein bestimmter Track in diesem Flow fehlt. Den aber dann explizit noch zu produzieren, ist schon extrem schwer. Ich könnte das zwar, aber es wäre für mich viel zu programmiert. Viele Stücke entstehen ja auch aus meiner Stimmung heraus. „Yyonk“ zum Beispiel, der härteste Track auf dem Album, ist im Hotel in München entstanden. Da war ich so guter Laune, das der Track einfach so passierte. Der musste einfach auch mit drauf, auch wenn er etwas mehr anzieht. Aber der Moment, als ich als mit meinem Laptop angeschlossen an meinen Ghettoblaster da saß und die Nummer machte, war einfach so perfekt, da führte kein Weg mehr dran vorbei. Klar habe ich drüber nachgedacht, auch gezielt Nummern zu machen, aber letztendlich ist die Handschrift am Ende der wichtigere Faktor.
„TerraBong“ klingt sehr vielseitig. Von Chicago, Detroit und souligen Techno-Elementen bis hin zu atmosphärischen Fliegersounds ist alles dabei. Ist es wichtig sich mit außergewöhnlichen Tracks wie „Due“ oder „The Beat Goes On“ sich auch mal wieder was fern ab des Trends zu trauen?
Gerade „The Beat Goes On“ ist interessant, weil das ja ursprünglich „Perry & Rhodan“ ist und Tommy Eckart war so freundlich, mir das frei zu geben. Wenn dieses Break mit dieser Harmonie kommt, so etwas hörst du ja heutzutage kaum noch. Viele Releases heute sind sehr hektisch, sehr pushend, es muss immer was passieren…Panik! Man sollte sich auch mal wieder treiben und die Musik auch mal wieder für sich sprechen lassen.
Wenn man mal die Arbeit im Studio auseinander frickelt… Stichwort: Sound-Nerd, welcher Anteil geht ungefähr bei dir für den eigentlichen Track und das Arrangement drauf und wie viel Arbeit entfällt auf den finalen Klang des Ganzen?
Es gibt die Analytiker oder diejenigen, die es einfach auf sich zukommen lassen. Ich saß hier schon bei meinem vorletzten Album mit Anthony Rother und wir haben den Rechner angemacht und erst wieder ausgemacht, als der Track, den wir machen wollten, fertig war. Das hat insgesamt sechs Stunden gedauert, aber wir haben keine Unterbrechung gemacht. Anthony meinte nur, dass wenn uns die Nummer nach sechs Stunden nicht mehr gefällt, dann ist sie einfach scheiße. Das ist eine Möglichkeit so lange an einem Sound zu feilen, bis er im Flow funktioniert, aber man kann es nicht immer alles so vorprogrammieren. Dann gibt es die Leute, die alles dem Mastering überlassen, was auch Quatsch ist. Ein Mastering-Ingenieur soll die Sounds nur in einen ausgewogenen Mix bringen. Die Idee hinter all dem ist wichtig, dass du die Sounds wirklich durchdacht hinein bringst. Frag dich, was der Sound eigentlich machen soll. Das Minimale ist ja jetzt vorbei, die Strukturen werden wieder dichter und grade da muss man aufpassen, dass einen die Sounds nicht total ersticken. Ich bin der Meinung man sollte jedes neue Element auch gleich schon mischen wollen. Das ‚heilige‘ Mastern kann zwar viele Fehler beheben. Aber wenn kein Bass da ist, kann es dir auch keinen rein zaubern. Man sollte sich auch vorher schon einige Elemente wie Sounds oder Samples zu Recht legen und nicht mitten in der Produktion wie wild irgendwelche Libraries durchsuchen. Da kommt man meist zu keinem guten Ergebnis.
Hast du das Album selber gemastert?
Normalerweise mache ich das selber. Aber bei „TerraBong“ ist die meiste Zeit für den Sound draufgegangen und nicht für die Kreativarbeit. Ich konnte die Tracks zum Schluss selber nicht mehr hören und habe es deshalb Oliver Lieb zum Mastering gegeben, um auch mal wieder etwas Abstand zum Album zu bekommen.
Hattest du Unterstützung im Studio während der Album Arbeit?
Klar, das ist bei uns mehr so ein freundschaftliches Ding. Der Andreas Mügge war mal dabei, der Frank Leicher, Christoph Papendieck oder auch Roger Gilfort. Solche Synergien sind wichtig, da ich ihren Sound auch wirklich mag. Es ist aber wichtig, dass sie dir mal die Meinung ehrlich und analytisch sagen. Denn es gibt auch die „B-Seiten-Diskutierer“, die alles toll finden, was du machst und maximal bei einem Track auf der Flip mal etwas Kritik äußern. Das ist nicht sehr konstruktiv.
Welcher Track wird die erste Single?
Das Singleding finde ich einfach nicht mehr so zeitgemäß. Natürlich kommt das Doppelvinyl und es wird natürlich diverse Remixe geben, wo ich einige tolle Künstler angefragt habe. Einer davon ist Carl Craig, wo ich mich natürlich sehr freuen würde, wenn er es macht. Der Mann hat mich schon auf Reisen geschickt, das ist einfach unglaublich. Ich finde es so faszinierend, dass er nie irgendeinem Stil gefolgt ist, aber immer zu 100 Prozent weiß, was er da macht. Als die Wighnomy Brothers den geschnittenen Sound präsentiert haben, bringt er in einem Stück wieder ein Piano, aber so auf den Punkt, dass du kotzen musst. Zielsicher zu wissen, so bin ich und so bleib ich und hoppelt nicht jedem Trend hinterher. Riskant, aber genial.
Lass uns doch mal ein paar Tracks von „TerraBong“ durchgehen. Das Album startet sehr atmosphärisch mit „Dekabeat“ und „Deja Vu“. Welche Grundidee steckt dahinter?
Da habe ich doch mal drüber nachgedacht, wie ich einen Hall so verpacke, dass er mich durch den ganzen Track begleitet. Ich habe hier viel mit Kompression gearbeitet. Davor gab es viele Songs, die ich daneben gehauen habe, weil sie nicht so klangen, wie ich wollte. Der Minimalismus ist zwar schon bis zum Erbrechen dar gebracht worden, aber irgendeinen Einstieg brauchte ich. Der Chord-Sound, den du da hörst, den habe ich vor zehn Jahren schon auf meinem ersten Album benutzt.
Das Break bei Track 1 geht wunderbar auf.
…auch das ist reine Kompressionsarbeit. Das ist eine sehr filigrane Arbeit, die ich in einer Nacht und Nebel Aktion in nur vier Stunden zusammen mit dem Frank Leicher gemacht habe. Man muss ständig aufpassen, dass man nicht zu viel oder zu wenig macht, denn dann klingt es nicht mehr.
Ok, du sagst der Track war in vier Stunden fertig, das Album hat aber eineinhalb Jahre gebraucht. Welche Tracks waren denn die Problemfälle, bzw. haben länger gebraucht?
Ich mag nicht mal mehr den Namen nennen, denn das wäre für alle Leser / Hörer eine Information, die zur Voreingenommenheit dem Track gegenüber führen könnte. Da war ein Track, an dem nicht nur ich sondern auch der OIiver Lieb verzweifelt ist. Klar, zwei Bässe, fünf Kicks und sieben Hihats sind immer schwer unterzukriegen. Aber wenn ich es hier im Studio nicht spüre, dann ist der Track nix. Den Bass kannst du ja wieder runter drehen, wenn es zu viel ist. Diese Nummer ist wie verhext, der Olli hat noch so 60-70 Prozent rausgeholt, aber mehr geht einfach nicht. Der Bass, die tiefe Note verschwindet einfach in einem Club, im anderen Club sind plötzlich die Hihats weg. Das habe ich noch nie gehört. Wir haben die Kick ausgewechselt, andere Bässe probiert, aber dann klang es nicht mehr so Old-School. Ich habe die Nummer nach einem Monat einfach so gelassen, aber der Track hat mir wirklich eins über gebraten. Ich habe mit der Nummer auch ein Bootleg mit dem Carl Craig-Remix von „Like A Child“ gemacht. Das Ding ist der Wahnsinn, aber ich sitze noch immer an dem Sound. Jeder Track auf dem Album hat etwas aus der Vergangenheit und das weltweit, deshalb passt auch Terra so gut. „Deja Vu“ ist zum Beispiel angelehnt an einen alten Track von Surgeon namens „Atoll“. Der hat es damit auf die Spitze getrieben, dass er nur mit drei oder vier Sounds das Thema am Leben gehalten hat. Der Effekt im Club aber ist mörderisch. Ich fand die Idee genial, einfach nur eine Hihat, Kick, Clap und Bass in einen Track zu packen und es so auf den Punkt zu bringen, dass es funktioniert. Die Kunst ist einfach zu wissen, was man mit einem Sound macht.
Hast du denn einen eigenen Favoriten auf dem Album?
Dazu fehlt mir einfach noch der Abstand. Als ich dir den Albummix vergangene Woche geschickt habe, war ich noch dabei zu mischen. Es ist auch noch nicht ganz fertig, hier und da sind noch einige Beats bearbeitungswürdig, aber ich habe meinen Perfektionismus Gott sei Dank abgelegt. Ich lasse auch mal zu, wenn etwas nicht zu hundert Prozent gerade gerückt ist, aber es gibt ein paar Sachen, da will ich einfach den Effekt, damit sich da nicht so ein schleichender Modus einstellt. In dem Moment, an dem du denkst, hier an dieser Stelle könnte etwas passieren, da muss es dann auch passieren. Meine Tracks waren zum Beispiel alle zu lang. Ich musste sie für das Vinyl alle kürzen. Aber was schneidest du dann raus? Die langen Parts? Aber die wolltest du doch so haben, deshalb hast du sie ja auch so programmiert. Das war echt hart. Ich brauche meist ein halbes Jahr, bis ich das Album rückwirkend wirklich beurteilen kann. Insgesamt habe ich ja 18 Tracks für das Album produziert. Zwei werden nur bei Beatport kommen und zwei weitere wollte Intergroove exklusiv haben. Der Rest kommt gemixt auf CD, bzw. wie eben erwähnt auf Vinyl.
Der Track „TerraBong“ gegen Ende des Albums ist so ein Beispiel für einen Track, den man laut auf einem guten Soundsystem hören muss, damit man ihn versteht. Eine „Makina“ ist dagegen durch die Bassline eingängiger…
Vollkommen richtig. Mit „TerraBong“ habe ich ein Bootleg mit einer Kraftwerk Nummer gemacht, die ich aber noch mit den Jungs abklären muss, da ich mit Kraftwerk keinen Rechtsstreit haben möchte. Den verlierst du in der Regel. Der Original-Track hat so eine Energie und ist durch die Trommeln so hypnotisch. Sich in Trance trommeln, da kommt der Begriff ja eigentlich her. Es kann ruhig mal wieder richtig nach vorne gehen. Geschlafen haben wir genug die letzten Jahre.
Natürlich bist du als DJ immer auf Tour, aber gibt es zu „TerraBong“ eine offizielle Album Tour?
Ja, nächstes Jahr Anfang Februar geht es los. Für diese Tour haben wir wieder richtig Gas gegeben (Danke Sandra und Dominic!). Natürlich freue ich mich auf die Gigs und darauf das Album auf der ganzen Welt vorzustellen.
Also hat ein Album für einen Künstler in Zeiten von Beatport immer noch eine Wertigkeit als Promotion-Tool?
Das ist wie eine Art Seminararbeit, ein Stück Leben von dir. Ich habe mir die Zeit genommen, um das auf Platte zu bringen. Ob du es hören willst oder nicht, aber es ist in seiner Gesamtheit einfach viel aussagekräftiger, als einfach nur eine Maxi zu machen. Es gibt auch Magazine, die schreiben nicht über eine Single, weil sie es als eine Tagesarbeit ansehen. Das Album ist wirklich sehr intim geworden, da während der Produktion privat sehr viel durchgemacht habe. Da steckt wirklich Blut drin. Ich war stellenweise kurz davor alles zu löschen. Der Finger war nicht mehr weit vom Knopf weg. Drück drauf und du hast es hinter dir. Ich habe wirklich geschuftet. Mir geht es immer um den kleinen Bereich zwischen 98-100 %, denn das sind die zwei Prozent, die den umkämpften Markt ausmachen. Bei 90 % habe ich nichts mehr verloren, denn die bekommst du auch als, Preset bei Logic oder Ableton.
Das hört sich nach viel Ideologie an…
Der letzte Satz auf dem Album, wenn du es bis zum Ende durchhörst ist von DJ Shadow. Das habe ich aus einem Film aus dem Jahre 1982. Da sitzt der Typ im Keller eines Plattenladens, der bis unter die Decke voll mit Platten ist. 500 qm nur Vinyl aus Aufkäufen von Plattenläden, die pleite gegangen sind. Dieser DJ Shadow (ein Scratcher) verbringt seine gesamte Zeit nur diese Schätze durchzuhören, weil genau das sein Leben ist. Klar, er ist zur Schule gegangen, weil er musste, aber er lebt nun dafür diesen Reichtum an Musik zu erforschen. Das unterscheidet denjenigen, der es nur aus Geldsorgen macht, der nur eine Frau mehr ins Bett bekommen will oder den der es aus Leidenschaft macht. Als Watschen oben drauf ist es ja mittlerweile auch so, dass du ein Jahr an einem Album sitzt und es dann quasi verschenkst, weil es manchmal schon vor Release auf diversen Portalen umsonst erhältlich ist. Aber das ist halt unsere Zeit und wenn du damit nicht klar kommst, musst du aufhören. Leb damit.
Im Oktober erreichte mich eine Nachricht, dass du zusammen mit Michael Kohlbecker eine Produzentenschmiede gegründet hast, wie kam es zu diesem Projekt?
Es gibt wirklich sowas wie Schicksal. Der Roger hatte Geburtstag und wünschte sich kein Geschenk, sondern zwei Tage mit mir im Studio, damit ich ihm was bei bringe. Anscheinend bin ich jemand, der auch die richtigen Worte findet, um solche Dinge zu vermitteln. Ich habe für mich selber auch gemerkt, dass mir das sehr viel Spaß macht, worauf ich bei der TH in Darmstadt angerufen habe und gefragt habe, ob sie solche Inhalte vermitteln. Natürlich auch mit dem Hintergedanken, was passiert, wenn der Musikmarkt noch mehr in die Knie geht. Wir werden jetzt von der IHK unterstützt und vermitteln Inhalte von Ideologie, Equipment, Harmonielehre, Licensing, Gema, Ableton etc. Wir können bei den Schülern natürlich nicht bei Null anfangen, ein gewisses Grundwissen muss da sein, sonst müsste der Kurs einfach länger gehen als die drei Tage. Aber wir machen eine Bestandsaufnahme, was du bereits kannst und versuchen das zu analysieren und zu beurteilen. Auf dieser Basis vermitteln wir dann die entsprechenden Inhalte. Am Ende kann man sich einem (Multiple-Choice) Wissenstest unterziehen und erhält bei erfolgreichem Abschluss von der IHK das Zertifikat „Staatlich geprüfter Audio Producer“. Mir hätte es damals sehr viel Zeit erspart, wenn es nur einen gegeben hätte, der es mir von Anfang an einmal richtig erklärt hätte. Wir haben jetzt zwei Kurse gemacht, das Feedback ist super, denn die Leute sind echt dankbar für die Informationen. Wir haben auch vor die Lehrinhalte in einem Buch zusammenzufassen. Die Theorie macht der Michael, ich die Praxis.
Was meinst du denn, wie sich der Musikmarkt entwickeln wird? Deine Einschätzung liest sich ja zwischen die Zeilen nicht besonders positiv.
Der Vinylmarkt ist in diesem Jahr im März deutlich in die Knie gegangen. Ich habe bei einem Booking in Spanien mit Mathew Johnson gesprochen. Bei seinem Label sind die Vinylverkäufe von jetzt auf gleich auf um 65 Prozent gesunken. Auch Intergroove hat ein ähnliches Phänomen festgestellt. Keine Ahnung, wo die Kids plötzlich mit ihrem Geld hingehen oder ob die Wirtschaftskrise durchschlägt. Im Laufe des Jahres hat sich die Situation dann wieder etwas berappelt, aber jetzt scheint wieder etwas passiert zu sein. Man muss auf jeden Fall mit viel Optimismus an die Sache ran gehen. Vielleicht ist es irgendwann wieder total hip mit Vinyl zu spielen. Und wenn nicht, geht es auch anders weiter.
Am Wochenende bist du auf der Rave On Snow, wenn ich das Line-Up der letzten Jahre richtig im Kopf habe, gehörst du da schon zum Inventar, oder? Freut man sich da noch drauf?
Alles was dahinter steckt ist top, vom Partysan angefangen bis hin zum Dominik. Für mich ist das der traditionelle Jahresabschluss, wo du viele Leute triffst und schön im Schnee feierst. Der Event hat einfach ein schönes Feeling, en wunderbarer Jahresabschluss. Freitag mach ich in der neuen Turnhalle die Nacht mit Chris Wood, Extrawelt, DJ Meat und Dominic D‘Agnelli. Samstag bin ich auf dem Berg, auch mit Chris, Dominik und Paul Kalkbrenner. Der Sound da ist echt fett. Dann machen wir noch die Afterhour, die immer der krönende Abschluss der Veranstaltung ist.
www.pascalfeos.de
www.myspace.com/pascalfeos
www.levelnonzero.com
www.myspace.com/levelnonzerorecords









