Montag, 20. Mai 2013

Pig & Dan – Unterwegs in Sachen Techno


12. Dezember 2012 // Musikthemen, News  

Pig & Dan alias Igor Tchkotoua und Dan Duncan konnten ihren Sound in den letzten zehn Jahren etablieren und sind mittlerweile ein fester Bestandteil der Underground-Techno-Szene. Dan produziert bereits seit 1990; angefangen hat damals alles mit Drum´n´Bass und bald wurde er von Größen wie LTJ Bukem und Fabio & Grooverider unterstützt. Trotz Verträgen mit Major-Labels wie Sony blieb er dem Underground immer treu. Wie es dann zur DJ-Formation Pig & Dan kam, darüber haben wir uns mit den beiden unterhalten.

 

Ihr habt euch ja auf einem Flug nach Spanien kennengelernt. Wie ist dann genau die Zusammenarbeit zustande gekommen?

Das war damals, als ich (Dan) mit meinem Flugnachbarn über das Auflegen in der Drum´n´Bass-Welt diskutierte. Pig saß in der Reihe hinter mir und hat sich zu uns vorgelehnt und erwähnt, dass er auch DJ ist. Wir haben dann Nummern getauscht, uns aber nie kontaktiert, weil jeder von uns so mit seinen eigenen Sachen beschäftigt war.

Ein Jahr später hat uns ein gemeinsamer Freund einander noch einmal vorgestellt und als wir uns daran erinnerten, dass wir uns vorher schon einmal begegnet waren, dachten wir, es sei Schicksal, dass wir etwas zusammen probieren sollten. Zehn Jahre später genießen wir es immer noch jede Minute, kreativ zu sein und auf der ganzen Welt zu spielen.

 

Apropos, ihr habt ja vom Fabric London über den Rex Club in Paris bis hin zum Tribe Festival in Brasilien schon fast überall auf der Welt gespielt. Welches Land hat das beste Publikum?

Das kann man schwer so allgemein sagen, aber die Leute in Japan und Holland rasten bei unseren Shows am meisten aus.

 

Und welches ist euer Lieblingsclub?


Das ist definitiv das Amnesia in Ibiza. Dieser Club hat für uns eine große Vorgeschichte, da wir früher dort oft Raven waren. Selbst hinter den Decks zu stehen war ein unglaubliches Gefühl.

 

Woher nehmt ihr eure Inspirationen; habt ihr musikalische Einflüsse?

Wir lassen uns vom täglichen Leben inspirieren, unserer jeweiligen Stimmung oder davon, was um uns herum passiert. Als musikalische Einflüsse würde ich alles nennen von Marvin Gaye zu Adam Beyer, von Skudge zu Jimi Hendrix. Auf jeden Fall eine weite Spanne und insgesamt bestimmt tausende von Einflüssen.

 

Wie hat sich euer Stil im Laufe der Zeit verändert?

Das kann ich nicht wirklich sagen, weil das auf uns selbst bezogen schwer zu analysieren ist. So eine Analyse würde schnell den kreativen Prozess stören. Wir schwimmen immer mit dem Strom und haben das Glück, einen großartigen Support zu haben. Unser Sound ist wohl im Laufe der Jahre reifer und ein bisschen technoider geworden. Trotzdem, wenn du unsere Musik kennst, weißt du, dass wir uns an keine Regeln halten – wir machen nur die Musik, die wir gerne hören, und wir spielen sie auch – am besten laut!

 

Mit welchen Künstlern arbeitet ihr gerne zusammen?

Zuletzt war Mark Reeve (u.a. Traumschallplatten) ein sehr wichtiger Teil unseres Teams.

 

Und welche Kollaborationen sind für die Zukunft noch geplant?

Unter anderem ist etwas mit Stephan Bodzin und mit Coyu geplant. Und wir überlegen gerade, mit John Digweed zu arbeiten.

 

Ihr habt unter anderem auf Soma, Boxer Recordings und Cocoon releast. Mit welchem Label arbeitet ihr am liebsten zusammen?

Jedes Label hat so seine eigene Qualität und Vorteile. Es wäre nicht wirklich fair, eins davon zu bevorzugen. Die ganze Szene fühlt sich eher wie eine große Technofamilie an und es ist für uns eine Ehre, mit all unseren Vorbildern zusammenzuarbeiten. Die machen das aus den richtigen Gründen, nicht nur um angesagt zu sein und möglichst viel Geld zu verdienen.

 

Wie ist euer aktuelles Album „Decade“ angekommen? Was sind da eure persönlichen Lieblingstracks?

Die Reaktionen auf „Decade“ haben uns ehrlich gesagt umgehauen. Irgendwie haben wir damit noch viel mehr Hörer als beim letzten Album erreicht. Ich kann immer noch nicht glauben, von wem wir Support bekommen haben. Unter anderem haben uns Monika Kruse, Karotte, Alan Fitzpatrick und Gary Beck positives Feedback gegeben.

Von den Tracks her geht „Powder“ am meisten unter die Haut, das ist eher subtil. Von den Dancefloor-Tracks gefallen mir „Doing It For Yourself“ und „Below The Belt“ am Besten.

 

Habt ihr das Album geplant oder war das eher eine spontane Sache?

Wenn ich ehrlich bin, planen wir nie irgendwas. Wir haben uns hingesetzt und uns die Tracks angeschaut, die wir in letzter Zeit produziert hatten und haben uns dann entschlossen einen Longplayer daraus zu machen, weil die ganz gut zusammengepasst haben. Soma hat zugestimmt und damit war das beschlossene Sache.

 

Welches ist euer erfolgreichstes Release bis jetzt?


Unser meist gedownloadeter Track ist auf jeden Fall „Sly Detector“, dicht gefolgt von „Love Song“. Ein paar der Tracks, die wir dieses Jahr veröffentlicht haben, sind auch ganz gut angekommen, unter anderem „Machines“ und „Let The Show Begin“. Auch unser Release „On Edge“ auf Tronic verkauft sich derzeit ganz gut und ich hoffe, er bricht die bisherigen Rekorde, weil es ein ziemlicher Underground-Track ist, der genau beschreibt, wo wir gerade musikalisch stehen.

 

Wie kommt ihr auf die Namen für eure Tracks?

Tja, keine Ahnung. Die fallen uns einfach so beim Produzieren ein. Aus dem Weltall. (lacht)

 

Wer steuert die Vocals zu euren Tracks bei? Zum Beispiel zu den unveröffentlichten „1st Day Alive“ oder „Make Love No War“, die man auf eurer Homepage hören kann?

Pig ist der Mann, der die Vocals beisteuert. Bald wird er auch live singen, ihr dürft also gespannt sein.

 

Ihr habt mal gesagt, Auflegen ist ein bisschen wie Psychologie. Wie wählt ihr die Tracks für eure Sets aus und welche Tracks spielt ihr momentan am liebsten?

Also in erster Linie sind wir natürlich Entertainer. Man muss immer dahinterkommen, wo die Leute in diesem Moment musikalisch hinwollen und ob man sie überzeugen kann, mit dir auf eine Reise zu gehen, die sie nicht erwartet hätten.

Unsere Favoriten im Moment sind Love Bart Skills´ „Hypnotizing“ und David Meyers „Celsius“, aber die Liste könnte man noch endlos fortsetzen.

 

Igor, wie bist du auf den Spitznamen „Pig“ gekommen?

Mein bester Freund hat mich so genannt, weil ich so gern esse. Das ist wirklich eine meiner großen Leidenschaften.

 

Was ist euch lieber – die Arbeit im Studio oder der Live-Gig?

Beides, das ist wirklich schwer zu sagen, was da besser ist. Ob das Erschaffen von neuen Tracks besser ist oder sie live zu spielen, lässt sich echt kaum vergleichen. Wir haben großes Glück, dass wir Geld mit unserer Leidenschaft verdienen und davon leben können.

 

Mit welchem Programm produziert ihr eure Tracks und warum?

Logic Pro, weil man damit einfach den reichhaltigsten Sound erhält. Außerdem fühlen wir uns damit am vertrautesten.

 

Worin seht ihr den Vorteil der digitalen Releases, z.B. auf Beatport?

Erst mal kann man damit die ganze Welt erreichen, das eröffnet ganz neue Möglichkeiten. Einerseits ist es ein enormer Vorteil und dennoch gleichzeitig ein Verlust. Ich vermisse schon die Tage, als man im Plattenladen noch nach seltenen Vinyls gestöbert hat, die niemand auf der Welt sonst hatte. Die digitalen Releases haben den Markt gesättigt und leichter zugänglich gemacht.

 

Was habt ihr als nächstes vor?

Wir sind gerade dabei, mit unserem neuen Label Elevate durchzustarten, was für uns enorm aufregend ist, da wir mit einigen vorherigen Labels ein kleines Drama erlebt haben. Nun haben wir ein super zuverlässiges Team mit Pauli Steinbach als Labelchef und Talida Wagener als Booking-Manager. Zum 100. Release-Jubiläum von Cocoon bringen wir dann auch eine neue Platte raus und es wird bald neues Material auf Suara, Tronic, Bedrock und natürlich auf Soma geben. Was das Auflegen betrifft, haben wir in Bälde Touren in Asien und Amerika geplant.

www.piganddan.com