DJ-Controller Special
Nähme man sich vor, jeden Monat einen DJ-Controller zu testen, um die Schwemme an Hardware-Helfern für die auflegende Zunft umfangreich oder gar abschließend vorzustellen, so stünde man mittlerweile vor dem großen Problem: „Junge, Junge, das bekommst du doch alles nicht gebacken innerhalb von zwölf Monaten. Denn ein Jahr ist das Intervall, das der Technikredaktion von der Musikmesse zu Musikmesse zur Verfügung steht, um die aktuellen Modelle abzuhandeln, bevor die nächsten Neuheiten auf der Leitmesse für DJ-Technik in Deutschland wieder vorgestellt werden. Da hilft nur ein Special Feature zum Thema DJ-Controller, das dann am besten in zwei Teilen abgefeuert wird und in dieser Ausgabe mit der ersten Episode den Anfang macht. Wir haben deswegen den Numark 4Trak, den Vestax VCI-380, den Reloop Terminal Mix 4, den Gemini CNTRL-7 sowie das Versadeck von American Audio in die Redaktion geladen….

Numark 4TRAK
Der semikolossale Alleskönner
Mit dem NS7FX etablierte Numark seine Premiumserie um hochklassige DJ-Controller inklusive echtem Vinylgefühl. Der NS6 folgte darauf mit gleichzeitig Rückschritt zum ordinären Jogwheel. Aktuell steht der 4Trak als Flaggschiff in den Läden und scheint eine konsequente Weiterentwicklung der Installations-Controller aus dem Hause Numark zu sein.
Erster Eindruck, Verarbeitung und Ausstattung
Mit über sieben Kilogramm ist der 4Trak wieder ein ausgewachsenes Schwergewicht. Seine robuste Bauweise sowie sein Finish in gebürstetem Aluminium lassen die Waage in die Höhe schnellen. Seine Verarbeitung wirkt zudem amtlich. Schwergängigkeit dort, wo es sein muss (Pitch), griffige Potis und ein richtige LED-Orchester zeigen: Hier wurde nicht gespart. Anschlussseitig bietet der Numark XLR für den Master-Out, Booth und Master 2 als Cinch. Die Inputs erstecken sich jeweils über zwei Line / Phono bzw. zwei Line / Mic.
Inbetriebnahme
Hier läuft alles rund. Die Numark-Software installiert sich anstandslos. Danach nur noch zwei Kleinigkeiten in Traktor manuell einrichten bzw. zuweisen und schon ist der 4Trak spielbereit. Noch einfacher geht es mit dem Set-Up-Wizard, der den 4Trak schon als Template beheimatet.
In Action
Der Numark ist nicht nur Controller, sondern auch ein vollwertiges 4-Spur-Mischpult ist, an das sich alle gängigen Analog-Formate (Phono, Line, Mic) anschließen lassen. Durch seine Kanalzahl drängt sich der 4Trak geradezu für Traktor Pro 2 auf. Insgesamt ist sein Aufbau sehr intuitiv. Man findet auf den ersten Blick alles, was man für das Entertainment braucht. Transport-, Loop- und Mixer-Sektion sind wie gewohnt aufgeräumt und gut bedienbar. Die Effekteinheit am Kopf des Controllers wird wieder etwas angewinkelt platziert, beherbergt die vertrauten Parameter und hat zudem noch Filter-Zuwachs bekommen.
Der altbewährte “Strip Search” wurde wieder übernommen. Somit springt man schnell im Track hin und her. Der Filebrowser des 4Trak ist mit den notwendigen Navigations-Buttons / -Potis bestückt. Ein Novum sind jeweils ein frei zuweisbarer Poti und Fader sowie die Drehregler für den jeweiligen Key eines Decks. Dieses Feature spricht eindeutig die harmoniebedürftigen User an. Die Jogwheels besitzen eine gute Haptik. Wer zittrige Hände hat, kann die berührungsempfindlichen Wheels auch ausschalten und sie nur für Tempokorrektur benutzen. Der Sound des 4Trak ist über jeden Zweifel erhaben.
Fazit
Hat man etwa 1.000,- EUR übrig, so kommt man am Numark 4Trak nicht vorbei. Ausstattung und Verarbeitung sind vorbildlich, der Sound klar, die Headphone-Volume mächtig. Sein Handling ist auch clubtauglich. Allerdings ist seine Mobilität wegen seine Abmessungen und seines Gewichts stark eingeschränkt und den 4Trak als Standard gibt es nicht im Club. So ist er vielleicht doch zum ewigen Heimspiel verdammt, wie seine Vorgänger auch.
www.www.numark.de

Vestax VCI-380
Performance neu definiert!
Auch Vestax taucht mit zwei neuen DJ-Maschinen in den Läden auf. Mit dem VCI-400 bedient man die Traktor-Jünger – der VCI-380 ist eigens für den Umgang mit Serato Itch konzipiert worden Dieses Prinzip hat Pioneer vorgelebt (DDJ-T1 und S1) – Vestax nimmt das Thema der dedizierten Controller ebenfalls auf. Dieser 2-Kanal DJ-Controller verfügt über ein integriertes analoges Mischpult auch für den Stand-Alone-Betrieb.
Erster Eindruck, Verarbeitung & Ausstattung
Wie sollte es auch von Vestax anders gewohnt sein – der VCI-380 ist fantastisch verarbeitet. Mit völlig akzeptablem Kampfgewicht und transportfreundlichen Maßen lädt er sich geradezu selbst für die mobile Verwendung ein. Trotz seiner Kompaktheit ist er auch recht konnektiv. Master-Outs als XLR, Booth als Cinch, zwei Mic-Inputs (XLR und Klinke) sowie zweifach Line / Phono Eingänge mit Pre-Trim-Regler erfreuen den DJ.
Inbetriebnahme
Auf serato.com/downloads findet man die neueste Itch-Version zum Download. Eine CD ist dem 380er im Lieferumfang nicht beigegeben. Nach der Installation und dem Anschluss des Controllers an den Rechner ist der Vestax einsatzbereit. Mehr ist nicht zu tun.
In Action
Vestax hat seine Controller mit neuen, hochauflösenden Jogwheels ausgestattet, die auch nun über eine Positionsanzeige verfügen. Ihre Haptik ist großartig, genauso wie ihr Lauf. Eine weitere Neuerung ist das Pad-Effekt-System. Man stelle sich vor, es wäre möglich, Effekte derart zu bedienen und einzustreuen, wie wenn man auf einer MPC die Beats einspielen würde. Hier ist es nun möglich und stellt die eigentliche Attraktion des 380ers dar. Ein besonderer Augenmerk liegt dabei auf der Aftertouch-Funktion der Pads..
Der Vestax lässt sich in fünf verschiedenen Modi nutzen (Hot Cue, Auto-Loop, Roll, Sampler und Slicer). Hierbei sind die Multicolor LEDs ebenfalls eine große Unterstützung und signalisieren stets den jeweiligen Status. Der Klang des Vestax (integrierte 24Bit/96KHz Soundkarte) ist über jeden Zweifel erhaben und gehört absolut in den Clubbereich.
Fazit
Mit dem VCI-380 ist Vestax erneut ein großer Sprung im DC-Controller-Segment gelungen. Gespickt mit einigen Überraschungen und Alleinstellungsmerkmalen, ist die neue Serie und vor allem der 380er ein ernstzunehmender Kandidat für professionelle Anwendungen. Das spiegelt sich auch im Preis wieder, denn mit etwa 800,- EUR ist der VCI-380 kein Amateur…
www.vestax.de

Reloop Terminal Mix 4
Das würdige Flaggschiff
Reloop ist nun auch bei den Serato gewidmeten Produkten angekommen. Konzentrierte man sich früher vernehmlich auf die Interaktion mit Native Instruments (gerade die Jockey-Reihe war stark an das Traktor-Design angelehnt), so zielt man nun auch auf Serato (DJ Intro) ab und erntet gerade aus den Staaten dafür großen Beifall in Form von Threads und Posts. Wie aber ist die DJ-Intro-Premiere von Reloop gelungen?
Erster Eindruck, Verarbeitung und Ausstattung.
Wenn man die Historie der Reloop-Controller vom ersten Jockey bis heute verfolgt, so muss man zugeben, dass die Verarbeitungs- und Gütekurve immer nach oben zeigte und es hier wieder einmal tut. Die Fader machen schon wieder einen besseren Eindruck (gerade der Pitch / ohne Mittenrasterung) und die Potis fühlten sich noch nie so gut an.
Beim Thema Konnektivität allerdings wird der bisherige gute Eindruck etwas getrübt. Alle Probanden bieten einen XLR-Out – bis auf Reloop (hier treffen wir auf symmetrische Klinken). Alle bieten zwei Cinch-Paare als Phono- / Line-Input – Reloop leider nur eins. Somit fällt auch das Stand-Alone-Mixing weg. Der obligatorische Mic-Anschluss liegt als Klinke an.
Inbetriebnahme
Auf der mitgelieferten CD sind Serato DJ Intro und Virtual DJ enthalten. Nach deren Installation ist der Terminal Mix 4 verbunden und startbereit. Man glaubt es anfangs nicht, aber der Reloop benötigt kein Netzteil. Diese Tatsache macht ihn sehr mobil. Ein passendes Netzteil kann aber als optionales Zubehör erworben werden.
In Action
Der Terminal mix 4 profitiert von seiner gut durchdachten und wohl arrangierten Bedienoberfläche. Wer schon einmal einen Jockey geritten hat, der findet sich sofort zurecht. Neue User werden aber auch intuitiv auf der Stelle loslegen können. Die Jogwheels besitzen eine fantastische Haptik und sind sehr leichtgängig. Man fühlt fast schon Vinyl. Im Transportbereich sind die Plastikknöpfe nun Hartgummi-Buttons gewichen, was ebenfalls ein schönes Novum darstellt.
Der gesamte Controller ist mehr oder weniger komplett MIDIfiziert und schickt über 111 verschiedene Controls zum Rechner. Sein Zusammenspiel mit Serato erfolgt vorbildlich. Aussetzer oder andere Macken konnten nicht festgestellt werden. Die vier Filterknobs, die über den Fadern als weitere Neuheit liegen, sind dort goldrichtig angebracht worden. Immerhin ist der Filter der gängigste Effekt. Der Crossfader lässt sich dezidiert zuordnen (inklusive Kurveneinstellung) und das Filebrowsing läuft leicht von der Hand. Die Abteilung mit Hot Cues und Sampler ist schnell lokalisierbar und genau so zu bedienen.
Fazit
Reloops Exkurs zu Serato hat sich gelohnt. Controller und Software flirten wie bei der ersten großen Liebe. Als Traktor-User muss man aber nicht neidisch auf diesen stylischen Vertreter werden, immerhin gibt es für den Reloop auch schon mehrere TSI-Files (mit oder ohne Sample-Decks). Der Terminal Mix 4 ist aufwendig gefertigt und verspricht Langlebigkeit und detailliertes Arbeiten. Leider patzt er etwas als Stand-Alone-Mixer. Aber mit seinem Straßenpreis von etwa 500,- EUR ist der Reloop nicht nur von der Preisleistung top – er liegt auch für viele ambitionierte Controller-DJs in Schlagdistanz. Der Terminal Mix 4 ist das neue würdige Flaggschiff von Reloop.
www.reloop.com

American Audio Versadeck
I want it all
American Audio schmeißt dem Versadeck einen neuen Alleskönner auf den Markt. Welches Anwendungsgebiet darf es denn sein: Analoges Mischpult, MIDI-Controller oder Stand-Alone-Lösung mit USB-Anschluss? Da muss man doch einfach genau hinschauen, ob alles mit rechten Dingen zugeht…
Erster Eindruck, Verarbeitung und Ausstattung
Das Versadeck schlägt in die gleiche gute Verarbeitungs-Kerbe wie die reinen Controller-Brüder VMS4 und VMS2. Allerdings könnten die Potis in der EQ-Sektion etwas vertrauenserweckender ausfallen. Die Maße des Versadeck sind sehr kompakt und wenn man bedenkt, was der Controlleralles kann – Hut ab vor der Platzkonzeption.
Auf der Anschlussseite finden wir alles, was man braucht. XLR-Outs für den Master, Cinch-Outs für Master 2 sowie Booth, zwei Cinch-Paare als Inputs mit Line- / Phono-Umschaltung und Mikrofon als Klinke. On top verfügt das Versadeck noch über zwei USB-Ports. Somit kann jedes Deck des Controllers auf ein eigenes Speichermedium im Stand-Alone-Modus zugreifen. Unter den Controllern hier ist das einzigartig!
Inbetriebnahme
Werksseitig kommt der American Audio mit Virtual DJ LE, lässt sich aber problemlos auch auf Serato oder Traktor mappen. Einmal installiert und angeschlossen funktioniert das Gerät reibungslos.
In Action
Man könnte sagen: Das Versadeck ist eine Mischung aus Radius und VMS! In ihm sind viele Features seiner Vorfahren vereint worden. Die leichtgängigen Jogwheels können in drei Modi betrieben werden (CD, Vinyl – also Scratch – und als Auto.Cue) und sind haptisch hochwertig. Gleiches gilt für die Buttons, die äußerst rutschfest wirken. Die leicht labil wirkenden EQ-Potis haben ein Zusatzfeature: Bei Druck versehen sie das jeweilige Band mit einem Kill.
Ob als Controller für eine Software, als reiner Mixer oder als Player mit USB-Einspeisung – das Versadeck erfüllt seine Aufgaben souverän. In der letzteren Verwendung fällt auch auf, dass die Medien vom Gerät sehr fix eingelesen werden. Das Skippen durch die Tracks entfällt leider im abspielenden Betrieb. Da sind andere schon weiter. Bei den Effekttypen gibt es keine Überraschung (Echo, Flanger, Filter, Skid), was etwas langweilig ist. Und die Parametereingabe via Jogwheel geht anno 2012 gar nicht mehr. Warum denn bitte keine zwei Extrapotis? Abschließend sei noch die Loop- und die Hot-Cue Sektion erwähnt, die aber über die gängigen Funktionen verfügen.
Fazit
Das Versadeck ist grundsätzlich die eierlegende Wollmilchsau zu einem sehr guten Straßenpreis von etwa 450,- EUR. Allerdings muss man sich auch darüber klar sein, dass man eine Menge an „Bestandstechnik“ erwirbt. Das Display, die Effektsektion und die EQ-Abteilung – diese Parts sind nicht auf dem neuesten Stand. Aber die Tatsache, dass der American Audio nicht unbedingt einen Computer zum Spielen braucht, seine gute Verarbeitung in Verbindung mit seiner Kompaktheit machen ihn äußerst interessant.
www.americandj.eu

Gemini CNTRL-7
Die solide Arbeitsumgebung
Auch Gemini hat sich seine Gedanken über den richtigen Controller gemacht und schickt den CNTRL-7 ins Rennen – eine mobile DJ-Lösung mit geringem Gewicht, kompakten Abmessungen und integrierter Soundkarte. Zudem unterstützt der Gemini auch das feiner auflösende HDI-Protokoll und ist das Flaggschiff von Gemini. Was kann er also?
Erster Eindruck, Verarbeitung und Ausstattung
Im Vergleich zu den anderen Probanden ist der Gemini das Fliegengewicht (unter 2 kg) hier. Kunststoff reagiert in der Optik, aber das Gerät ist dennoch solide verarbeitet. Auf den ersten Blick auf die Oberfläche besitzt der CNTRL-7 alles, was man braucht. Im Lieferumfang sind noch Gemini Groove und Virtual DJ LE enthalten.
Bei den Anschlüssen treffen wir auf ein XLR-Paar und drei Mal Cinch (Record, Master und Booth), was die Ausgangsseite angeht und auf das Cinch-Duo mit Line- / Phono-Umschaltung sowie den Mic-Input in XLR / Klinke. Die interne Soundkarte spielt mit 16-Bit/44-kHz, was nicht der aktuellste Standard ist.
Inbetriebnahme
Auch der Gemini kommt mit reiner USB-Power aus. Nach Installation der mitgelieferten Software ist der Gemini in den Startlöchern. Leider ist keine Serato- oder Traktor-Version beim CNTRL-7 im Lieferumfang, was eine gewisse Professionalität schon einschränkt.
In Action
Der CNTRL-7 verrichtet seine Aufgaben zuverlässig. Seine Oberfläche ist aufgeräumt, orientiert sich aber nicht an den Software-Platzhirschen für den Clubbetrieb.46 hell beleuchtete Tasten, fünf Fader und 18 Potis senden MIDI-Befehle und lassen sich auch im entsprechenden Programm mappen. Somit kann man mit genügend Befehlsmöglichkeiten agieren – allerdings ist selbst basteln angesagt…
Die Loop-Sektion ist rudimentär, drei Hot Cues sind nicht die große Welt und der interne Sampler könnte etwas liebevoller gestaltet sein. Die Jogwheels hingegen vermitteln Laufruhe und Leichtgängigkeit. Scratchen ist mit ihnen ohne weiteres möglich. Der Pitch-Fader-Weg des Gemini ist etwas kurz gehalten und wirkt sich beim Beatmatching ohne Sync-Taste (diese besitzt er allerdings) etwas auf die Genauigkeit aus. Die Mittenrasterung ist zudem ein weiterer Wackelfaktor.
Fazit
Mit etwa 250,- EUR Straßenpreis ist der Gemini CNTRL-7 der preiswerteste Controller in diesem Test, bietet aber auch schon eine integrierte Soundkarte. Er ist allerdings eindeutig ein Einsteigermodell und maximal bis semiprofessionelle Anlässe geeignet. Das kaschiert auch nicht der symmetrische XLR-Out, der oft ein Indikator für Profi-Gear ist. Mit dem Gemini erhält man aber eine solide Arbeitsumgebung für die Zukunft, die früher oder später aber sicherlich ausgewechselt wird.
www.geminidj.com






