Native Instruments Komplete 6
Deutlicher hätte man im Monat Juli des Jahres 2009 Komplete 6 nicht ankündigen können. Ein wahnsinniges Sommer-Special versöhnte alle Daheimgebliebenen mit einem ungeheuren Angebot: Man konnte Komplete 5 für den Schnäppchenpreis von EUR 399,– für begrenzte Zeit kaufen. Für Nachzügler ein Geschenk des Himmels – für Clevere das Gebot des Innehaltens, da dies der Vorbote für ein bald erscheinendes Update war. Wie hätte man sich also verhalten sollen?
Rein monetär betrachtet war das Warten auf Komplete 6 die richtige Entscheidung. Mit ‚lediglich‘ EUR 475,- als Straßenpreis bekommt man nun das günstigste Komplete aller Zeiten (Das Update von 5 auf 6 kostet etwa EUR 150,-). Jedoch ist die neue Studio-Software auch in zwei Punkten abgespeckt worden: Es fehlen zum einen der Pro 53, der B4 II und die beiden Pianos (je nach Produzentenvorliebe kann dies zu Tränen führen). Zum anderen vermisst man im Lieferumfang die bisher vorhandene, dicke Handbuch-Sammlung, die gegen mehrsprachige, aber auch wesentlich dünnere Manuals eingetauscht wurde. Dafür sind aber Absynth 5, Guitar Rig 4 und Kontakt 4 in ihren neuesten Versionen dabei. Da Massive, FM 8, Battery 3, und Reaktor 5 in den Versionen erhalten sind, die auch in Komplete 5 integriert waren, wollen wir uns einmal den Neuheiten zuwenden.
Kontakt 4
Wem die Tränen kommen, weil die Pianos nicht mehr im Lieferumfang von Komplete 6 sind, darf sich schnell mit einem Fakt trösten lassen: Das Audio-Material von Kontakt 4 ist von 33GB auf 43GB angeschwollen (die auch erst einmal installiert sein wollen). Hier hat man die Elektrik-Piano- und eine Chor-Library integriert (das Elektrik Piano findet man nun in Band). Der Sampler spielt nun auch mit der Authentic Expression Technology, die besonders den Chor-Samples entgegen kommt und Velocity-Verläufe manipuliert. Ein guter Ansatz, der ausgebaut werden sollte. Kontakt unterstützt nun auch Windows 64-bit und ist dadurch nicht mehr an die 4-GB-Obergrenze beim Speicher gebunden. Eine verbesserte Kompression in den Libraries sorgt zudem für effektivere Festplattennutzung und Stimmenzahl-Vermehrung, die natürlich auch dem Sound-Browsing zu Gute kommt. Letzteres ist anhand des Viewers, aber auch der ganzen verbesserten Oberfläche optimiert worden. Stand-Alone oder als Plug-In – Kontakt 4 ist mächtiger denn je.
Absynth 5
Absynth 5 war und ist ein Tool für die innovativen und kreativen Geister der Szene. Auch wenn die Versionssprünge bisher größer ausfielen, ist das Update zu Absynth 5 ein Muss für den bisher engagierten User. Die Schlagworte heißen Aetherizer und Mutator. Ersterer ist ein neuer Effekt in der gelungenen, überarbeiteten FX-Abteilung und kann sich wirklich hören lassen. Sounds werden in kleinste Partikel zerlegt und verändert. Der Mutator ist das neue Paradewerkzeug von Absynth 5 und erfordert grundlegende Synthesekenntnisse – wie Absynth auch im Ganzen. Er kombiniert Eigenschaften aus mehreren Klängen (per Zufallsvariation), die in einer Historie auch rückgängig und verständlich gemacht werden können. Absynth 5 kommt nun mit über 1.800 Presets und ist ebenfalls bereit für die 64-Bit Windows-Plattformen. Allerdings sollte man auch genügend RAM eingebaut haben.
Guitar Rig 4 Pro
Auch in Guitar Rig 4 Pro haben neue Presets Einzug gehalten – 250 an der Zahl, die aber leider wie bei Absynth 5 auch nicht als neue gekennzeichnet sind. Anyway. Eigentliches Highlight ist ohnehin der implementierte Control Room. Er simuliert das wahre Studioleben, in dem Multi-Abnahme auf der Tagesordnung steht. Bis zu acht „Cabinets“ können gemischt werden. Die Anzahl der Verstärker beträgt nun 15 (drei Plex-Amps sind hinzu gekommen), die der Effekte 48 (vier davon neu – Grain Delay, Octaverb, Twin Delay und Iceverb). Master FX behält nun auch bei Wechseln die Einstellung bei.
Fazit
Trotz Abspeckung empfinde ich persönlich Komplete 6 als noch viel kompletter! Die Updates zu Kontakt, Guitar Rig und Absynth machen unheimlich Spaß, was nicht zuletzt an der optimierten Library liegt. Mit insgesamt über 7.000 Presets und 60 GB Audio-Material ist Komplete 6 zurzeit das Non plus ultra im Producing-Segment und wird den professionellen Komponisten eine ganze Zeit beschäftigen. Bedenkt man noch die mögliche Kombination von Komplete 6 mit Kore 2, dann weiß diese Union die geballte Power des Software-Bundles höchst effektiv zu nutzen und seine Sounds zu verwalten (man hat dann über 7.500 Sounds). Kontakt 4 hat durch seine Modifizierung und die Qualität der aufgestockten Sample-Library sein (Out)Standing weiter ausgebaut. Die Neuerungen bei Abysnth 5 werden die Effekthascher und Frickler dieser Erde begeistern und selbst die „Analogen“ von der Saiten-Fraktion freuen sich über die Verbesserungen in Guitar Rig 4 Pro. „Updater“ freuen sich zudem über die Tatsache, dass sie ihre ‚alten‘ Komplete-5-Plug-Ins weiter nutzen können. Ich bin entzückt!
Hier noch ein offizielles Demovideo von Native Instruments:









Was will man(n) mehr zum Musik machen =)