Dienstag, 21. Mai 2013

Nix auffe Ohren! Ortofon E-Q5 In-Ear Kopfhörer


29. Juni 2012 // Technik  

In-Ear-Monitoring hat sich auf den Rock- und Pop-Bühnen dieser Welt bereits längst durchgesetzt und auch im mobilen Einsatz schwören viele Nutzer auf die Kleinsten der Kleinen, wenn es um Kopfhörer geht. Die Vorteile dieser Technologie liegen auch klar auf der Hand, denn zum einen schirmt das Konstruktionsprinzip Außengeräusche schon von sich aus ab und zum anderen ist die zu bewegende Luftmenge im Inneren des Gehörgangs einfach wesentlich geringer, so dass man auch mit winzigen Membranen und kurzen Hubwegen einen ordentlichen Sound erzeugen kann. Die Abschirmung von Außengeräuschen ist dabei besonders beim Monitoring ein wesentliches Merkmal, denn der indirekte Klang hat immer eine Laufzeitverzögerung und einen Raumanteil. Wenn man dann beim Mixen auch noch eine komplett andere Klangquelle abhören und beurteilen möchte, braucht man entweder hohe Lautstärken, die natürlich dem Gehör nicht gerade zuträglich sind, oder aber eine abschirmende und damit geschlossenen Bauform des Kopfhörers, was zu Lasten des Gewichts und des Tragekomforts geht.

Anwendungsbereich
Eines Vorweg: Das Arbeiten mit In-Ears ist für den DJ im ersten Moment sehr ungewohnt. Da man es anders gewohnt ist, fühlt es sich einfach nicht richtig an und auch alle Bewegungsabläufe, wie den Kopfhörer einseitig vom Ohr schieben etc., funktionieren nicht mehr. Die Eingewöhnungsphase ist allerdings kurz und man wird im Falle der E-Q5 mit einem kristallklaren Sound belohnt, der durch die perfekte Abschirmung mit weit geringerer Lautstärke gefahren werden kann.

Wirkungsweise

Der E-Q5 von Ortofon stellt das erste, mit Blick auf DJs konzipierte In-Ear System auf dem Markt dar. Und wo andere Hersteller gerne mal in die asiatische Kiste der OEM-Ausstatter greifen und nur noch ihr Label auf das Produkt drucken lassen, ist der E-Q5 eine Ortofon-eigene Entwicklung. In einem sehr ansehnlichen und stabilen Aluminiumgehäuse ist der Treiber für das Einwege-System untergebracht. Anders als bei 99 Prozent aller anderen Hörer dieser Bauart kommt aber hier kein dynamischer Treiber zum Einsatz, sondern eine von Yashima Electric entwickelte Technik, die auf den feinen Namen „Single Pole Armature“ hört. Während bei herkömmlichen, dynamisch balancierten Systemen der Antrieb für die Membran zwischen zwei magnetischen Polen ruht – wenn kein Signal anliegt – und dann wechselseitig zu einem der Pole angetrieben wird, liefert im E-Q5 ein einziger magnetischer Pol die Energie zur Membranbewegung. Daraus resultiert ein Klangergebnis, dass die Fülle und den Klangreichtum der dynamischen Systeme mit der Präzision und Geschwindigkeit eines Balanced-Systems verbindet.

Darreichungsform
Die E-Q5 Kopfhörer werden in einer stylischen Metalldose geliefert, in der die Kopfhörer auch später gut aufgehoben sind. In drei verschiedenen Farben erhältlich, fallen einem zunächst die saubere Verarbeitung und die wertige Wirkung des Sets auf. Das Kabel ist mit 1,2 Metern etwas kurz geraten und die Stecker stammen nicht unbedingt aus dem High-End-Lager, wirken aber stabil und praxistaugleich. Für die Anpassung ans eigene Ohr gibt es die üblichen Silikon-Passstücke in diversen Größen. Aufgrund des doch recht hohen Gewichts (im Vergleich zu kürzeren Plastik-Gehäusen) schaffen sie es aber nicht unbedingt bei jedem Ohr, den Hörer wirklich sicher zu positionieren. Wer die E-Q5 professionell im Club einsetzen will tut gut daran, sich beim Akustiker ein Paar maßgefertigter Ohrpasstücke mit Universalkupplung anfertigen zu lassen, dann sitzen die E-Q5 bombensicher und drücken auch nicht. Nicht ganz zweckdienlich scheint die gerade Herausführung der Kabel aus dem Gehäuse zu sein. Auch wenn Ortofon das Kabel als nahezu unzerstörbar bezeichnet, entsteht an dieser Stelle doch ein neuralgischer Knickpunkt, an dem das Kabel stark beansprucht wird. Eine abgewinkelte Variante wäre da vielleicht die bessere Lösung gewesen. Leider hat noch kein Hersteller ein System entwickelt, mit dem auch bei In-Ears die Kabel am Treiber steckbar und damit im Falle eines Defektes austauschbar sind. Dies liegt aber einfach an der Größe der Systeme und ist Ortofon sicher nicht anzukreiden. Dennoch soll dieser Umstand, gerade in Hinblick auf das mitunter kabelzerfetzende DJ-Biz, an dieser Stelle angemerkt werden. Denn Kabel kaputt = Problem groß.

Beipackzettel
Bei Ortofon schickt man sich an, das Thema In-Ear auch bei DJs hoffähig zu machen. Das dies ein mutiger Schritt ist, verdient alleine schon Lob. In-Ear bietet bei wesentlich geringeren Lautstärken einfach den druckvolleren Sound und wer einmal mit In-Ears unterwegs war, dem geben die meisten anliegenden Kopfhörer einfach nicht genug Wumms her. Hat man sich einmal an die Handhabung gewöhnt, fallen einem auch die Vorteile der ultrakleinen Bauform auf, man nimmt den Kopfhörer einfach weniger wahr. Auf der anderen Seite steht natürlich die Macht der Gewohnheit, die viele DJs sicher abschrecken wird. Ein normaler Kopfhörer ist einfach schneller in Position gebracht und auch wieder vom Ohr herunter geschoben, bei einem In-Ear muss man schon ein wenig fummeln. Klanglich spielen die E-Q5 in ihrer Liga sehr gut mit den EarSonics SM3 oder Shure SES30 mit. Von den teureren Ultimate Ears trennt sie nicht viel. Ohnehin spielt sich in diesem Bereich auch viel über den eigenen Geschmack ab. Wer wirklich gute IEMs sucht, sei es für unterwegs, oder fürs Auflegen, der sollte sich die Ortofons auf jeden Fall einmal anhören.

Anschaffungswiderstand: 199 EUR UVP
www.ortofon.com