Novation Impulse – Der Schnellverbinder

Schick schaut sie aus, Novations neue Impulse Serie, die nach der Musikmesse nun endlich in den Läden erhältlich ist. Transportfreundlicher Kunststoff, solide verarbeitet, ein unempfindliches dunkelgraues Finish, sportliche rot abgesetzte Seitenteile mit eingefrästen Luftleitschlitzen und eine Formgebung mit fließenden Konturen heben das Masterkeyboard aus der breiten Masse der Steuerzentralen für das Projektstudio heraus. Was also kann es?
Ausgepackt
Der gesamte Look des Impulse hat etwas Sportliches. Auch die Verarbeitung gibt keinen direkten Grund zur Klage. Wie sich die sehr breit gefertigten Seitenteile im Bühneneinsatz bewähren, bleibt abzuwarten, aber im schlimmsten Fall dienen sie als „Knautschzone“, an denen durchaus mal eine Ecke abbrechen darf, ohne dass die Funktion gefährdet wäre.
Angepackt
Alle Fader, Encoder und die Pads fühlen sich gut an und lassen sich präzise regeln, lediglich der Data-Encoder mit Push-To-Enter-Funktion zeigt sich bei unserem Testgerät launisch und verändert seinen Druckpunkt je nach Position und Laune. Mal ist dieser deutlich zu spüren, mal ist der Hub bis zum Auslösen so minimal, dass man den „Klick“ kaum wahrnimmt. Die Tastatur des Impulse stammt von Fatar und steht somit für gehobene Qualität. In unserem 49er Modell ist eine halbgewichtete Variante verbaut, die merklich straffer reagiert, als es die ungewichteten Geschwister tun. Das straffere Gegenfedern ist zunächst gewöhnungsbedürftig, fördert aber ein nuancierteres Spiel. Andererseits sollte man dennoch nicht das Gefühl einer gewichteten Tastatur oder gar einer mit Hammermechanik erwarten, denn davon sind sämtliche halbgewichteten Systeme mehr als nur die halbe Strecke entfernt.
Angedockt
Die Kontaktaufnahme des Impulse mit dem Computer erfolgt über eine USB Schnittstelle, die auch die Stromversorgung übernimmt. Einen optionalen Eingang für ein Netzteil gibt es nicht, so dass notorisch spannungsgefährdete Laptop-Nutzer auf einen aktiven Hub zurückgreifen müssen, wenn ihr System an die Grenzen gerät. Dafür sind aber Eingänge für Expression- und Sustain-Pedal vorhanden, was leider keine Selbstverständlichkeit und daher Grund zur lobenden Erwähnung darstellt. Ein MIDI I/O-Pärchen rundet die gelungene Anschluss-Sektion ab.
Eingeschaltet
Bedienelemente werden in erfreulicher Vielzahl geboten und die Zuweisung der einzelnen Elemente wird dank der mitgelieferten Automap-Software zum Vergnügen. Unzählige Setups für nahezu alle gängigen DAW-Pakete, Synthesizer, Effektgeräte und Sequenzer sind vordefiniert und werden automatisch geladen, wenn ein entsprechendes Programm aufgerufen wird. Leider gibt es keine Displays mehr, die die Belegung anzeigen, wie es noch beim größeren Vorgängermodel der Fall war. Aber die Zuordnung ist logisch und geht bei intensiver Benutzung in Fleisch und Blut über. Wo etwas stört oder sich mit der eigenen Arbeitsweise schneidet, kann selber nachdefiniert und abgespeichert werden. Dem Nutzer stehen dann neun Fader mit 55mm Regelweg, acht Encoder, acht Drumpads und eine Transport-Sektion zur Verfügung, um Parameter zu steuern. In der Praxis funktioniert dies nach Installation der Automap Software derartig gut, dass man sich kaum noch vorstellen mag, es sei jemals anders gewesen. Die Automap-Funktion ist eine wirkliche Bereicherung und nimmt einem erstaunlich viel lästige Arbeit ab.
Angemerkt
Eine besondere Erwähnung hat noch die Pad-Sektion des Impulse verdient. Was hier an Information durch die unterschiedliche Beleuchtung der Pads übermittelt wird, ist vorbildlich und einzigartig. Im Arpeggiator-Modus z.B. werden gleichzeitig Takt, Position, Geschwindigkeit, Dynamik und Eventstatus angezeigt. Das alles lässt sich kaum schriftlich erklären, funktioniert aber so gut, dass man es bereits nach den ersten paar Durchläufen eines Patterns intuitiv verstanden hat und sich gut informiert der Programmierung des Patterns mit Ghostnotes und perfekter Dynamik widmen kann. Dieses Feature macht wirklich Spaß und sollte Vorbildfunktion haben.
Eingepackt
Die Geschwister der Impulse Serie treten als 25er, 49er und 61er Variante, also mit zwei, vier oder fünf Oktaven Tastaturumfang an. Somit steht für jedes Aufgabenfeld / Budget / Platzangebot eine Lösung bereit. Vielleicht folgt dem Trio ja auch noch eine 88er Version mit Hammermechanik, dann wäre die Abdeckung wirklich perfekt. Die beiden größeren Varianten unterscheiden sich dabei nicht von der Ausstattung. Das heißt hier werden sämtliche der oben beschriebenen Funktionen geboten. Lediglich die 25er Variante muss auf acht der neun Fader verzichten, weil das Gehäuse dafür schlicht keinen Platz bietet.
Fazit
Die Impulse Serie von Novation bietet drei gut ausgestattete Masterkeybords/Controller zu fairen Preisen (Impulse 25 ca. 180 Euro, Impulse 49 ca. 300 Euro, Impulse 61 ca. 350 Euro). Eine gute Tastatur, viele sauber arbeitende Regler und eine vernünftige Verarbeitungsqualität stehen auf der Habenseite. Echte Pluspunkte sind das hervorragend im Hintergrund werkelnde Automapping und die herausragend konzipierte Pad-Sektion. Zu kritisieren wäre lediglich die nicht sichtbare Zuweisung, aber damit steht die Impulse-Serie nun wahrlich nicht alleine da. Für den aufgerufenen Preis wäre dieser Punkt vermutlich auch nicht lösbar gewesen. An der professionellen Praxistauglichkeit ändert dies jedenfalls nichts. Durchweg eine Empfehlung.






