Freitag, 24. Mai 2013

Pioneer RMX-1000 – Der Großknopferte


29. Juni 2012 // Technik  

Mit Traktor, Serato oder anderen Softwareprodukten hatten Vinyl- und CD-freie DJs in Sachen Live-Effekte bislang eindeutig die Nase vorn. Und da ein zeitgemäßer Mix kaum ohne zusätzliche Würze in Form von Beat-Loops, Samples, Delay- und Echo-Akrobatik auskommt, fehlte dem Hardware-User dann doch an der einen oder anderen Stelle das Werkzeug zum Glück. Gottseidanker Weise (Ich danke an dieser Stelle den Tagesthemen für diese phantastische Wortschöpfung) springt Pioneer in die Bresche und liefert mit dem RMX-1000 eine Kombination aus Effektgerät, Drummachine, Sampler und Plug-In, mit dem sich nahezu alle für ein amtlichen Remix benötigten Effekte und Zutaten an jedem Mischpult oder Live Setup, aber auch im Studio, realisieren lassen.

Auf die Knöpfe geschaut

In einem flachen Pultgehäuse mit zeitgemäßer BKA-Oberfläche untergebracht, fallen bei Betrachtung des RMX-1000 besonders die vier riesigen Potis auf, die zum einen für die L-M-H-Bänder der EQ-bezogenen Effekte, zum anderen für die Effektauswahl zuständig sind. Mit rund drei Zentimetern Durchmesser und griffiger Gummierung laden diese Regler geradezu zum Anfassen ein. Dass sie sich dabei sehr angenehm drehen und wenden lassen, ist einem relativ hohen Drehwiederstand geschuldet, der auch feinste Nuancen erlaubt. Der Grundaufbau des RMX ist vorbildlich übersichtlich. Auf der Oberseite gibt es zwei Aussteuerungsanzeigen, die zwischen den Empfindlichkeitsreglern für Ein- und Ausgang platziert sind. Die anschließende Tempo-Einheit zeigt den gerade gemessenen BPM-Wert an und erlaubt über TAP und Nudge auch manuelle Eingaben. Ferner kann hier geregelt werden, ob sich der RMX zum Signal synchronisiert und ob interne Sounds quantisiert werden oder nicht.

In der Isolator-EQ Abteilung gibt es die oben beschriebenen Drehregler, deren Funktionen über die darüber angebrachten vier Buttons gesteuert werden. Zuvor lässt sich noch die Quelle festlegen, auf die der jeweilige Isolate-FX wirken soll (Input, X-Pad oder beides). „ISOLATE“ ist dabei die erste Möglichkeit. Hier wirken die Regler als EQ von ‚Kill‘ bis zu einem dezenten ‚Boost‘. Danach kommen die Effekte zum Zug. Immer als gegensätzliches Paar arrangiert stehen „CUT/ADD“, „TRANS/ROLL“ oder „GATE/DRIVE“ zur Auswahl. Aktiv und damit hörbar kann aber immer nur eine der Kombinationen sein.

Die Gruppe der folgenden Scene-FX ist kreisförmig um den vierten Monsterregler gruppiert und ist in fünf rote „Build-Up“-Effekte (Bandpass Echo, Echo, Noise, Spiral Up und Reverb Up) und fünf blaue „Break Down“-Effekte (Highpass Echo, Lowpass Echo, Crush Echo, Spiral Down und Reverb Down) eingeteilt. Der mittige Regler bestimmt die Intensität, die auch zeitgleich durch ein, in der entsprechenden Farbe des Effekts gehaltenes, Aufleuchten der Reglerbasis optisch angezeigt wird. Zwei zusätzliche Regler erlauben dabei Zugriff auf die Effektparameter Zeit und Resonanz.

Am rechten Gehäuserand findet sich nun auch noch der ebenfalls in praxistauglicher Übergröße ausgeführte Kippschalter für den Release FX, der bevorzugt bei Breaks oder zum Ende eines Tracks zum Einsatz kommt. Seine Funktion lässt sich zwischen „Vinyl Brake“, „Echo“ oder „Back Spin“ wählen und über den Hebel in drei Stufen dosieren. Die Intensität wird dabei durch einen stufenweise aufleuchtenden Balken angezeigt.

Vom DJM-900 hat der RMX das X-Pad-Prinzip geerbt. Hier lassen sich über fünf Taster und ein in ebenfalls fünf Segmente unterteiltes Touch-Feld Rolls, Samples oder zusätzliche Drumsounds (Kick, Snare, Clap, Hihat) abfeuern. Dies geschieht direkt über die Taster oder als taktbezogenes Pattern (4/4, 2/4, 1/4, 1/8, 1/16) über das Touch-Feld. Eine Hold-Option regelt dabei, ob man den Finger auf dem jeweiligen Feld lassen muss oder nicht. Eigene Samples können dabei in vier Bänken zu je vier Sounds abgelegt werden und werden direkt von der eingelegten SD Karte abgespielt. Bislang ist jedoch je Karte nur ein Setup verfügbar. Für komplexere Kreationen bietet der RMX eine Overdub-Funktion, mit der sich Kombinationen von Sounds und Samples aufzeichnen lassen, die dann zyklisch wiedergegeben werden. Die gesamte X-Pad Sektion lässt sich zudem noch stimmen und in ihrer Gesamtlautstärke abmischen.

Hook Me Up

Der RMX 1000 kennt zwei Betriebsmodi, in denen er sich in ein bestehendes Setup integrieren lässt. Optimal wäre hier wohl das Einschleifen in einen Effect-Send am Mixer. Hier lassen sich die Effekte des RMX am wirkungsvollsten zum Aufbau dramaturgischer Höhepunkte im Mix nutzen. Das Timingverhalten ist dabei erstklassig. Verzögerungen oder Sprünge gibt es nicht zu vermelden. Alternativ fühl sich der RMX aber auch am Master Ausgang wohl auch wenn hier dann ein paar Regelmöglichkeiten wegfallen und immer die Stereosumme auf den Effekt trifft (Vorsicht besonders bei den Release-FX) aber gerade für kleinere Setups sicher das Mittel der Wahl. Anschluss findet man beim RMX jedoch immer. Eingang und Ausgang sind als Chinch oder Klinke ausgeführt, die Empfindlichkeit ist zwischen -10 dBv und +4 dBv schaltbar. Neben dem Anschluss für das Netzteil findet sich noch die USB-Buchse, die den RMX mit dem Rechner und damit mit seinem Editor verbindet. Auf der rechten Seite gibt es einen Einschub für SD-Speicherkarten auf denen sich Samples und User-Setup befinden.

Mehr, mehr, mehr

Wäre dieser Test hier zu Ende, müsste man dem RMX sicher attestieren, ein sehr ordentliches Werkzeug zu sein, das den DJ ein großes Stück weiter in den Mix bringt und zum Live-Einsatz auffordert. Mit einem RMX im Setup ist man einfach direkter ins Klanggeschehen eingebunden und hat weitreichende kreative Potentiale, den Mix zum Leben zu erwecken. Doch zum Glück ist der Test an dieser Stelle nicht zu Ende und der RMX hat noch einiges zu bieten.

Da wäre zunächst der Editor, der es erlaubt nahezu jeden Parameter des RMX zu beeinflussen. Die Bandbreite der Wirkung der Isolate-Knobs kann ebenso bearbeitet werden, wie die Einsatz-Frequenzen. Lopplängen und Pattern des X-Pads lassen sich festlegen. Selbst die Parameter der Effekte (Filter, Pitch-Type, Resonanz, Modulationsform etc.) Aber auch die Divider, Cuts und Rolls der Isolate-FX lassen sich den eigenen Wünschen anpassen und erlauben vielfältige Einstellungen. Ein so gefundenes Setup lässt sich ebenfalls auf der Karte abspeichern und dann mit dem Default -/ User-Schalter am Gerät anwählen.

Richtig spannend aber wird es, wenn man den RMX als Plug-In (AU und VST) im Produktionsprozess einsetzt. Denn plötzlich stehen sämtliche Effekt-Funktionen, die man sonst live am Deck einsetzt schon beim Produktionsprozess zur Verfügung. Was mit herkömmlichem Studioequipment schwer zu realisieren ist, lässt sich mit dem RMX mit einem Knopfdruck erreichen. Die Produktion eines Remixes gewinnt so fast das Gefühl einer Live-Performance. Die Hardware des RMX-1000 dient dabei als Controller und ermöglicht ein ganz anderes Arbeiten, als es Tastatur oder Maus bieten. Gerade für den produzierenden DJ ein wirklicher Pluspunkt und eine Bereicherung des Arbeitsumfeldes Studio.

Fazit

Auch wenn 699 EUR keine Kleinigkeit für einen DJ-Effekt sind, wird einem bei der Betrachtung der vielfältigen Möglichkeiten des RMX klar, dass der Preis mehr als angemessen ist. Die kleine Kiste lässt sich in nahezu jedes Setup und jeden Arbeitsbereich sinnvoll und bereichernd integrieren und wer ihn einmal im Setup hat, wird danach ungern darauf verzichten, die Möglichkeiten und die herausragende Flexibilität – gerade durch die persönlichen Einstellungen – zur Verfügung zu haben. Die Sample-Decks und Effekte der Software-Konkurrenz mögen da vielleicht noch mehr Parameter und Möglichkeiten bieten, aber sie sind eben nur Software, nicht überall einsetzbar und auch die Einbindung in den Produktionsprozess bekommen sie nicht so nahtlos hin, wie es der RMX 1000 vermag. In Sachen Live-Feeling, Eingriffsmöglichkeit und Dramaturgie stehen Vinyl- und CD-Deejays mit dem RMX nun fast auf gleicher Stufe mit den Software-Jüngern und werden zudem unabhängig von der Ausstattung des Mixers im Club. Vielleicht hätte man sich eine etwas breitere Auswahl an Effekten im Scene-Bereich wünschen können. Ein Flanger, Phaser oder ein Delay, vielleicht noch ein wenig LoFi hätten dem RMX nicht schlecht zu Gesicht gestanden. Pioneer macht mit dem RMX vieles Richtig. Besonders die Einbindung als Plug-In und der umfangreiche Editor beeindrucken durchaus. Die Bedienung ist in allen Belangen vorbildlich und die Soundqualität und Verarbeitung genau so, wie man es sich wünscht.

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