Mittwoch, 22. Mai 2013

Rane Sixty-Two – Emotionaler Split-Mixer


20. Juli 2012 // Technik  

Am Rane scheiden sich die Geister. Während der eine Teil der DJ-Zunft – bevorzugt diejenigen, bei denen Fader-Akrobatik im Zentrum der Bemühungen steht – vor Begeisterung gleich scharenweise zu Rane wechseln, schrecken andere nach dem ersten Kontakt mit den Bedienelementen des Mixers zurück, als hätten sie gerade etwas Ekeliges berührt. Um die Gemeinde endgültig zu spalten, liefert Rane den Sixty-Two als Z-Trip Limited-Edition nun auch in einer Frontgestaltung aus, die – sagen wir es mal vorsichtig – gewöhnungsbedürftig ist.

Technisch vereint der Sixty-Two gleich mehrere Geräte in einem Gehäuse. Zum einen ist dies natürlich ein vollwertiger Mischer für zwei Decks mit integrierter Effekt-Sektion. Zudem bietet der Sixty-Two aber auch die Möglichkeit, Serato Scratch komplett anzusteuern und das nicht nur für einen, sondern simultan für zwei Rechner, so dass auch B2B-Einsätze zum echten Vergnügen ohne Umstecken werden. Der Sixty-Two arbeitet dann zeitgleich als Controller und Audiointerface. Die beiden angeschlossenen Rechner können dabei im Split-Modus (jeder erhält eine Seite des Mixers nebst Sampleslots und Cue-Punkten) oder im Full-Modus bedient werden. Um den Modus zu wechseln, genügt ein Tastendruck.

We connect

Die Rückseite des Sixty-Two wurde ausgiebig genutzt. Vier Plattenspieler oder CD-Laufwerke lassen sich direkt anschließen, um entweder Audiomaterial oder Timecode für Scratch zu liefern. Für den FlexFX gibt es einen Loop-Ausgang mit Send und Return. Die Ausgabeseite ist gleich dreifach vorhanden. So gibt es neben dem Main-Out (XLR) einen Booth-Out (Klinke) für die Monitore und einen Session In/Out (Chinch). Ein schaltbarer Mic/Line-Eingang (XLR/Klinke) und die beiden USB-Ports A und B komplettieren die Ausstattung.

Look @ me

Lassen wir einmal die Tatsache außer Acht, dass die Farbgebung der Limited Edition in Schwarz/Gelb/Violett/Grau nicht jedermanns Sache sein dürfte, gut gemacht ist sie allemal, denn mit nur wenigen Akzenten werden besondere Funktionsbereiche des Mixers sauber deutlich gemacht. Alle Level-Regler sind gelb (blau beim Seriengerät), die Filter und FX-Regler violett (hellgrau) und alle anderen Potis grau (grau). Zudem unterscheiden sich Encoder und Potis durch eine andere Formgebung. Neben der logischen Gruppierung machen diese Kleinigkeiten die Orientierung auf dem Mixer zu einem Kinderspiel

Nachdem man zuerst eine Quelle ausgewählt hat (USB A oder B, Laufwerk 1-4) stehen einem ein Pegelsteller, ein Filter, Pan und ein 3-Band-EQ zur Verfügung. Die Steuer-Sektionen für Deck 1 und 2 werden je nach gewählter Quelle auf USB A oder B ausgegeben und steuern dort das linke oder rechte Deck (im Split-Modus wie gesagt auch auf zwei unterschiedlichen Rechnern). Hier lassen sich Tracks auswählen und in die Decks laden sowie Loops setzen, rollen und speichern. Im darunter liegenden Bereich lassen sich die Effekte anwählen und steuern, sowie grundlegende Parameter wie z.B. das Songtempo einstellen und anpassen. Dazu stehen acht Effekttaster, ein Time-Encoder, ein Mini-Joystick, so wie ein Depth-Regler zur Verfügung. Die wichtigsten Werte werden in einem kleinen Display angezeigt. Über zehn weitere Taster lassen sich Samples abfeuern (im Split-Modus fünf für jeden Rechner) oder Cues setzen und aufrufen. Sollten die fünf Taster im Split-Betrieb nicht ausreichen, kann durch Knopfdruck kurzfristig das gesamte Setup auf einen Rechner geroutet werden. Sektionen für Master-Out, Headphones, AUX-Eingang und die Effektabteilung mit Zwei-Band-Klangregelung komplettieren das Angebot an Bedienelementen.

Fast das gesamte untere Drittel des Mixers bleibt den Fadern vorbehalten, die in Battle-Mixer-Manier ungemein leicht laufen und sich tatsächlich durch kräftiges Pusten bewegen lassen. Was also auf Basis der eigenen Arbeitsweise oder religiöser Anschauung bei den Fadern durchaus Sinn macht, sorgt bei den Tastern für weit weniger Begeisterung. Den Tastern fehlt es eindeutig an taktiler Rückmeldung. Ein echter Druckpunkt ist nur bei zärtlichem Druck spürbar und der Hubweg ist erschreckend kurz. Möglich, dass die Taster – wie auch der Rest des Mixers – durchaus von ordentlicher Qualität sind und lange halten. Sie fühlen sich aber schlichtweg nicht so an. Wären die größeren Tasten nicht nach vorne abgeschrägt und die kleineren nach innen gewölbt, man wüsste überhaupt nicht, ob man gerade einen Taster erwischt oder auf das Gehäuse getippt hat.

Fazit

Der Rane Sixty-Two ist ein Mixer, der nicht nur intern zu splitten vermag. Zum einen ist er mit 2.100 EUR kein ganz billiges Vergnügen, wartet aber durch die komplette Integration in SSL mit herausragenden Features auf. Die Verarbeitung und Haptik aber wird Freund wie Feind finden und den Sixty-Two vermutlich nicht zum neuen Standard, wohl aber zum geschätzten Spezialprodukt machen. Das Arbeiten mit Serato Scratch – gerade zu zweit – macht jedenfalls eine Menge Freude und so mancher Club wird sicher mit dem 62er liebäugeln.

Preis: ca. 2.100 EUR

www.rane-dj.de