Wacom Nextbeat – Die Krone des Entertainments
Ein Hingucker der diesjährigen Musikmesse zu Frankfurt war die Premiere des Grafikboard-Herstellers Wacom, der sich mit seinem ‚geschlossenen‘ System Nextbeat an die Entertainer der Szene richtet. Wir hatten bereits darüber berichtet. „Der Nextbeat versteht sich nicht als Controller, sondern als eigenständiges DJ-System“, betonte Marco Hirt aka Stereodata, der mit dem Nextbeat im Gepäck vor kurzem unsere Redaktion besuchte und ihn anschaulich demonstrierte. Ein Besuch, auf den wir sehr gespannt waren. Wurde der Nextbeat doch von Pioneer-Aussteigern in Japan und mit Hilfe von DJs konzipiert.
Erster Eindruck, Verarbeitung und Ausstattung
Die Basisstation mitsamt der Remote-Einheit misst von der Grundfläche her gerade einmal so viel wie ein 12Inch-Cover und dürfte somit in jede Plattentasche passen. Mit knapp 3 kg ist die Einheit zudem recht leicht, da sie auf eine interne Festplatte verzichtet. Denn im Lieferumfang befindet sich eine 2 GB Compact Flash Card, auf der Musikdaten im MP3-, WAV-, AIFF- und AAC-LC-Format gespeichert werden können.
Rückseitig befindet sich ein Master-Stereo-Out, zwei Stereo-Outs, die den Decks zugewiesen sind (alles Chinch-Ports), der USB-Port und der CF-Card-Slot. Vorne treffen wir auf einen Mic-Input und den Kopfhörerausgang. Der eigentliche Clou ist die herausnehmbare Remote-Einheit, mit der richtige Bühnenreisen bis zu 20 m Entfernung und selbst durch Wände möglich sind und die gut in der Hand liegt. Dazu später mehr.
Inbetriebnahme
Per USB-Port erfolgt der Anschlusss an den Computer. Der Nextbeat bzw. die CF Card wird als Wechseldatenträger erkannt, und per einfachem Drag & Drop kann diese mit Files beladen werden. Mehr passiert bei einer USB-Connection nicht und war auch nicht vorgesehen. Der Anschluss an den Verstärker erfolgt vornehmlich über den Master-Out. Das mitgelieferte Netzteil sichert dabei die Stromversorgung.
In Action
Die Bedienphilosophie des Nextbeat ist ähnlich aufgebaut wie die der gängigen DJ-Softwares. Er verfügt über zwei Decks, zwischen denen beliebig hin- und hergesprungen werden kann. Der nächste Track wird immer automatisch in das ‚unbenutzte‘ Deck geladen und kann anschließend mit dem richtigen Cue-Punkt versehen werden. Das Track-Loading findet allerdings ausschließlich an der Basisstation statt, was ein regelmäßiges Rückkehren nach Remote-Ausflügen bedeutet.
Das Herzstück ist die Remote-Einheit, die neben den Channel- und den Pitchfadern auch über ein Touch-Sensor-Jog-Pad verfügt. Letzteres kann man mit einem Finger zur Geschwindigkeitsanpassung nutzen – mit zwei Fingern beginnt man zu scratchen. Die Touchpad-Technologie im Nextbeat zeugt von der bekannten Wacom-Kompetenz und kann vollends überzeugen.
Das DJ-System besitzt sechs gängige Effekte, die in vier unterschiedlichen Sync-Längen eingesetzt oder per Jog-Pad editiert werden können. Weiter bietet er eine klassische Loop-Funktion, die justierbar ist. Der Sample-Player hat vier Bänke, die man jeweils auf die Slices (das Jog-Wheel ist in vier tapbare Bereiche unterteilt) verteilen kann und so 16 Samples maximal gespielt werden können.
Etwas nachteilig ist mir aufgefallen, dass der Nextbeat keine Sync-Funktion zwischen den beiden Decks anbietet, sondern mit einer ‚Art‘ Beatmatching zwei Tracks von der BPM-Zahl lediglich annähert. Darauf wurde bewusst verzichtet, was für mich nicht ganz nachvollziehbar ist, da es auf Kosten der Performance geht. Nicht ganz glücklich ist auch die Tatsache, dass die Basisstation keinen Ladevorgang für etwaig eingesetzte AA-Akkus bietet und der Betrieb eher auf den Einsatz von Batterien (Mignon) abzielt. Dass man stets für den ‚nächsten Track‘ zur Basisstation zurück kehren muss, limitiert die Ausflüge ebenfalls ein wenig.
Fazit
Nextbeat ist wirklich DJing aus einer anderen Welt. Mit ihm sind saubere Übergänge oder Fades wie Pitches dank des akkuraten Touchpads kein Problem, die Effekte klingen ordentlich und sein Funktionsumfang bietet alle gängigen Spielereien, die aber ein Gerät für EUR 1.300 Straßenpreis auch haben sollte. Man muss sich grundsätzlich im Klaren sein, dass der Nextbeat eigenständige Skills fordert wie generiert, die mit dem klassischen Mix-Handling nicht viel zu tun haben. Aber schon nach einer Stunde kann man versiert mit dem Gerät umgehen und einmal unter uns: Die Idee, sich mit der Remote-Control in die erste Reihe seiner Fans zu stellen, sich jemanden raus zu picken und ihn den Crossfader schieben zu lassen – das ist doch bislang die Krone des Entertainments.
Hier noch ein offizielles Demovideo zum Wacom Nextbeat:








