Tube & Berger – Teamwork, Revolution und Hippie-Techno

Solingen im Bergischen Land ist nicht gerade das, was man landläufig eine Metropole nennt. Doch Solingen steht weltweit für solide Qualität. Eine Klinge aus Solinger Stahl hat schon in so manchen Finger geschnitten. Zudem ist Solingen weltweit die einzige Stadt, deren Name markenrechtlich geschützt ist. Wir sind jedoch nicht auf der Suche nach einer bergischen Samurai-Schmiede, sondern nach solider Musikproduktion. Wir treffen Tube & Berger!
Marko und Arndt, wie die beiden von ihren Müttern genannt wurden, haben nicht immer im bundesweiten Disco-Zirkus mitgespielt. Das Ziel erreichten sie über Umwege!
Das erste Release, die Dance-Synthie-Pop Single „Straight Ahead“, erschien 2004 bei Sony und kletterte in den USA auf Platz eins der amerikanischen Billboard Dance Radio Charts. Zum Vergleich: In den Niederlanden, die uns musikalisch näher stehen, kam die Scheibe auf Platz 63.
Auf das Release folgten internationale Booking- und Remix-Anfragen und es wurde fleißig weiter geschraubt. Ein Jahr später gründeten die beiden Jungs gemeinsam mit ihrer DJ-Kollegin und persönlichen Freundin Juliet Sikora Kittball Records. Die ersten drei Kittball-Releases steuerten sie alleine bei, damals noch unter dem Synonym Babylon Robots. Es folgten weitere Produktionen, die immer mehr auffielen, ebenfalls in Zusammenarbeit mit Juliet Sikora oder ihrem Spezi Ante Perry.
Kittball-Platten werden eben gespielt!
Nicht zu vergessen ist das Charity-Projekt der Jungs, „It Began In Africa“, zugunsten junger afrikanischer Musiker. Die Einnahmen aus einer Doppel-CD, an der Format:B, Ida Engberg, Martin Eyerer, Basti Grub und unzählige weitere bekannte Gesichter mitwirkten, wurden komplett gespendet. Toll!
Das eigene Label blickt mittlerweile stolz auf über dreißig oft gespielte Veröffentlichungen und die Protagonisten auf unzählige Bahn-, Auto- und Flugmeilen zurück. Für Marko und Arndt ist nun die Zeit gekommen, ihr erstes Album zu veröffentlichen, auf Kittball natürlich.
Kurz vor dem Abflug in den Urlaub stehen die beiden für unsere Fragen Rede und Antwort.
Hallo Jungs, wie geht es euch so kurz vor dem Release eures Debütalbums?Hallo! Es ist ein Wechselbad der Gefühle. Wir sind stolz, aufgeregt, müde und gespannt zugleich. Wir haben ja nicht nur das Album im Studio zusammen gezimmert, sondern machen Artwork, Promo und den ganzen anderen Wahnsinn selbst, mit unserer vier Personen Kittball-Crew. An dieser Stelle auch schöne Grüße an Juliet und Paco, die beiden müssen ständig unsere Launen aushalten und spontane Ideen umsetzen, die eventuell wenig später wieder verworfen werden.
Wie lange habt ihr an dem Album gearbeitet?
Wir haben uns ca. vier Monate wirklich eingeschlossen und dabei E-Mail und Telefon so gut es ging ignoriert. Einerseits wurden Jahre alte Ideen endlich mal umgesetzt, auf der anderen Seite haben wir beim Basteln im Studio immer mehr unsere Richtung gefunden. War wirklich `ne coole und kreative Zeit, die wir beide schon jetzt vermissen. Es fällt auch immer noch etwas schwer, sich wieder an gesunde Nahrung, regelmäßigen Schlaf und anständige Körperpflege zu gewöhnen.
Wie kam es zu dem Albumtitel „Introlution“?
Da haben wir uns mal ein kleines Wortspiel aus Introduction zum einen und Revolution zum anderen erlaubt. Irgendwie ist uns dann aufgefallen, es könnte auch für Evolution stehen, oder für Solution… Wem noch mehr einfällt, postet uns das einfach auf unsere Facebook-Wall.
Wer hatte welche Funktion beim Produzieren?
Das ist bei uns sehr ausgeglichen. Es gibt ja eine Menge Acts, die sich einen Techniker dahin setzen und dieser macht dann alles und am Ende kommt Superstar XY noch mal kurz rein und sagt geil, das ist meine neue Single. Wir sehen uns da eher als Handwerker, auch wenn wir sonst kein großes handwerkliches Talent haben. Tube ist mehr der Gitarrist und Bassist, Berger mehr der Drummer und Synthie-Freak, aber das bedeutet nicht, dass es nicht auch genau andersrum laufen kann. Sobald eine Idee da ist, die uns kickt, wuseln wir so lange herum, bis etwas fertig ist, oder in der Tonne landet.
Was hat euch bei der Arbeit am Album beeinflusst?
Zum einen sicherlich der aktuelle Zeitgeist und unsere sich ständig wandelnde schöne, neue Welt. Mehr denn je hat uns aber auch die Mucke der 60er und 70er Jahre beeinflusst. Wir haben dem Album einen sehr organischen Sound verliehen, viele akustische Instrumente eingespielt und mit alten Kompressoren und Bandgeräten herumexperimentiert. Wir finden, das hört man und wir sind mit dem Ergebnis nicht nur zufrieden, sondern auch echt erstaunt darüber, wie sich das ganze entwickelt hat. Im Spaß fiel mal der Begriff “Hippie-Techno”.
Ihr habt bereits mit vielen namhaften Artists zusammen gearbeitet. Gibt es noch Wunschkandidaten?
Mike Skinner von The Streets wäre der Hammer! Die total verrückten Südafrikaner von Die Antwoord wären eine Herausforderung und remixen würden wir gerne mal so Leute wie den Filmmusiker Clint Mansell oder die Jungs von Depeche Mode, falls die noch mal ein Album machen sollten.
Mit wem hat euch die Zusammenarbeit am meisten gefallen?
Da waren einige coole Sachen dabei, aber am schönsten war die Zusammenarbeit mit dem African Childrens Choir für unser Charity-Projekt „It Began In Africa“. Fürs Album war es besonders cool, mit Thalstroem, der die Trompete bei Aka Aka spielt, und mit Altmeister Robert Owens zu arbeiten. Generell ist zusammen arbeiten eine sehr coole Angelegenheit!
Was wird es von euch in Clubs und auf Festivals zu hören geben?
Jetzt, wo das Album fertig ist, arbeiten wir gerade daran, das Ganze so live wie möglich umzusetzen. Aber wer uns kennt, der weiß auch, dass wir gerne unsere eigenen Edits aus aktuellen Disco-Krachern erstellen und auch mal mit etwas völlig Ungeahntem um die Ecke kommen.
Welche musikalischen Strömungen prognostiziert ihr für die nächste Zeit?
Ja, Hippie-Techno is the next big thing! Also, liebe Hipster, Stock aus’m Popo und make love – not war ;-)
Was kommt bei Euch nach dem Album?
Nach dem Album ist vor dem Album! Aber es stehen auch neue Releases auf 100% Pure, Suara und natürlich Kittball an!
Geht ihr eigentlich an freien Tagen selbst noch auf Partys? Oder reichen euch eure eigenen Wochenenden?
Ehrlich gesagt, müssen es dann schon besondere Events sein, damit wir uns dazu aufraffen, an freien Tagen das Haus zu verlassen. Da sind uns Grillabende mit unseren langjährigen und guten Freunden lieber. Wer uns aber gut kennt weiß, dass man uns auch mal auf einem kleinen Rave in unserer Heimatstadt Solingen antreffen kann.
Was meint ihr, wie lange werdet ihr das DJing noch durchhalten? Wo seht ihr euch in zehn Jahren?
Musik machen werden wir sicherlich bis wir taub sind. Bekannterweise schrumpft man allerdings im Alter, somit besteht die Gefahr, dass wir irgendwann nicht mehr übers DJ-Pult gucken können. Spätestens dann ist Schluss!
Zu guter Letzt, was möchtest ihr den Leuten noch mitteilen?
Hört auf euren Bauch und auf euer Herz, nicht auf euren Fernseher ;-)
Arndt fliegt bald nach Ägypten? Marko, relaxt du auf Balkonien, im Sauerland oder wo geht es hin?
Also wirklichen Urlaub hab ich nicht geplant. Da wir im August aber in Kroatien auf der schönen Insel Hvar spielen, werde ich wohl den Rückflug um ein paar Tage hinausschieben und die Küste entlang fahren. Geplant ist dort auch ein Treffen mit unseren Freunden von We Love House aus Unna und Ante Perry und Nils König, was bedeutet, dass ich danach wirklich Urlaub brauche ;)
www.facebook.com/tubeandbergerofficial
„Introlution“-Tourdates Tube & Berger
05.07. Berlin, Katerholzig
13.07. Passau, Liquid Club
21.07. Düsseldorf, Feier Rhein
27.07. Wuppertal, Butan Club
28.07. Dortmund, Juicy Beats Festival
04.08. Regensburg, We Love Summer
11.08. Lüdenscheid, Johnny Mauser
18.08. Schmalenberg, Lichtwerk
25.08. Niederrhein, Kittball Movement Boat
08.08. Freiburg, Kulturhaus
28.09. CH-Zürich, Pfingstweide
Interview & Text: Lukas Fritscher






