Donnerstag, 17. Mai 2012

Eulbergs heimische Gefilde: Evolutionsbilologie 2.0


23. August 2010 // Allgemein  

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150 Jahre nach Darwins Begründung der Evolutionsbiologie wissen wir heute, das Lebewesen keine Effizienz-gesteuerten-Maschinen sind und auch die Natur nicht so nüchtern pragmatisch ist, wie bei Darwins „Survial of the fittest“ vermutet. Man schaue sich nur die mannigfaltige Vielfalt an Muschelformen an die uns die Natur geschenkt hat oder die unendliche Palette an Farben im Vogelreich oder die Abermillionen von Blüten eines Kirschbaumes.

Dies alles existiert nicht aus rein funktionellen Gründen. Immer mehr spricht dafür, dass alle Organismen von einer mächtigen Kraft zusammengehalten werden: dem Empfinden, was ihnen gut tut und was ihnen schadet. Schon einfache Zellen folgen Werten. Die darwinistische Vorstellung, alles Lebendige sei gleichsam mechanisch von einer egoistischen Gier beherrscht, versagt dieser These gegenüber immer häufiger.

Heute wissen wir, dass sich die einst als so messerscharf-kalkulierend angesehene Evolution einige Irrtümer geleistet hat. Es gibt Tierarten, die ganz offensichtlich gar nicht so perfekt zu ihrem Lebensraum passen – und trotzdem erfolgreich seit Jahrmillionen überleben.

Die Strumpfbandnatter Nordamerikas zum Beispiel bevorzugt aus einer Vielzahl möglicher Delikatessen ausgerechnet Molche, die extrem giftig sind. Dafür zahlt sie einen hohen Preis: Das Molchgift versetzt sie nach Vertilgung des Opfers in Zeitlupe, verlangsamt ihre ganzen Lebensabläufe. So betäubt wird das Raubtier selbst zum leichten Opfer. Was jedoch den Artbestand offenbar bislang nicht beeinträchtigt hat.

Koalabären wiederum machen sich mit ihrem erlesenen Geschmack das Leben ganz schön schwer: Nur Blätter bestimmter Eukalyptusbaumarten in bestimmtem Reifegrad verspeisen die australischen Kuscheltier-Gourmets. Das harte, faserige und energiearme Blattwerk können sie nur dank eines gigantischen Blinddarms, eines ständigen Wiederhochwürgens aus dem Magen in den Mundraum sowie einer ganz besonderen Mikroflora im Darm zu Brei zerkleinern. Weil diese kleinen Verdauungshelfer nicht angeboren sind, müssen junge Koalabären einen speziellen Kot ihrer Mutter fressen – als eine Art „probiotischen Joghurtdrink“. Ein enormer Aufwand für eine ökologische Nische. Kein Wunder, dass die armen Tiere bis zu 20 Stunden am Tag schlafen müssen.

Doch bei allen Beispielen wird deutlich: Evolution geht nicht immer gerade Wege, sondern öfter „um die Ecke“. Was für uns Menschen nicht immer Sinn macht. Aber durchweg erfreulich ist: Wer pfiffig oder ausdauernd ist, kommt auch als wenig angepasster Stromlinien-Evolutionär locker Millionen Jahre weiter. Niemand braucht perfekt zu sein, um zu überleben.

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