Heineken Balaton Sound Festival – der Reisebericht
Heineken Balaton Sound Festival 2012 – ein feucht-fröhliches Vergnügen
Der Balaton ist Urlaubsregion Nummer eins für die Ungarn, die keine eigene Meeresküste haben.
Der Balaton, oder der Plattensee, wie er auf Deutsch heisst, ist dafür rund 60 Quadratkilometer größer als der Bodensee, also kein kleiner Badeteich. Seine unzähligen Sandstrände werden auch zu dieser Jahreszeit in Scharen angesteuert – von uns eingeschlossen.
Das alljährliche Balaton Sound Festival in Zamárdi ist nicht für jeden Bundesbürger unbedingt auf der Agenda, wie unsere hiesigen bekannten Festivals. Zeit, das zu ändern.
Das Line-Up ist so umfangreich, dass sich das Festival über vier Tage von Donnerstag bis Sonntag erstreckt.
Doch zurück zum Start. Freitag Nachmittag, Flughafen Köln-Bonn. Der Flieger bringt uns in etwas mehr als einer Stunde nach Budapest, wo uns bereits ein freundlicher Ungar vom örtlichen Autoverleiher mit den handelsüblichen Papierschildern mit unserem Namen drauf erwartet. Kurz die Formalitäten geklärt, an der Tankstelle eine Vignette gekauft und schon geht es auf die Autobahn ins Landesinnere. Das Navi zeigt uns 130 Kilometer Strecke bis Zamárdi an, das ist auch in Ungarn in etwas mehr als einer Stunde gut zu schaffen.
Abends bei Ankunft im Ort ist alles mit grünen Plakaten ausgeschildert. 500 Meter vor Erreichen des Zieles stehen wir vor einer Straßensperre. Nichts geht mehr, überall laute Musik und junge Leute. Kein Zweifel, wir sind kurz vor dem Epizentrum.
Der Polizist an der Absperrung kann uns jedoch auch nicht weiterhelfen. Müssen wir zu Fuß weiter?
Ein Anruf bei unserem Hotel bringt die ernüchternde Lösung: wir sind im falschen Ort, unser Hotel liegt knappe 50 Kilometer weiter den See entlang. Tolle Wurst.
Endlich am Ziel angekommen freuen wir uns über ein kleines, hübsches Landhotel mit direktem Blick auf den See von unserem Balkon aus.
Der Samstag wird der Festivaltag! Nach einem Sonnenbad am Balaton und einem unerhört leckeren Essen mit allem Zip und Zap zu einem noch unschlagbareren Preis geht es in die Festivalmetropole. Der Wagen muss weit vor dem Gelände stehen bleiben, so übervölkert ist der Ort.
Am Eingang sind wir überrascht, wie reibungslos alles läuft. Festival-Bändchen funktionieren razzfazz und los geht’s. Das Gelände liegt direkt am See, der auch genutzt werden kann. Fressmeile, Freefall-Tower, Bungee-Jumping und Skydinner scheinen schon recht Jahrmarkt-mäßig.
Die Bühnen sprechen jedoch eine andere Sprache: Paul Kalkbrenner, Dubfire, Carl Cox, Sasha, Nina Kraviz, Caribou, GusGus, Mouse on Mars, Minicoolboyz sind das Abendprogramm. Und das war nur ein Tag. Sven Väth, David Guetta, Sander van Doorn am Vorabend. Hier wird nicht nur Kindergeburtstag gefeiert.
Wir schauen uns Kalkbrenner an, der gerade auf der Hauptbühne angefangen hat. Wahnsinns-Sound vor starker Seekulisse. Umwerfend. Man muss nicht unbedingt Kalkbrenner-Fan sein, um diesen Auftakt geil zu finden.
Anschließend kurze Stärkung mit Flüssignahrung, weiter geht’s. Von GusGus bekommen wir nur den Schluß mit, wir schlendern weiter zur Bühne mit Caribou. Grandios ist gar kein Wort. Was der Kanadier dort zum besten gibt, gefällt auch den Ungarn – Bombenstimmung!
Ein Bier später stehen wir in einem Zelt, dass von Nina Kraviz beschallt wird. Grooviger, cooler Clubsound. Sehr gut!
Mit der Zeit wird es etwas kuscheliger im Zelt, da es draußen zu regnen beginnt. Wir retten uns zum nächsten Heineken-Stand, gerade noch rechtzeitig, um dem heftiger werdenden Regen zu entwischen. Der Programm-Plan schlägt vor, nun bei Dubfire reinzuschauen. Das Wetter hat jedoch andere Pläne. Aufgrund des Regens suchen bei Dubfire zu viele Schutz. Der Regen nimmt an Fahrt auf.
Mittlerweile schon nass bis auf die Knochen tauschen wir unsere Wertmarken wieder in Forint um und suchen den Ausgang auf. Nun bereits mehrere zentimeterdicke Pfützen säumen unseren langen Weg zum Parkplatz. Wenn es einen Superlativ zu aufgeweicht gibt, wir wären das Paradebeispiel hierfür.
Manche Autos kommen ohne fremde Hilfe nicht mehr vom Parkplatz weg, so viel Wasser ergießt sich da vom Himmel. Endlich im Auto hilft auch auswringen nicht mehr. Nass bis auf die Knochen. Heimweg ins Hotel.
Das Wetter kann man sich leider nicht aussuchen, am Festival hingegen finde ich nur Positives. Die umwerfende Location, die gute Organisation, breites Angebot an Acts, auch coole lokale Jungs dabei und durchweg faire Preise. Wir fallen mit einem Schmunzeln ins Bett.
Am nächsten Tag sind wir schon früh auf den Beinen, wir steigen ins Auto und fahren einmal um den See herum und zurück nach Budapest. Endlich in Budapest entschädigt die Fahrt über die Kettenbrücke für jedes Wetter. Nach dem Ausklang in einem kleinen, unscheinbaren Lokal machen wir uns auf zum Flughafen. Hinter uns liegt ein kurzes, aber absolut gehaltvolles Wochenende irgendwo in Ungarn.
Das Wetter war diesmal nicht unser bester Freund, beim Heineken Balaton Sound Festival waren wir jedoch nicht das letzte Mal. Pluspunkte auf voller Breite!
(Lukas Fritscher)
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