Donnerstag, 17. Mai 2012

Leserschicksale – Teil 1: Stefan Wenzel


21. Januar 2010 // Redaktionsblog  

stefan wenzel

Im Alter von 13 Jahren entdeckte Stefan Wenzel die elektronische Musik für sich. Ein Jahr später, 1992, begann er, am Computer eigene Tracks zu produzieren. Die technischen  Möglichkeiten waren zwar beschränkt, aber das brachte ihn nicht davon ab, seinen Traum zu verwirklichen. Das erste Thüringer Plattenlabel „Pure Vinyl“ (aus Erfurt) interessierte sich einige Zeit später für ihn. Seine Ideen, Visionen und Musik gefielen den Machern. Die erste Veröffentlichung von Stefan Wenzel und seiner Unity Posse folgte und war Auftakt zu weiteren Produktionen und Releases.

Auch als Liveact war Stefan Wenzel unterwegs. Zusammen mit Freunden organisierte er auch eigene Partys in Thüringen.

Anfang 1996 gründete er nach dem Besuch der „Love Parade“ sein eigenes Label „Unity Heart“. Die erste  CD darauf erschien 1997. Die Tracks darauf produzierte Wenzel zusammen mit befreundeten Acts aus Thüringen. Das Feedback darauf war äußerst positiv. Auch ein anderes Label, “Dixon”, sah das Talent des jungen Künstlers. So kam ein Track von ihm, zusammen mit Tracks von Mirko Sauer und Sven U.K. auf das erste Release. Stefan Wenzels Liebe zur elektronischen Musik blieb natürlich nicht auf Thüringen beschränkt. Man traf ihn auch in Clubs in Berlin (E- Werk/Tresor), Münster (Dockland/Fusion), Hamburg (Phonodrom + weitere) oder irgendwo anders, wo es um Musik, Partys und ähnliches ging. Dadurch traf er auf jede Menge illustrer Producer und Szene-Leute.

Mitte 1997 wurde ihm sein Drogenkonsum jedoch zum Verhängnis. Er gab er immer mehr Geld für die Rauschmittel aus und zerstörte dadurch immer mehr sein Leben. Selbst die Musik wurde plötzlich völlig unwichtig für ihn. Er verkaufte sein gesamtes Equipment, um die Sucht zu finanzieren, und den Konsum zu steigern. Er verlor die Kontrolle.

Anfang 1998 erfolgte die erste Einweisung in die „Psychiatrie“. Diagose:  „Absolute Drogen-Psychose“. Weitere Aufenthalte und ebenso viele Rückfälle n die Sucht folgten. Nach dem 8. Mal Psychiatrie und einen zwischenzeitlichen Leben „draußen“, verschmolzen für Stefan Wenzel Realität und „Fantasiewelt“. Er wurde kriminell, um sich die Drogen weiterhin leisten zu können.  2001 kam er deswegen in Gera in U-Haft in Gera. Das anschließende Gerichtsurteil lautete Urteil „Maßregelvollzug“ und bedeutete  Therapie auf unbestimmte Zeit. „Raveline“ berichtete von Stefans Schicksal im Dezember 2003 darüber. Heute, über 6 Jahre später, ist Stefan immer noch in Therapie. Doch die Liebe zur Musik hat er, der schon seit vielen Jahren Raveline liest, wiedergefunden. Mit der Raveline-Redaktion steht er regelmäßig in Kontakt und gab natürlich gerne ein Interview.

Hallo Stefan. Raveline hat ja schon einmal über dein Schicksal berichtet. Wie geht es dir denn heute?
Mir geht es zur Zeit ganz gut. Ich bin natürlich immer noch eingesperrt, also in Therapie und das wahrscheinlich noch ein paar Jahre. So ist eben Maßregelvollzug. Das ist mein Los, was ich gezogen habe. Trotzdem geht mein Leben weiter und auch meine Entwicklung. Musikmäßig läuft es sehr gut und das, was ich aufgebaut habe, wächst. In den letzten Jahren habe ich viel Zeit mit Produzieren verbracht. Ebenso war ich mit meiner Internetseite beschäftigt. Wir haben damit echt einiges geschafft. UnityHeart ist heute ein kleines, schickes Label. Das soll auch so bleiben. Nachdem damals der Bericht in der Raveline erschienen ist,  passierte viel positives. Diese Energie nutzte ich natürlich für meine Belange. Selbst Marco Remus besuchte mich mal in Mühlhausen. Es war sehr angenehm mit ihm zu reden! Aus ganz Deutschland erhielt ich Briefe. Die meisten beantwortete ich. Es war viel Arbeit, doch es machte viel Spaß. Ich fing auch damit an, zu sparen, um endlich wieder Musik machen zu können. Mit dem wenigen Geld, was mir damals zur Verfügung stand, war es schwer etwas Gutes zu kaufen. Erst im Offenen Haus hatte ich den Betrag für eine klasse Workstation zusammen. Und dann ging es wieder los mit dem Produzieren. Es entstanden einige Tracks produzierte damit. Doch ich wollte auch mein Plattenlabel zurück und so manches mehr. Daher entstand mit Hilfe meines Webmasters Steve eine eigene Website. Auf dieser konnte ich mich ausleben. Es kamen bald die ersten Acts und andere Dinge. Heute ist die Seite ziemlich ausführlich und informativ. Ich bin jedenfalls sehr zufrieden damit. Für dieses Jahr habe ich mir noch viel vorgenommen…

Welche Einschränkungen in deinem Alltag stören dich denn am meisten?
Mich stört, dass ich nicht wirklich irgendwo hinfahren kann, wo ich gerne hin möchte. So einige Freiheiten und Lockerungen habe ich ja. Ich kann zum Beispiel alleine von Mühlhausen nach Erfurt fahren, um in den Dixon-Plattenladen zu fahren oder einfach nur einen Kaffee zu trinken. Aber ich kann nachts nicht zu Veranstaltungen fahren. Außer hier in Mühlhausen, aber das nur bis zu einer bestimmten Uhrzeit. Es nervt mich, so eingeschränkt zu sein. Gerade wegen der ganzen Musik. Ich habe ein Plattenlabel zu führen, was gewerblich angemeldet ist. Klar ich bin noch in Therapie und habe zudem andere Verpflichtungen, aber für die Musiksachen ist es momentan subopimal. Das Personal meiner Station unterstützt mich aber zumindest. Trotzdem ist es nicht gerade leicht, so zuleben. Alles unter einen Hut zu bringen… Doch ich schaffe es irgendwie, am Ball zu bleiben.

Du bist langjähriger Raveline-Leser, wie kamst du eigentlich zum Magazin? Wann hast du die Raveline zum ersten Mal gelesen?
Das war, glaube ich, 1994 in einem Supermarkt. Dort entdeckte ich die Raveline für mich. Seit dieser Zeit lese ich sie regelmäßig. In den letzten 6 Jahren bekam ich sie jeden Monat zugeschickt. Mir gefällt das Magazin echt sehr gut. Gerade wegen dem Techno-Stil.

Welche Raveline-Story ist dir besonders in Erinnerung geblieben?
Eine Story über Monika Kruse ist mir in guter Erinnerung geblieben. Sie ist eine ganz tolle DJ-Frau. Wahnsinn, was sie alles geschafft hat. Ich denke, dazu gehört sehr viel Energie . Irgendwann wurde ich sie gerne mal treffen, um einfach mal zu reden. In der Story von damals stand auch, dass sie solo wäre und einen Lebenspartner sucht. Ich bin in einer ähnlichen Situation und kann deswegen ihre Worte verstehen. Wer will schon allein sein? Doch auch ihr letztes Album gefällt mir. Mal schauen, was noch alles von ihr kommt.

Du bist auch selbst als Producer tätig. Was steht momentan bei dir an? Für welchen Style stehst du heute?
Im Dezember 2009 habe ich mein neues Album “The Girl” herausgebracht. Im Online-Shop von UnityHeart.de gibt es das Album zu kaufen. Außerdem soll eine neue CD-E.P. erscheinen, was aber noch eine Weile dauert. Auch Tracks für andereProjekte sind in Planung und im Entstehungsprozess. Mein Stil ist ganz klar Techno. Dem bin ich auch immer treu geblieben. Techno ist das, was mir gefällt.

Was inspiriert dich beim Produzieren? Was hat sich musikalisch für dich am meisten geändert?
Mich inspiriert vieles, was ich dann in Musik umsetze. Es sind Begegnungen mit anderen Menschen, die mich besuchen kommen. Oder die Natur in all ihren Facetten. Auch Situationen die ich hier in Mühlhausen erlebe. Manchmal sind es die kleinen Momente, die mir Ideen geben. Ich beobachte auch sehr gerne Leute. Auch Erlebnisse während meiner Therapie baue ich ein. So wurde zum Beispiel “DJPsychoknast” geboren.
Was sich musikalisch geändert hat, lese ich ja jeden Monat in der Raveline… Ich denke, dass die Leute einfach gute Musik hören wollen und nichts anderes. Veränderungen gibt es natürlich in meiner Musik. Es soll sich ja nicht alles gleich anhören. Veränderungen gehören einfach dazu. Auch im Leben.

Mit welchem Equipment produzierst du?
Ich produziere mit einer Workstation von Yamaha und von Korg. Zusätzlich habe ich noch den Sampler von Roland, den SP 555. Das Mischpult ist auch von Yamaha. Ich bin eher ein Hardware-Freak, der mit richtigen Musikmaschinen arbeitet. Diese ganzen Softwaregeschichten sind für mich momentan nicht so spannend. Später möchte ich mir aber auf jeden Fall mal einen Laptop kaufen, um mit Software zu arbeiten. Doch mit den Workstation bin ich ganz zufrieden. Später will ich dann Software und Hardware kombinieren.

Welche anderen Producer gefielen dir in den letzten Monaten besonders?
Mir gefiel im letzten Jahr Anthony Rother sehr. Aber auch Leute wie Monika Kruse oder Pascal F.E.O.S. sind bei mir ganz vorn. Ich selbst sammle gerne CDs und DVDs von allen möglichen Acts. Von Anthony Rother habe  ich zum Beispiel die letzte DVD gekauft. Sehr genial das Ganze. Er ist für mich einer der besten Live-Acts. Die Texte finde ich auch wirklich gut. Ich bin schon ein wenig Fan. Ihn würde ich auch gern mal treffen.

Was steht in diesem Jahr musikalisch bei dir an?
In diesen Jahr ist die erwähnte CD E.P. von mir geplant. Eine CD-Compilation von allen UnityHeart-Acts soll Mitte des Jahres folgen. Außerdem sind weitere kleine Projekte geplant. Eine Plattenpressung von mir ist in Verhandlung, doch noch nicht so richtig spruchreif. Auch auf der Website wird es musikalisch einiges auf die Ohren geben..

www.unityheart.de

Unity Heart Logo

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