Games im Dezember
Eigentlich sollten hier jetzt die üblichen Wortspiel-Verdächtigen stehen. Alle Jahre wieder, heiße Weihnachten, ihr Gamerlein kommet – geschenkt. Das Quartal ist am Ende, die Lager sind leer und erste Bestseller bereits ermittelt. Doch es soll ja vereinzelte Zocker geben, denen es noch immer an passenden Gaben für den Geschenkebaum mangelt. Ihnen seien nun folgende Nachzügler und vom Verfasser schändlich vergessene Perlen ans Herz gelegt, mit denen das Fest der Liebe dann hoffentlich auch zum Fest der Spiele wird.
So widmen wir uns mit gebührender Schamesröte im Gesicht zunächst dem Gitarren-Comic-Gemetzel Brütal Legend von EA. Eine brütal-witzige Mischung aus 3rd-Person-Adventure und Echtzeitstrategie für Xbox und PS3, in der man die Rolle des Vollblut-Roadies Eddie Riggs übernimmt, dem Comedy-Kugel Jack Black Aussehen und Stimme leiht. Dieser wird Dank eines abstrusen Bühnenunfalls in eine fremde Welt geschleudert, in der die Plattencover von Manowar oder Iron Maiden zum Leben erwacht sind und Heavy Metal nicht nur Musik, sondern auch tödliche Waffe ist. Diese gilt es nun mit all ihrer barbarischen Power zu entfachen, um Headbanger-Mittelerde vom finstren Herrscher Doviculus und seiner Dämonenarmee Tainted Coil zu befreien. Eine liebevolle, mit taktischen Komponenten versetzte Hack’n’Slay-Hommage an den Metal, die sich Gott sei Dank keine Sekunde lang ernst nimmt.
Im Gegensatz zu Konamis Torture-Porn-Versoftung Saw, mit der man den Horror der Serie erstmals auf Xbox 360, PS3 und PC erleben kann. Darin übernimmt man die Rolle des Detective David Tapp, der in einer baufälligen verlassenen Anstalt aufwacht, nachdem er von seinem alten Widersacher Jigsaw gefangen genommen wurde. Dieser wird filmgerecht von Tobin Bell synchronisiert und jagt den Spieler durch ein Labyrinth des Terrors, dass von allerlei Rätseln, fiesen Schickmomenten und natürlich knackigem Gore geprägt wird. So gilt es seine Fallen meist unter Zeitdruck, mit Hilfe KI-gesteuerter Figuren und angereichert von authentischen Twists zu bewältigen, was angenehm altmodischen Survival-Horror der alten Gänsehaut-Schule zur Folge hat. Kann man „spielen“.
Und da wir schon beim Thema sind, setzen wir mit Capcoms Resident Evil: Darkside Chronicles auch gleich noch einen drauf. Der Lightgun-Shooter für die Wii führt uns nämlich zu den Anfängen der Survival-Horror-Saga zurück und hetzt den Spieler mit intensivem Wackelkamera-Flair durch streng lineare Schlüsselszenen der indizierten Vorgänger und eine neue Solo-Kampagne rund um Jack Krauser. Dabei ist man stets im Team unterwegs und darf erneut durch das Zombie-verseuchte Raccoon City flüchten, sich mit dem irren Albert Ashford duellieren oder dem Monsterwurm aus Code Veronica den Garaus machen. Das sieht für Wii-Verhältnisse nicht nur verdammt gut aus, es erfordert auch immer wieder kooperatives Geschick und bietet mit Dank eingestreuter Quick-Time-Events ein bisschen mehr als Standard-Schienen-Schießereien.
Doch genug der Gewalt. Mit Tony Hawk: Ride für PS3, Xbox 360 und Wii wird jetzt erstmal eventuellem Feiertagsspeck vorgebeugt. Denn das neueste Brett-Spiel aus dem Hause Activision wird mit einem kabellosen Skateboard-Controller ausgeliefert, der mittels modernster Beschleunigungsmesser und Sensoren Bewegungen in Tricks umsetzt, Gelegenheitsskater wie Hardcorezocker gleichermaßen fordert und die Funsport-Serie wirklich schweißtreibend aus der Stagnation führt. Dafür sorgen unter anderem 15 Level und vier verschieden Spielmodi, bei denen man mehrere Aufgaben erfüllen, so viele Moves wie möglich zusammentricksen, völlig frei durch die City cruisen oder auf Zeit über die Strecken jagen muss. Anfänger erfreuen sich dabei einer Lenkhilfe, Dank derer man sich voll und ganz auf die Tricks konzentrieren kann. Profis hingegen werden froh darüber sein, dass sich die wirklich stylischen Manöver nur in Nuancen unterscheiden.
Womit wir auch schon wieder am Ende und beim Wiedersehen mit einer alten Peitsche wären. Mit Activisions Lego Indiana Jones 2 – Die neuen Abenteuer kehrt der Held aus dem Hörsaal erneut in Klötzchen-Form auf den Bildschirm zurück und hat eine Menge neues Material im Gepäck. So wird nicht nur sein letztes Filmerlebnis im Königreich des Kristallschädels durch den witzigen Bausteinwolf gedreht, sondern auch die alten Teile aus neuer Perspektive gezeigt, wodurch zu keiner Zeit der Eindruck entsteht, dass man das alles schon einmal erlebt hat. Darüber hinaus wurde Indys Lederriemen um einige Funktionen erweitert und ein Splitscreen eingeführt, der sich immer dann einschaltet, wenn sich die Hauptdarsteller zu weit voneinander entfernen. Beste Neuerung: ein Leveleditor, mit dem man auf Xbox 360, PS3, Wii, PC, DS, PSP und PS2 seine eigenen Abschnitte kreieren, integrieren oder mit anderen tauschen kann.
In diesem Sinne:
Merry Christmas and a happy new year…








