Helden der Nacht – Seph – Newcomer 10.2012

Seph
Neben dem Argentinier Sebastian Galante, auch bekannt als Seph, haben es andere Musiker schwer. Seine musikalische Laufbahn ist nahezu märchenhaft. Stark geprägt durch die frühen Lehren seines musikalischen Vaters und dem Erlernen des Klaviers, zog er als junger Teenager nach Norwich in England und fing an, einfache Klavierstücke selbst zu komponieren. Sein Interesse an elektronischen Sounds wuchs und so begann er mit einem Electronic Art-Studium. Sein Debüt-Release „Goust“ veröffentlichte er mit neunzehn und fortan folgte ein Release dem nächsten. Man kann ihn auf Stock5, Dumb Unit, Harry Klein und vielen anderen Labeln finden und seine Tracks sind bereits in Compilations von Ellen Allien oder Jeremy Caulfield vertreten. Von der Clubszene wird er weltweit gebucht. Last but not least eröffnete er nun auch zusammen mit zwei Kollegen sein eigenes Label Aula Magna. Seph ist ein Musiker, wie er im Buche steht und verdient es, in Germany richtig durchzustarten.
Was hat dich dazu bewegt Musik zu machen?
Ein großer Einfluss war für mich mein Vater. Er lehrte meinen Brüdern und mir die Basics und gab uns massenhaft Musik aus verschiedenen Stilrichtungen, zu hören. Ich verstand schnell, welch enorme Kraft in der Musik liegt, die Menschen zusammenzubringen. Nach ein paar Jahren Klavier- und Musikunterricht im Kindesalter gab es eine Sache, die vorzugsweise meine Aufmerksamkeit erhielt: Die Tatsache, dass Musik unweigerlich nur existieren konnte, wenn auch Zeit vorhanden war. Musik ist nicht wie ein Bild, das an einer Wand hängt und darauf wartet, angesehen zu werden. Und noch komplizierter: Kein Sound kann existieren, ohne die Stille davor. Aber existiert die Stille überhaupt? Ich begann zu begreifen, dass Musik etwas war, das einen Weg in alle Aspekte unseres Lebens gefunden hatte und eine interessante und wundervolle Reaktion mit sich brachte: Das Tanzen. So entstand die Faszination, die nach und nach, meine Leidenschaft für die Musik zum Leben erweckte. Die Auswahl an Sounds, die neu zu entdecken oder selbst kreiert sind, ist grenzenlos und dabei ist es nicht einmal notwendig, dem Ganzen irgendeine Bedeutung zu geben. That’s the beauty of it!
Entweder…
Maintime oder Afterhour?
Für mich ist es die Afterhour. Ich kann meine Sounds frei heraus spielen, ohne darüber nachdenken zu müssen, wie ich mit dem Beat die Masse zum Jupiter katapultieren kann. Afterhour-Music muss tanzbar sein, es bleibt aber auch die Möglichkeit, extreme psychedelische oder head-twisting Sounds einzubauen. Der Vibe ist relaxter und die Leute sind offener für bizarre Klänge, die auch mal von der Norm abweichen dürfen.
70s-Rock oder 80s-Pop?
Oje, diese Frage bringt mich fast um den Verstand! :) . Dafür muss ich ein wenig mogeln: Nehmen wir an, mit Pop(ular) Musik, ist die für die Massen gemachte Musik gemeint, also der Kommerz, und es wären somit alle Musikrichtungen mit einbezogen. Nehmen wir die späte 70s und frühe 80s Post-Punk-Bewegung mit Bands wie Joy Division und The Cure und den Monsters und Techno-Vätern Kraftwerk in meine 80s-Pop-Box“, addieren noch Depeche Mode und M.J.s „Thriller“ dazu, dann wäre das die Box meiner Wahl. Als Rock würde ich für mich eher die Swingin’ 60s mit den Beatles, Velvet Underground und Bob Dylan bezeichnen. (Oder stopp: Ist das schon Volksmusik?)
DJ oder Produzent?
Der Fakt, dass so viele großartige DJs grauenhafte Produzenten sind, macht das zu einer kniffeligen Frage. Aber trotzdem bin ich fürs Produzenten-Dasein. Es ist aufregender, jemandem zuzuhören, der eigene Musik spielt (live), als einen DJ, der nur Musik von anderen auflegt. Ich meine damit, das Einzige, was ich wirklich bei der Musik eines Artists anerkennen kann, ist der eigene Sound. Habe ich die Wahl zwischen zwei hervorragenden DJs, bei denen der eine schlechte Musik und der andere großartige Musik mit persönlicher Note produziert, so würde ich den letzteren nehmen. Aber andererseits: Wo wären wir Produzenten ohne DJs?
Festival oder Club?
Club. Dort, wo es eine tiefere Verbindung zwischen Performer und Publikum gibt. Das Feedback zwischen ihnen funktioniert besser. Und es scheint, als würden die meisten DJs die ich mag auch kaum auf Festivals zu finden sein. Das soll aber bitte nicht falsch verstanden werden, auch Festivals machen eine Menge Spaß!
Apple oder Microsoft?
Apple! Ich kann nicht glauben, dass Microsoft immer noch nicht realisiert hat, dass die Dinge so viel einfacher sein können. Vielleicht wissen sie das auch schon längst und machen die Dinge mit Absicht so viel komplizierter.
130 bpm oder 120 bpm?
Mein perfektes Tempo ist 125. Wenn ich aber zwischen diesen beiden wählen müsste, dann wäre meine Wahl 120. Wenn man langsamer spielt, bleibt sehr viel mehr Raum für Details im Groove, der Rhythmus kann sich besser verbreiten and klarer verstanden werden.






