Freitag, 30. Juli 2010

Moguai: It’s All About The Music


22. Dezember 2009 // Musikthemen  

MOGUAI_Presspic

2009 war ein sattes Jahr für André Tegeler aka Moguai. Wo andere sich in Krisenzeiten der Musikindustrie in Selbstmitleid zerfließend die eigenen Wunden lecken, zündet der Recklinghäuser DJ & Produzent eine Schubdüse nach der anderen. Mit diszipliniert-konstanter Studioarbeit, seinem ambitionierten Radio-Podcast und natürlich Punx Records hat Moguai sich bestens aufgestellt. Produktionen für das Deadmau5 Label Mau5trap, Remixes für Moby, Royksopp u.v.m. steigerten sein internationales Renommee in ganz neue Sphären. Der Fuß bleibt hart auf dem Gas, und so erscheint nun die erste Compilation zum internationalen Radio-Format „Punx Up The Volume“, von dessen 26 Tracks zehn aus der Feder des Punx-Labelheads stammen. Wir folgten seiner Einladung und besuchten André in seinem gemütlichen Heim zum Interview.

Anfang des Jahres hast du deine Firma inklusive der Studios komplett umstrukturiert. Wie kam es zu dieser Entscheidung?
Ich habe das alles geändert, da ich der Einzige war, der dort die Kosten getragen hat. Ich habe den Boys dann eine Beteiligung angeboten, aber das wollten, bzw. konnten sie nicht. Dann habe ich nach drei Jahren einen Schlussstrich gezogen und seitdem heißt es wieder ‚Back To The Underground’. Jetzt wird wieder mal hier in Mamas Keller oder wo auch immer gearbeitet.

Also produzierst du aktuell mit verschieden Partnern?
Ich suche mir das aus, je nachdem, wie es passt. Ich habe ein Team mit dem ich arbeite, aber wenn ich Sachen habe, wo es Sinn macht mit anderen zu arbeiten, dann mache ich das auch. Das kann z.B. der Fall sein, wenn es darum geht, richtige Songs zu produzieren, die über die normalen Produktionen hinausgehen. Da bin ich gerade dabei, mich mit einigen Leuten aus Berlin zu befassen. Ansonsten entscheide ich mich da sehr trackspezifisch. Ich gehe immer in der Annahme ins Studio, einen guten Track zu machen. Der kann dann aber auch mal ein Vocal vertragen, ganz einfach, um über den ganz normalen Beatport-Status hinaus zu kommen, wo ja mittlerweile bis zu 4000 Tracks die Woche veröffentlicht werden. Es war schon immer mein Bestreben Sachen zu machen, die andersartig und neu sind.

Wie stehst du zu der allgemeinen Flut an Releases, kleinen Digi-Labeln etc., die momentan den Markt überschwemmt?
Das finde ich ganz schrecklich. Ich finde es zwar gut, dass sich die Produktionsweisen vereinfacht haben und da kann ich wirklich aus Erfahrung sprechen. Ich hatte vorher zwei Studios mit einer Peripherie, da konntest du bis zum Mond mit fliegen. Da gab es Hardware bis der Arzt kommt, wo du heute nur noch mit Plug-Ins arbeitest, die auch klanglich nicht unbedingt schlechter sind. Auch Künstler wie Jean Michel Jarre, Joachim Garraud oder Eric Prydz, die vorher nur analog produziert haben, schwören mittlerweile nur noch auf Plug-Ins. Das Negative daran ist, dass viele meinen, sich Loops aus irgendwelchen Sample CDs nehmen zu können, da noch eine Hihat extrahieren oder eine Bassdrum klauen, da noch einen Filter drauf und schon hast du einen Groove, der sich auch ganz gut anhören mag und dann hat man auch ganz schnell einen Track. Das finde ich halt Scheiße, denn das macht alles so austauschbar und belanglos. Da fehlt einfach die Seele.

Tom Novy hat es treffend in unserer letzten Kolumne treffend angesprochen. Was ist heute kommerziell und was ist heute cool und undergroundig?
Es kommt halt drauf an, wie du es verkaufst. Wenn z. B. eine „Trumpet“ von SIS mit einer hohen Vorschusszahlung nach England geht, dann ist das hochgradig kommerziell. Dann bist du als Underground Act ganz schnell bei den ganz Pop-Sternchen, die du eigentlich scheiße findest, denn das ist genau die gleiche Maschinerie. Wenn ein DJ am Wochenende mit dem Zug nach Dresden fährt, um da in einem 500 Mann Club zu spielen, da aber vielleicht sogar kommerziellere Musik spielt, ist das in meinen Augen Underground. Aber ein DJ, der First Class nach Kuala Lumpur fliegt, im Mandarin Oriental (5 Sterne plus) pennt, mit 15000 Euro Gage nach Hause fliegst, aber nur Klikker Klakker spielst, ist für mich Kommerz.

Du hattest in diesem Jahr ein Release auf Mau5trap, ein weiteres kommt in Kürze. Wie entstand der Kontakt zu Deadmau5?
Ich weiß aus der Vergangenheit, dass er meine Sachen gut findet und da lag das einfach nah. Der Titel war fertig, ohne irgendwelche weiteren Mixe. Ich habe den dann rüber geschickt, sie fanden das Stück super und haben es weltweit veröffentlicht.

Also war es vom Stellenwert her ein sehr wichtiges Release, das deine Karriere auch international weiter anschiebt?
Definitiv. Witzigerweise, obwohl ich so viele Releases hatte, die auch kommerziell erfolgreicher waren, so hat diese Nummer auf Mau5trap wirklich jeder mitbekommen. Ich habe nur für diesen einen Track Interviews für CNN oder die New York Times gegeben. Der Fokus auf Joel, also Deadmau5 und sein Label ist halt enorm groß. Bei den DJ Mag Top 100 ist er ja mittlerweile auf dem 6. Platz. Als prägendsten DJ und Produzenten 2009 hat er dort auch Moguai angegeben. Ich kenne ihn allerdings gar nicht persönlich. Wir haben zwar oft auf gleichen Veranstaltungen wie z. B. Urban Art Forms gespielt, aber meist an unterschiedlichen Tagen. Aber das heißt nix. It’s all about the music. So wie es Jay-Z auch bei den MTV Europe Awards gesagt hat, wo ich noch am Donnerstag war. Ich fand das ganz toll, denn seine Message war, das alle von Green Day, Beyoncé, U2 bis Kate Perry nur wegen der Musik zusammen kommen und es nicht um irgendwelche Styles geht. International ist das mittlerweile auch wirklich so, nur wir Deutschen denken da oftmals zu verbohrt.

Du hast dieses Jahr auch auf Feddes Flamingo Night im Pacha gespielt. Hat Ibiza heute noch einen hohen Stellenwert?
Für mich muss ich sagen, war es nie das große Ding, weil es einfach unspannend ist, da ja wirklich jeder da ist. Es ist schon cool, wenn man eine gute Zeit haben will, denn dann kann man sich sehr viel in sehr kurzer Zeit geben. Ich bin 16 Jahre lang nach Ibiza gereist, aber nur um dort anzukommen und weiter nach Formentera zu reisen. Dann habe ich die ersten Male im Space gespielt, aber es war jetzt nie so, das ich sagen würde ‚Hammer’. Das erste Mal Pacha war für mich aber was Besonderes, obwohl ich schon größere Sachen gespielt habe. Aber da war ich vorher echt etwas nervös, einfach, weil es das Pacha ist.

Wie schaut es aktuell bei Punx Records aus?
Der Plan ist weiter gute Musik zu releasen. Ich habe zuletzt Big World, Kid Massive und Darwin & Backwall aus dem Dada Life Umfeld gemacht. Die Demos für Punx durchlaufen immer eine Vorinstanz, das sind die Kölner von More Music, die auch WePlay machen. Anders funktioniert das auch nicht. Alleine die ganzen Studios mit Ideen zu unterhalten, kostet schon sehr viel Zeit. Ich habe allein in diesem Jahr zwölf Remixe gemacht, so viele wie noch nie in meiner Karriere. Aktuell habe ich die neue Moby Single geremixt.

Hat er den Remix bei dir angefragt?
Ja, ich habe schon öfter mit ihm zusammen gespielt und dann kam die Anfrage von seinem Management, ob ich den Mix machen würde. Ich habe natürlich sofort zugesagt und der Mix ist wirklich mega geworden. Das Management fand den Mix super und auch Moby hat direkt persönlich angerufen und mich gebeten, noch unbedingt einen Radio Cut von meinem Mix zu machen. Höchstwahrscheinlich wird das dann sogar der Single Mix. Außerdem habe ich Remixe für Royksopp und Play Paul gemacht. Auf letzteren hat das ganze Daft Punk Umfeld abgefeiert.

Neben deiner Radio Show auf Einslive hast du auch den Podcast „Punx Up The Volume“ als ein Tool für dich entdeckt. Wie ist da der aktuelle Stand der Dinge?
Neben Einslive Rocker mache ich diesen Podcast, der mittlerweile an 35-40 Radiostationen rausgeht. Das ist natürlich sehr arbeitsintensiv, aber auch sehr erfolgreich. Wir haben kürzlich erst einen Innovationspreis bei itunes dafür gewonnen, da die Downloadraten für diesen noch relativ jungen Podcast mit 800-1000 pro Tag sehr hoch sind. Dann mache ich noch einen Mix für MDR Sputnik und auch Sunshine Live wir den Podcast plus eine zusätzliche Stunde Musik übertragen. Also extrem viel Mixerei!

Es erscheint nun die erste gleichnamige Compilation zum Podcast. Wie bist du an die Arbeit herangegangen. Ist das quasi ein „Best Of“ aus dem Programm der letzten Monate?
Ja, schon. Den Podcast gibt es noch nicht so lange, die Compilation machen ich einmal im Jahr. Die letzte hieß noch „I AM X“, aber durch die Entstehung des Podcast machte es Sinn, die Sache Hand in Hand gehen  zu lassen. Die Compi ist ein Mix aus Podcast, Tracks aus meinen DJ-Sets, Future Releases und zehn Produktionen von mir selber, worauf ich sehr stolz bin.

Du sagst, du bist stolz darauf, dass so viele eigene Kompositionen drauf sind. Kannst du dir bei so viel Enthusiasmus im Studio vorstellen, ein Album zu machen?
Das kann ich mir sehr gut vorstellen, Ich finde das für mich sehr erstrebenswert und es ist so sicher wie das Amen in der Kirche, dass es irgendwann passiert und darauf freue ich mich auch schon. Momentan spricht auch alles dafür, dass es nicht mehr so weit in der Zukunft liegen wird. Für mich ist es wichtig, dass es Sinn macht und einem abgenommen wird. Irgendwann kommt da aber die Zeit, wie bei einem Modedesigner der seine Kollektion abliefern muss, an dem man so ein Album abschließen muss, ansonsten macht man es nie. Diesen Zeitpunkt habe ich bisher immer verpasst, aber ich habe daraus gelernt.

Welche Projekte planst du für 2010?
Einfach weiterhin gute Musik zu veröffentlichen, locker zu bleiben und den Spaß dabei zu behalten. Da möchte ich auch vielen Leuten Mut machen, am Ball zu bleiben, auch in schwierigen Zeiten wie diesen.

www.moguai.com
www.myspace.com/punxrecords
www.myspace.com/punxupthevolume

Tipp: Ab sofort erscheint Moguais zweites Release auf Mau5trap. Die Veröffentlichung besteht aus den Titeln „Impereal“ und „Lyve“ und ist die Katalognummer 021 auf dem US-Label.

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