Samstag, 11. Februar 2012

Tim Xavier: Im Berliner Haifischbecken


21. Juli 2010 // Musikthemen  

tim xavier 2

Was einen Künstler am meisten ausmacht, ist seine Geschichte: Der Wahlberliner Tim Xavier wuchs in Portland auf, zog als kleiner Junge auf den Mars (ermm, Houston) und dann auf Planet Techno. Dort fand er Inspiration in soliden Drumpatterns und Percussions, ließ sich im Haus von Chicago von Derrick Carter, Diz und Gabriel Palomo erziehen, legte sich eine feuerfeste Haut zu und überlebte 9/11 als Bouncer. Die Teambildung mit gleichgesinnten DJs und Produzenten, darunter Alexi Delano, Camea und Tony Rohr, ließ Tim immer weiter ins Epizentrum des heutigen Geschehens rücken: nach der harten Minimalwellen-Schule von New York zog es ihn in die dunklen Tiefen des Berliner Haifischbeckens. Dort lauert der mysteriöse Viperfisch, eine technotisch humanoide Spezies, die sich bei Nacht im ambientalen Strobolicht tummelt und sich dort ihre Opfer sucht…


Woher kommst du, wohin willst du, produktionstechnisch….

Meine Perspektive ist sehr simpel, mein Credo ist, das “weniger mehr ist”. Ich liebe Percussion, und qualitativ hochwertige Percussions und Rhythmen sind für mich die absolut fundamentale Basis für einen Techno- und Housemusic-Track. Ich habe immer sehr lange Zeit an meinen Drums geschliffen, sie definiert, sie verfeinert, sie getunt. Nachdem dieses solide Grundgerüst steht, versuche ich es mit dem Rest bescheiden zu halten und schmücke meine Tracks allenfalls mit inspirierenden Effekten, die nach und nach zu einzigartigen Elementen werden. Normalerweise nehme ich alles live auf, mit meiner Mixkonsole, belege die Kanäle mit Effekten, die dann verschiedene Rollen übernehmen, die ich nach und nach ausbaue. Das macht den Prozess sehr spontan, und das macht es für mich lebendig, nimmt der Musik das Mechanische. Die neue Produzentengeneration verbringt viel Zeit damit, in den Softwaresequencern die Tracks zu automatisieren, in dem Linien und Kurven gebaut werden, aber ich bin dafür nicht so recht zu haben.

Das erste Album ist wie ein Meilenstein für so viele… doch du hast lange gewartet, bis zu dich dazu entschlossen hast, eines herauszubringen. Warum?

Ich bin nach wie vor ein Track-Macher. In der Zeit, in der ich in die elektronische Tanzmusik eintauchte, waren die Tracks Werkzeuge, mit denen man eine große Leinwand bemalte. Und das war das, was Techno für mich ausmachte. Du weißt schon, 2 plus 2 ergibt 5. In den letzten Jahren setzte sich “das Album” als Künstlerkonzept auch im Technobereich immer mehr durch, und es wurde zu einem Standard, um sich als Produzent zu promoten. Buh! Ich fühlte mich einfach nicht danach. Und einfach nur das Gleiche zu machen wie alle, ist nicht mein Ding. Es inspirierte mich nicht. Doch irgendwann fiel mir auf, dass sich eine Kollektion von Tracks angesammelt hatte, die sich wie ein “ooooops”, ein Zufall, anfühlten, ich war da einfach so reingeschliddert. Und so fing ich an, sie zu bündeln und zu formen, bis eines zum anders kam.

Der “Viperfish” ist eine seltene Spezies, die sich in den dunklen Höhlen an der Unterseite des Clublandes festsaugt? Wer oder was ließ dich diesen Titel wählen?

Ich fühle mich auf romantische Weise zum Viperfisch hingezogen. Eine wunderschöne und zugleich hässliche Kreatur, die mich zugleich fasziniert und abstößt. Gefährlich und doch in einer Art Zenzone angesiedelt, die Tiefsee. Für mich ist das ein metaphorischer Selbstvergleich, und ich glaube, daran erkennen sich viele wieder.



www.myspace.com/timxavier

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