Pawel: Die Spaltung des Paul Kominek

Nachdem es bei früheren Turner Auftritten oder DJ Sets immer wieder zu Missverständnissen oder Enttäuschungen kam, weil die eine Hälfte der Besucher eher die Clubtracks und die andere eher die Songs mit Gesang mochte, wollte ich das etwas klarer gestalten. Da aber weiterhin Songs in beiden Kategorien entstanden sind, war es irgendwann klar, dass man das auf zwei Projekte unterteilen sollte“, erzählt Paul Kominek. Den meisten dürfte der Herr als Mitbegründer von Dial und unter dem Namen Turner ein Begriff sein. Aus den eingangs erwähnten Ursachen heraus hat er sich längst einen zweiten Projektnamen zugelegt: Pawel. Ein gleichnamiges Album ist gerade auf Dial erschienen.
Die Tracks sind Resultat eines längeren, wechselhaften Entstehungsprozesses. „Da ich ursprünglich ein reines Clubalbum, ein DJ Album im Sinn hatte, entstanden zwar meistens die Beats zuerst, allerdings änderten sich die Loops nach und nach, da ich teilweise über zwei Jahre an einzelnen Stücken gearbeitet habe. Irgendwann stand plötzlich eine Melodie oder nur ein Akkord im Mittelpunkt und dann änderten sich die Beats wieder komplett.“
Die Eleganz eines Turner und die für Dial typische, schlichte Erhabenheit und innige Tiefe in Sachen House schwingen in dem melodischen wie clubtaug-lichen Werk deutlich mit.
Als Einflüsse nennt Kominek frühe Erfahrungen mit House und Techno wie auch die eher südamerikanisch und afrikanisch beeinflusste Musik, die er in den letzten Jahren gehört hatte. Generell inspiriert ihn „alles, was um mich herum passiert, natürlich auch Musik, die ich höre und Menschen, die ich treffe.“ Den Austausch mit den Dial-Leuten empfindet er ebenfalls als sehr einflussreich. Das mit dem Musikerleben verbundene Reisen
versteht er sehr kreativ auszuschöpfen. Statt untätig herum zu sitzen, wird leidenschaftlich neue Musik entworfen. „Am liebsten im Zug, wenn die
Landschaft vorbeizieht. Deshalb hatten sicherlich auch die Reisen nach Südamerika, durch Mexiko und nach Argentinien einen Einfluss auf die Beats
auf dem Album.“
Musik ist für Kominek aber schon ewig und drei Tage ein großes Thema. „Ich hatte seit ich denken kann, etwas mit Musik zu tun und
war davon umgeben. Mein Vater spielte verschiedene Instrumente und mein Bruder hörte The Velvet Underground, bevor ich überhaupt zum ersten
Mal bewusst über Musik nachgedacht habe. Als ich mit 14 oder 15 in Frankfurt anfing auszugehen, erwachte bei mir dann das Interesse für House
und Techno. Die ersten Jahre von Playhouse und Klang waren ebenso wichtig, wie Detroit, Chicago und die ersten Jahre von Warp und Rephlex.“
Springen wir aber wieder zurück ins Jetzt. Im Studio ist bei Paul Kominek heute der Computer das Hauptinstrument. In diesem Sinne entstand das
Pawel Album mit Logic, diversen Samples und einigen Native Instruments Plugins. Eine zusätzliche Heimat für seinen Sound, wie auch den anderer
Künstler, ist das von ihm gegründete Orphanear Label. „Die Idee war ursprünglich, neben Dial eine weitere Plattform für zukünftige Veröffentlichungen aufzubauen, die einen Bogen spannt von Clubmusik zu neuer experimenteller Popmusik. Bisher waren die Veröffentlichungen eher auf Variationen von House und Techno beschränkt, doch dieses Jahr wird sich das nun langsam öffnen.“
Dieses Jahr, oder besser, in den nächsten Monaten können wir generell viel neue Klänge aus dem Dunstkreis Kominek / Pawel, Dial / Orphanear er-
warten. „Es wird wohl noch eine Remix EP zum Album geben und eine weitere Pawel EP auf Orphanear. Auf Dial stehen tolle neue Alben von Efdemin, John Roberts und die Dial 50 Compilation an.“ Eine klare Antwort auf die Frage nach einem neuen Lebenszeichen von Turner erhalten wir aber
vorerst nicht: „Es gibt einiges an neuem Material, aber ich bin mir noch nicht sicher, wann und wo das veröffentlicht wird, bzw. ob das dann eine
neue Turner Platte sein wird.“ Wir dürfen also gespannt sein und genießen bis dahin einfach die Pawel´schen Klänge.
Aktuelles Album:
Pawel – „Pawel“ (Dial)








